Forstausschuss der Stadt Kemnath unterwegs im Stadtwald
Mission Waldumbau

Die Flötz ist groß. Stadtförster Klaus Ferber erklärte anhand einer Karte, wo im vergangenen Jahr Maßnahmen getroffen wurden und wo noch Bedarf besteht. Bild: ckl
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Kemnath
15.10.2016
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Stadtförster Klaus Färber (rechts) erklärt, was er mit seinen Leuten im vergangenen Jahr in den Wäldern rund um Kemnath erarbeitet hat und wo noch Bedarf ist. (Links Bradtka, dritter von links Weber mit der grauen Jacke)

Gut Ding will Weile haben, das gilt auch für den Stadtwald. Dort informieren Förster und Forstverwaltung den Forstausschuss über getane und nötige Maßnahmen. Eins zeigt sich dabei deutlich: Die Fachleute arbeiten an einer wichtigen, aber auch sehr langwierigen Aufgabe.

(ckl) Wie baut man einen Wald um? Das war eine der wichtigsten Fragen, die Stadtförster Klaus Ferber und die beiden Vertreter der Bayerischen Forstverwaltung, Johannes Bradtka und Bereichsleiter Johann Weber, "am lebenden Objekt" erläuterten. Im Spitalstiftungswald bei Aign lauschten Bürgermeister Werner Nickl, Verwaltungsleiter Reinhard Herr und etliche Stadträte - nicht nur Mitglieder des Ausschusses - gespannt den Berichten. Das Ziel der Maßnahmen, den Wald sowohl ökologisch als auch ästhetisch umzugestalten, rückt Schritt für Schritt näher.

Der Umbau könne nicht von heute auf morgen geschehen, verdeutlichte Weber. Man müsse sich an einen sogenannten Forstwirtschaftsplan halten, der nach 20 Jahren ausläuft. Momentan dominiere die Fichte. Sobald ein Bestand verjüngt werden soll, werde er als Mischwald angelegt. Der Anteil der Buchen soll dann etwa 20 Prozent betragen. Bis der Nachwuchs die stattliche Größe seiner Nachbarbäume erreicht, dauert es allerdings Jahrzehnte. Zäune schützen die jungen Bäumchen, bis sie widerstandsfähig genug sind.

Käfer heuer keine Plage


Beim Thema Borkenkäfer konnte Ferber die Gemüter beruhigen. Etwa 100 Bäume fielen dem Schädling heuer zum Opfer. "Eine vernachlässigbare Zahl", wie Weber fand. Die Oberpfalz sei weitgehend verschont geblieben, "weil das Brutmaterial fehlt". Wo aber nach Stürmen viel liegenbleibt, entwickeln sich die Insekten prächtig. Kommt noch ein trockener Sommer dazu, ist die Plage vorprogrammiert.

In der Flötz wachsen ebenfalls zwischen den dicken Stämmen schon viele kleine Laubbäume in die Höhe. Pro Hektar haben etwa 6000 kleine Pflänzchen Platz. Jedes einzelne muss per Hand gesetzt werden. Diese Arbeit im Frühjahr und im Herbst übernehmen Pflanzer des Maschinenrings. Ferber berichtete stolz von der Tätigkeit der - meist - Frauen, denn sie machten ihre Arbeit gut. Nach seiner Erfahrung ist sogar die "Überlebensrate" der von Frauen gepflanzten Bäume höher als die der von Männern gesetzten.

Auch Weber war zufrieden: "Die Pflanzungen sind sehr gut gelungen. Es gab sehr wenige Ausfälle." Um den Bäumchen den Start in ihr neues Leben zu erleichtern, achtet der Förster genau auf die Bodenbeschaffenheit. Manchmal ist auch eine Nachdüngung sinnvoll.

Höchste Förderung


Diese intensive Waldpflege und die vielen Anpflanzungen wären so nicht möglich ohne die Fördergelder durch die Forstverwaltung. Bradtka erläuterte: "Pflanzkosten inklusive Steuern und Lohnkosten können durch die Förderung finanziert werden. Auch die Beratung ist kostenlos. Das gibt es so in keinem anderen Bundesland." Der Förderbetrag pro Pflanze betrage etwa 1,30 Euro. Rund 60 bis 70 Cent kostet ein Bäumchen im Einkauf.

Es wird allerdings nicht nur gepflanzt, sondern auch gefällt. In der Abteilung Mittelberg ist deshalb ein neuer Holzrückeweg geplant. Die Kosten dafür liegen laut Weber bei etwa 10 000 Euro, wobei auch hier mit Förderungen in Höhe von 8000 Euro zu rechnen ist. Auf die Stadt entfallen somit noch 2000 Euro. "So ein Weg ist nicht sehr teuer, weil weder Materialkosten noch Kosten für Entwässerungsmaßnahmen anfallen", erläuterte Weber. Geplanter Baubeginn sei Ende Oktober, die Fertigstellung Ende November, fügte Bradtka hinzu.

Das Schlusswort lag schließlich wie die Begrüßung bei Ferber. Er zog eine positive Bilanz: "Die Zeiten für die Holzwirtschaft sind gut, der Holzmarkt ist stabil." Der Förster lobte außerdem die hervorragende Zusammenarbeit mit seinen Forstwirten. Auch Bürgermeister Nickl dankte den Männern, die sogar mal beim Rathausumzug mit anpacken. Der Nachmittag klang im Anschluss gemütlich in der Flötzhütte bei interessanten Gesprächen und Spessarter Wildschweinwurst aus.
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