Früher Weber, heute Metallbauer

Vermischtes
Kemnath
19.06.2015
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Wer weiß heutzutage denn noch, was ein Schäffler so zustande brachte? Oder ein Nadler? Viele Berufe von anno dazumal spielen seit Jahrzehnten auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle mehr. Doch sie hatten früher sehr wohl ihre Daseinsberechtigung - auch in Kemnath.

Die Zeiten der Zünfte sind schon lange vorbei: Je nach Handwerksrichtungen musste oder konnte sich die arbeitende Bevölkerung "ihrer" Zunft anschließen. Diese ständischen Körperschaften von Handwerkern bildeten oftmals ein soziales, ökonomisches und religiöses System, in dem zahlreiche Angelegenheiten geregelt wurden. Dazu zählten die Rohstofflieferungen, die Löhne und die Preise, aber ebenso Absatzmengen und die Witwenversorgung. Auch in Kemnath gab es früher Zünfte und zunftähnliche Gemeinschaften - davon zeugen noch heute die Zunft-Abzeichen, die am Maibaum auf dem Stadtplatz befestigt werden.

Unzählige Handwerker

Welche Bandbreite es an handwerklichen Berufen Mitte des 19. Jahrhunderts in Kemnath gab, davon berichtete 1857 Sigmund Ehrnthaller, Eigentümer des ehemaligen Landrichter-Hauses, in seiner noch heute hoch gelobten Schrift über die Ortschaft. So zählte er unter den damals ungefähr 1500 Einwohnern 14 Metzger, 13 Weber, 12 Bäcker und alleine 11 Schuhmacher. Ebenfalls stark vertreten waren Schneider, Bräumeister, Hufschmiede und Schäffler (Fassbinder).

Interessant klingen heute viele Handwerksbezeichnungen, die fast ausgestorben sind. Denn auch den Hafner, den Lebküchner, den Strumpfsticker, den Nadler, den Tuchmacher und den Brunnenmacher gab es im Kemnath des 19. Jahrhunderts - zwar nicht in riesiger Anzahl, aber zumindest war auch die Versorgung durch diese Handwerker sichergestellt.

Das Handwerk und dessen Organisation hat sich - wie überall - natürlich in Kemnath ebenfalls verändert. Viele der alten Berufe gibt es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr, sie sind stattdessen von anderen Berufsfeldern mit übernommen worden. Doch es sind auch neue Professionen entstanden.

"Grundgesetz"

Was heute als Handwerk gilt, ist in der sogenannten Handwerksordnung festgelegt. Sie gilt als das "Grundgesetz für das deutsche Handwerk" und dient der Selbstverwaltung. Darin wird zwischen zulassungspflichtigem und zulassungsfreiem Handwerk unterschieden. Viele Berufe sind heute in Innungen organisiert.

Wer mit offenen Augen durch Kemnath geht, sieht Handwerksberufe an allen Ecken und Enden: Dazu gehören die Bäckereien, Metzgereien und Friseursalons ebenso wie die "Klassiker" - Metallbauer, Schlosser, Schreiner, Spengler und Drucker.
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