Gelber Sack nur für Verpackungen
Jahresmenge fast aufgebraucht

Vermischtes
Kemnath
07.08.2016
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Es sollte nur ein Hinweis auf den überdurchschnittlichen Verbrauch an gelben Säcken in einigen Landkreisgemeinden sein. Doch die Reaktion auf das Schreiben des Tirschenreuther Entsorgungsunternehmens Magnitz fällt zumindest im Kemnather Rathaus heftig aus. Dem unerwarteten "Aufruhr" gewinnt die Verfasserin aber auch eine positive Seite ab.

/Tirschenreuth. In der Stadtratssitzung hatte Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl Teile des Inhalts als eine "Unverschämtheit" bezeichnet (wir berichteten). Ein Vorwurf, den Brigitte Magnitz, die den Brief Mitte Juli an alle 26 Kommunen im Landkreis Tirschenreuth verschickt hat, nicht nachvollziehen kann. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, den Gemeinden oder ihren Beschäftigten etwas zu unterstellen, versichert die Prokuristin der Tirschenreuther Firma.

Dies hätten auch die meisten Kommunen und Personen so gesehen, die sich bislang bei ihr gemeldet haben. "Sie sind überwiegend verständnisvoll und sehr freundlich gewesen." Nur ein Bürgermeister habe verärgert reagiert. Doch auch solche Rückmeldungen "sind für mich schön", stoßen sie doch eine Diskussion an, mit der darauf hingewiesen werden könne, dass Missbrauch betrieben werde.

Zum Handeln sah sich Magnitz im Mai nach einem Gang durchs Lager mit den gelben Säcken veranlasst. "Da hat mich halb der Schlag getroffen." Die eigentlich für das ganze Jahr gedachte Menge sei damals schon fast aufgebraucht gewesen. Bei einem bundesweiten Durchschnitt von 13 Säcken für jeden der etwas über 73 000 Landkreisbürger immerhin knapp 950 000 Stück. Rund die doppelte Menge hatte die Firma im Januar in einer Lkw-Ladung geliefert bekommen. Reichen sollten sie zwei Jahre.

"Wir haben nie darauf geschaut, wie viele die Kommunen bereits abgeholt" oder bei Bedarf geliefert bekommen haben, berichtet Magnitz. Doch nach dem Blick ins Lager habe sie überschlagen, wie viele Säcke schließlich zurückkommen. "Von der Tonnagemenge waren das nicht mal ein Drittel." Was mit dem Rest passiert, habe sie selbst oftmals beobachtet. So seien vor kurzem bei den Gartentagen in der Kreisstadt Rosen in den gelben Säcken verpackt worden. Sie habe auch Mädchen gesehen, die sie als Regenschutz verwendet hätten. Die Prokuristin stellt klar: "Die Säcke gehen nicht in den Besitz der Bürger über", weshalb der "Missbrauch eine Straftat" sei. Denn jeder Bürger bezahle zum Beispiel beim Kauf einer Zahnpasta für den Sack und die Verwertung der Verpackung. "Bei Missbrauch wird die Tube teurer, da die Entsorgung teurer wird."

Zwar hat sie in ihrem Rundbrief angekündigt, in Gemeinden mit "deutlich überschrittenem" Verbrauch die Abgabe von gelben Säcken bis zum vierten Quartal auszusetzen, doch wer sich bei ihr melde, erhalte weiterhin welche in angemessener Menge, betont Magnitz. "Wir sind dabei, weitere zu bestellen, ganz klar." Allerdings betrage die Lieferzeit fünf Monate.

Bezüglich der ebenfalls in der Stadtratssitzung geäußerten Kritik an der Qualität der gelben Säcke, verweist die Tirschenreutherin auf die Systembetreiber, die in Deutschland für die Durchführung des Verpackungs-Recyclings zuständig sind. Diese schreiben als ihre Auftraggeber unter anderem exakt die Folienstärke, Reißfestigkeit, Größe und Farbe der Säcke vor. Dass sich ihr Händler an diese Vorgaben hält, lässt sich Magnitz von ihm bestätigen.

Wir haben nie darauf geschaut, wie viele Säcke die Kommunen bereits abgeholt oder bei Bedarf geliefert bekommen haben.Prokuristin Brigitte Magnitz
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