Gemeinderat
Erst Abwasser, dann Trinkwasser

"Insbesondere an den Knotenpunkten mussten die Zustände ermittelt werden." Zitat: Ingenieur Michael Wagner
Vermischtes
Kemnath
10.11.2016
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Im Großen und Ganzen ist bei der Trinkwasserversorgung der Gemeinde (fast) alles in Ordnung. Doch der Zahn der Zeit nagt an den Leitungen und macht so manche Auswechselungen und Ringschlüsse erforderlich.

Speichersdorf. (ak) Mit dem Ergebnis der Überprüfung des Wasserversorgungsnetzes der Kommune beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner Novembersitzung. Dazu begrüßte Bürgermeister Manfred Porsch Diplomingenieur Michael Wagner vom Ingenieurbüro Schultes aus Grafenwöhr. Um den Schaden im Wassernetz sowohl in Qualität als auch Quantität einschätzen zu können, hatte der Gemeinderat eine hydraulische Überrechnung aufgetragen.

Besonders an einer der beiden Hauptzuleitungen vom Hochbehälter Warthügel nach Speichersdorf traten bereits mehrfach Leckstellen und Rohrbrüche auf, so Porsch. Die Hauptleitung aus Asbestzement stammt aus den sechziger Jahren und weist deutliche Materialermüdungen auf.

Knotenpunkte instabil


Wagner untersuchte insbesondere die Ortsnetze von Speichersdorf und Kirchenlaibach samt mitversorgter Ortsteile. Das 65 Kilometer lange Netz mit den Rohren der Größe DN 80 bis 250 wird aus den beiden Hochbehältern Warthügel (1600 Kubikmeter) und Frankenberg (300 Kubikmeter) gespeist. Für Zeulenreuth besteht eine Druckerhöhungsanlage und in Selbitz ein Pumpwerk, dass den Hochbehälter Frankenberg befüllt.

Wasserwarte und Bauverwaltung erstellten einen Netzplan samt Verbrauchsdaten. Auch der Höchstverbrauch im Lastfall wurde ermittelt. Dieser beträgt 55,5 Liter pro Sekunde. Er verteilt sich mit rund 50 Litern auf dem Hochbehälter Warthügel und rund sechs Litern auf Frankenberg. "Insbesondere an den Knotenpunkten mussten die Betriebszustände ermittelt werden. Im Lastfall haben wir noch sehr gute Bedingungen. Nur an vier Versorgungspunkten erreichen wir einen grenzwertigen aber durchaus noch zulässigen Druckbereich von zwei bar. Der Grenzwert liegt bei 1,5 bar Leitungsdruck", erläuterte Wagner.

Löschwasser für Brandfall?


Im Brandfall müssen zusammen mit dem normalen Tagesverbrauch 52,50 Liter pro Sekunde Trink- und Löschwasser zur Verfügung gestellt werden können. Größter Verbraucher ist die Porzellanfabrik Thomas am Kulm mit 10 Liter pro Sekunde.

Die kleinste Löschwassermenge liegt bei 13,3 Liter pro Sekunde, die aber nicht an jedem Punkt im Leitungsnetz zur Verfügung steht. Die vorhandenen Löschwasserzisternen erhöhen mit Bachstaustufen den Brandschutz. Wagner plädierte zunächst dafür, die Zuleitungen vom Hochbehälter Warthügel zu sanieren und auszutauschen.

Doch die östliche Hauptleitung könnte im Schadensfall mit einem sogenannten "Inliner", einer Rohrinnenauskleidung, ertüchtigt werden. Die westliche Leitung müsste mit DN-250-Rohren komplett erneuert werden. Zudem sind in Speichersdorf punktuelle Verbesserungen durch Versorgungsringe nötig. Dies betrifft auch das Baugebiet Kirchenlaibach Nord-West. Vorgeschlagen werden zudem Leitungsauswechslungen in der Windischenlaibacher, Erfurter und Neustädter Straße. Leitungsergänzungen und Lückenschlüsse sind für die Danziger Straße und den Selbitzer Weg ratsam, so der Ingenieur.

Schritt für Schritt


Porsch berichtete, dass in den Ortschaften die Löschwasserversorgung durch Dorfweiher ergänzt wird. Er betonte, dass die Vorschläge Zug um Zug verwirklicht werden können. Als erstes sollte jedoch die bestehende Hauptwasserleitung vom Hochbehälter Warthügel bis zur Kemnather Straße erneuert werden. Bislang wurden die Leitungszustände nicht untersucht. In der Diskussion wurde auch die Wasserleitung, die durch die neu zu bauende westliche Bahnbrücke verläuft, angesprochen. Porsch erklärte, dass die Größe der Leitung ausreicht, aber erneuert und tiefergelegt werden muss.

Zur Finanzierung berichtete der Bürgermeister, dass die neuen Richtlinien des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben staatliche Zuschüsse ermöglichen. Die Anforderungen seien aber sehr hoch. "Hauptversorgungsringe sind das A und O der Versorgungssicherheit", sagte Porsch. Nach Abschluss der Abwasserbaumaßnahmen ist auch die Trinkwasserversorgung dran, zukunftssicher zu werden.

Insbesondere an den Knotenpunkten mussten die Zustände ermittelt werden.Ingenieur Michael Wagner
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