Gerlinde Auerbeck aus Fichtelberg leidet unter Zöliakie
Besonderes Essen sogar in der Kirche

Die Fichtelbergerin Gerlinde Auerbeck leidet unter Zöliakie. Zu Ostern gibt es deshalb ein Osterbrot gluten- und lactosefrei. Bild: gis
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Kemnath
19.03.2016
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Fichtelberg. Gerlinde Auerbeck hat Osterbrot gebacken - kein rundes, wie nach alter Tradition, sondern in einer Kastenform. "Ich darf dazu kein Getreide verwenden. Das enthält das Klebereiweiß Gluten, das bei Zöliakie-Kranken die Darmschleimhaut angreift", sagt die Fichtelbergerin, die sich deshalb gluten- und lactosefrei ernähren muss. "Schon ein winziges Stäubchen Mehl würde eine mittlere Katastrophe auslösen."

Lange Zeit fühlte sich Gerlinde Auerbeck schlapp und müde, hatte Dauerblähungen und Bauchschmerzen, bis sie nach einer Dünndarm- Biopsie vor sechseinhalb Jahren die Diagnose "Zöliakie" bekam, eine Autoimmunkrankheit, bei der der Körper nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen und es zu Mangelerscheinungen kommen kann. Um getreidehaltige Produkte wie Brot, Nudeln, Pizza oder Knödel wird sie deshalb lebenslang einen großen Bogen machen müssen.

Auerbeck sammelt in einem Buch selbst zusammengestellte und ausprobierte Rezepte. Oftmals brutzeln auf ihrem Herd zweierlei Gerichte, "obwohl sich meine Familie auch schon an Gluten- und Lactosefreies gewöhnt hat. Schnitzel wende ich in Maisstärke, denn die ist glutenfrei. Beim Einkaufen gehe ich bei jedem Produkt exakt die Zutatenliste durch", wobei sich natürlich bereits eine gewisse Routine eingespielt hat. Braucht sie Tabletten, müssen es ganz spezielle sein. Denn viele Arzneien enthalten Weizenstärke.

Wenn die Familie zum Essen gehen will, ruft Auerbeck vorher im Gasthaus an, ob sie Gluten- und Lactosefreies bekommen kann, das noch dazu in extra Töpfen gekocht werden muss. "Und meistens wird sich dort auch gerne die Mühe gemacht", freut sich die Fichtelbergerin. Auch beim Gottesdienst bekommt sie eine besondere Hostie, die mit anderen noch nicht in Berührung gewesen sein darf.

Hilfreich ist die Selbsthilfegruppe in Oberfranken und in der Oberpfalz (in Verbindung mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft), die immer von einer Ernährungsberaterin unterstützt wird. Schätzungsweise sind 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen, die allerdings nicht bei jedem zum Ausbruch kommen muss, weiß die Fichtelbergerin, die sich am liebsten Frisches aus ihrem großen Garten holt, wo Kräuter und Beeren wachsen.

Und sie kennt jedes Kraut, das hier, am Wegrand oder auf den Wiesen wächst. Ein Wissen, das sie auch gerne weitergibt - beispielsweise im örtlichen Bücherstadl und bei vielseitigen Kräuterwanderungen mit ihren Feriengästen, die sie auch gerne gluten- und lactosefrei bewirtet.

RezeptZutaten: 300 g Kartoffeln, gekocht und gerieben, 150 g Mandeln, Hasel- oder andere Nüsse, gerieben, 200 g Maismehl, 1 Päckchen Trockenhefe, 1 Prise Salz, 150 g Zucker oder die entsprechende Menge Honig, 125 g flüssige Margarine, 125 g Maisstärke oder Vanillepuddingpulver, 4 TL oder mehr Rumrosinen, 3 Eier, 1 Msp. Macisblüten, 1 Msp. Kardamom. Aus den Zutaten einen Teig zubereiten und in die Kastenform füllen. Eine Stunde gehen lassen und dann 50 Minuten lang bei 200 Grad backen. Guten Appetit. (gis)
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