Girls' und Boys' Day
Willkommen in der Arbeitswelt

Vermischtes
Kemnath
30.04.2016
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Pflegedienstleiterin Cilli Gerlang (links) zeigte Phillip Härtl, was er beim Rollstuhlfahren beachten muss. Bild: jzk

Einmal in "typische" Männer- beziehungsweise Frauenberufe schnuppern erweist sich oft als schwierig. Gelegenheit dazu gab es am Girls' und Boys' Day.

Kemnath/Eschenbach/Fichtelberg. (jzk/do/hfz) Erst seit einigen Jahren gibt es den Boys' Day. Er ist eine Ergänzung zum Girls' Day. An diesem Aktionstag können Jungen Berufe kennenlernen, in denen überwiegend Frauen arbeiten und umgekehrt. Zweck beider Aktionstage ist die Gleichbehandlung.

Phillip Härtl aus Kirchenthumbach hat sich beim Kemnather Senioren- und Pflegeheim beworben. Der Achtklässler möchte vielleicht Altenpfleger werden. Am Vormittag durfte er Betreuungsassistentin Regina Merkl begleiten. In der Zeitungsrunde las er Senioren vor und bekam so den ersten Kontakt. Danach standen ein Spaziergang mit einer Rollstuhlfahrerin und ein Spielenachmittag auf dem Programm. "Das war gar nicht so einfach, weil ich sehr laut und betont sprechen musste", erzählt Phillip. "Um ihn nicht zu überfordern, haben wir Phillip nur zur Betreuung und Beschäftigung, nicht im Bereich der Pflege eingesetzt", betont Pflegedienstleiterin Cilli Gerlang.

"Ich möchte einmal einen Beruf, bei dem ich mit Menschen zu tun habe", begründet Phillip seinen Berufswunsch, "ein Bürojob ist nichts für mich." Bei seiner Mutter, die als Physiotherapeutin arbeitet, hat er bereits ein Praktikum absolviert. An seiner Schule engagiert er sich als Streitschlichter.

Um 15 Uhr war sein Schnuppertag im Haus Falkenstein zu Ende. "Als Altenpfleger braucht man viel Geduld", hatte er erfahren, "man muss den alten Menschen freundlich begegnen und sie so nehmen, wie sie sind." Der Schnuppertag hat ihm gut gefallen. "Mein Interesse für den Beruf des Altenpflegers ist heute wieder ein bisschen gewachsen. Schade, dass nur zwei aus meiner Klasse den Boys' Day genutzt haben."

Kunst aus Kupferdraht


Hinter die Kulissen von Rogers-Curamik zu schauen und im Bereich vermeintlicher "Männerberufe" zu schnuppern, war eine spannende Angelegenheit für sechs Mädchen. Wie arbeitet eigentlich ein Rogers-Experte, wie geht er mit den hochempfindlichen und wertvollen Materialien um, was wird hergestellt und wie nett sind die Rogers-Leute? Diesen Fragen konnten die Mädchen aus den Realschulen Auerbach und Kemnath, der Sophie-Scholl-Realschule Weiden und der Mittelschule Grafenwöhr beim Girls' Day auf den Grund gehen. Die 11- bis 14-jährigen Schülerinnen hatten Gelegenheit, sich mit Technik anzufreunden.

"Wir wollen die jungen Leute ermutigen, sich auf die Faszination dieser Technik einzulassen", beschrieb Ausbildungsleiter Johannes Beierl. Personalchefin Anette Enders ergänzte: "Die Zukunft braucht Mobilität und interessierte Leute."

Begleitet von den Auszubildenden Tobias Kennel, Maximilian Gradl und Michael Schulze lernten die Mädchen die Produktentwicklung kennen. Dann hieß es, in der Ausbildungswerkstatt selbst zu experimentieren. Mit viel Begabung und Courage auf Papier vorgezeichnet, entstanden rasch kleine Kunstwerke aus Kupferdraht. Ausbildungsleiter Johannes Beierl freute sich: "Die Mädchen hatten sichtlich Spaß und sie entdeckten neue Talente."

Sieben junge Damen aus Bayreuth und Umgebung besuchten den Forstbetrieb Fichtelberg, um sich dort aus erster Hand über berufliche Möglichkeiten im Forst zu informieren. Ungewöhnlich kalt für Ende April war es am Donnerstagmorgen: Rund um den Ochsenkopf lagen gut zehn Zentimeter Neuschnee.

Stephanie Lehmann, Försterin bei den Bayerischen Staatsforsten, und Sabrina Rettich, bei der Bayerischen Forstverwaltung in Bad Steben ebenfalls als Försterin beschäftigt, standen den Mädchen für Fragen zur Verfügung. Für ihre Besucher hatten die beiden ein spannendes Programm zusammengestellt - und zwar in der Natur. Denn dort ist der Arbeitsplatz einer Försterin.

Hoch hinauf


Es ging hinauf auf den Ochsenkopf zum Einsatzort von den Forstwirten Harald und Thomas Daubner. Sie zeigten den jungen Damen, wie ein Baum gefällt wird. Ausstaffiert mit Schutzhelmen standen Franziska, Elena, Sarah, Eva, Julia, Lea und Amelie in sicherem Abstand und beobachteten, wie die beiden Forstprofis eine mächtige Fichte fällten.

Motiviert und engagiert durften die jungen Damen anschließend unter Anleitung der beiden Försterinnen Bäume zur Fällung auswählen. Nachdem die Mädchen nach einer Brotzeit wieder aufgetaut und gestärkt waren, sprudelten die Fragen aus ihnen heraus: "Wie wird man eigentlich Försterin? Warum werden gesunde Bäume abgesägt? Gibt es bei uns Elche?" Stephanie Lehmann und Sabrina Rettich beantworteten sie.

Ein gemeinsames Spiel rund um die Funktionen des Waldes rundete das Bild ab, das die Jugendlichen vom Aktionstag mitnahmen. Und was war das tollste Erlebnis mit den Försterinnen im Wald? Spontane Antwort der Schülerinnen: "Wir konnten selbst aktiv werden und etwas gestalten."
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