Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis plant weitere Fachgruppe
Mit Altstraßen auf neuem Weg

Die Ergebnisse der von ihm geleiteten Grabungen am Rauhen Kulm fasste Archäologe Dr. Hans Losert (Mitte) für den Heimatkundlichen Arbeitskreis zusammen. Bild: bjp
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Kemnath
07.04.2016
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Nicht müßig waren im letzten Vereinsjahr die Fachgruppen des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK), wie die Berichte bei der Hauptversammlung (wir berichteten) belegten. Stadtarchivar und "Heimatbote"-Schriftleiter Robert Schön sprach über die Aufbereitung des Bildarchivs, den ergiebigen Kontakt mit dem Archäologischen Stammtisch Neustadt am Kulm und die Erstellung eines neugestalteten regionalgeschichtlichen Jahrbuchs, Hans Bäte und Peter Wittmann gingen auf die Mitwirkung der vor- und frühgeschichtlichen Gruppe an den Grabungen am Rauhen Kulm ein.

Neue Erkenntnisse verspreche man sich von der digitalen Schummerungskarte des Geoportals Bayern, die das Auffinden von Altstraßen, Hügelgräbern und anderen archäologischen Objekten erleichtere, merkte Wittmann an. Eine Arbeitsgruppe "Altstraßen" solle gegründet werden. Von der Teilnahme der Stadtwache an den Feldlagern in Wildenau, Pressath und Amberg berichtete HAK-Vorsitzender Hans Rösch. Am 9. und 10. Juli treffen sich Fähnlein und Wachen von ringsumher beim Feldlager am Eisweiher. Rege angenommen wurden laut Rösch die beiden Nachtführungen. Die Markierung des Geo-Erlebniswegs Kemnather Land, so der Vorsitzende weiter, sei abgeschlossen, ein Begleitheft in Arbeit. Der Kunstgruppe um Susanne Vonhoff und Rainer Sollfrank dankte Rösch für die Erstellung des "Musikeum"-Hinweisschilds und der Veranstaltungsplakate, Anna Feibert und Gerhard Gresik für die Gestaltung des HAK-Schaufensters im Turmdurchgang. Auch nach 18 Jahren ungebrochen ist der Zuspruch bei Monika Finks Wirtshaussingen: Zu elf Terminen im vergangenen Jahr kamen 1400 Besucher.

Die umfangreiche Jahresbilanz des Geschichtsvereins beeindruckte auch zweiten Bürgermeister Hermann Schraml, der dem "Aushängeschild Kemnaths" die Unterstützung der Stadt versprach: "Was möglich ist, wird getan."

Am Rauhen Kulm Slawen zur Grenzverteidigung gegen "Verwandtschaft"Die 108-jährige Geschichte archäologischer Grabungen auf dem Rauhen Kulm und die vor allem in den zurückliegenden zwölf Jahren gewonnenen Erkenntnisse beschrieb Dr. Hans Losert in seinem Vortrag. Werkzeug- und Keramikfunde bewiesen eine bis in die Altsteinzeit zurückzuverfolgende Besiedlungsgeschichte der Kulmregion und die jahrtausendelange Bedeutung des Kulms als Wegmarke, Handels- und Kultplatz. Aus der Zeit vom 3. bis zum 7. Jahrhundert nach der Zeitwende fehlten archäologische Zeugnisse. Danach hätten die Karolinger den Kulm zu einem Teil ihres Burgennetzes ausgebaut, das die neu unterworfenen Elbe-Saale-Gebiete und Ostbayern für das Frankenreich sichern sollte.

Inzwischen, so der Bamberger Vor- und Frühgeschichtsforscher, mutmaße die Wissenschaft, dass der germanisch-slawische Grenzsaum zwischen Obermain und Donau eine Art fränkischer "Militärgrenze" gegen das slawische Böhmen gewesen sein könnte: "Wohl schon ab dem siebten Jahrhundert ließ man auch rund um den Kulm Slawen siedeln - zur Grenzverteidigung gegen ihre eigene ,Verwandtschaft'." Im zehnten Jahrhundert sei die Anhöhe in ein neues Festungsnetzwerk zur Abwehr ungarischer Eroberer einbezogen und 1554 die Burganlage im Zweiten Markgrafenkrieg endgültig zerstört worden. Frühmittelalterliche Funde vom Kulm würden zurzeit in der Ausstellung "Slawen in Ostbayern" im Archäologischen Museum Krakau gezeigt, ließ Hans Losert zum Schluss wissen. (bjp)
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