Inklusionspreis fürs Mittendrin Kemnath und Realschule Waldsassen
Kreativprojekt und Barrierefreiheit

Das Mittendrin-Team um Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber (Dritte von links) aus Kemnath bekam den Inklusionspreis für das Projekt "KemnatherKinderKunst" verliehen. Die Aktion würdigten Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn, Bürgermeister Werner Nickl (von links) sowie Landrat Wolfgang Lippert und Ludwig Spreitzer (von rechts). Bild: stg
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Kemnath
09.11.2016
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Die letztjährige 9b der Realschule im Stiftland Waldsassen hat getestet, wie fit die Schule für Inklusion ist. Dafür erhielt sie von der Lebenshilfe einen Preis. Mit den Schülern freuten sich Landrat Wolfgang Lippert, Bürgermeister Bernd Sommer, Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn (von links) und Ludwig Spreitzer (rechts). Bild: stg

Kemnath/Waldsassen. Inklusion ist allgegenwärtig. Und doch gibt es Einrichtungen im Landkreis Tirschenreuth, die sich besonders darum bemühen: das Familienzentrum Mittendrin in Kemnath und die letztjährige Klasse 9b der Realschule im Stiftland Waldsassen.

Beide erhielten am Dienstag den mit insgesamt 1000 Euro dotierten Inklusionspreis der Stiftung Lebenshilfe Landkreis Tirschenreuth. Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn betonte im Foyer der Kemnather Mehrzweckhalle, dass Inklusion "keine Modeerscheinung", sondern nachhaltig und auf Dauer angelegt sei. Sie garantiere die Teilhabe und das Dazugehören von Menschen mit Beeinträchtigungen.

Die Laudationes auf die Preisträger hielt Ludwig Spreitzer. Er sprach von "zwei gleichwertigen, gleichrangigen Preisträgern" und zwei Beispielen, die aus zwei verschiedenen Richtungen kommen, aber "echt inklusive Spitze" seien. Das Familienzentrum Mittendrin wurde für das Projekt "KemnatherKinderKunst" (KKK) ausgezeichnet, ein an der Praxis orientiertes Projekt, das Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen mitten in die Gesellschaft bringt. Drei Künstler der Bayreuther Ateliergemeinschaft "Rote Katze" leiten in Kemnath regelmäßig eine Gruppe von Kindern zu kreativem Gestalten an. Auf diese Weise werden ausrangierte Stapelstühle zu individuellen Kunstwerken umgeformt. Besonders hob Spreitzer die Rollenumkehr des Projekts hervor: "Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen verlassen die Bahnen des Nicht-Könnens und finden sich plötzlich als Experten wieder." Besonders gefallen habe der Jury auch, dass aus "alt" nun "neu" gemacht werde und die Kunst hier absolut nutzbringend sei.

Die Schulklasse der Realschule im Stiftland habe sich für ihr Projekt eine Frage gestellt: "Ist unsere Realschule barrierefrei und sind wir fit für die Inklusion?" Entsprechend haben die Schüler den Status quo überprüft. Der Schwerpunkt des Projekts sei - neben verschiedenen Kontaktaufnahmen - in der "indirekten Inklusion" gelegen, also in der Überprüfung des Schulhauses und des -weges auf Barrierefreiheit. "Schüler waren mit Rollstühlen unterwegs, fingierten Sehbeeinträchtigungen, gingen mit Kopfhörern. Sie simulierten Situationen wie sie gehandicapte Schüler täglich erleben", erklärte Spreitzer. Erzielt worden seien aufrüttelnde Erkenntnisse und Ergebnisse, mit denen der Schulausschuss des Kreistags sowie der Verkehrsausschuss der Stadt Waldsassen konfrontiert wurde. Darüber hinaus sei das Projekt der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller präsentiert worden. Besonders hob Spreitzer die Nachhaltigkeit des Projekts hervor. Stellvertretend für die Preisträger dankten Mittendrin-Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber sowie Realschul-Lehrer Reiner Summer der Jury für die Entscheidung.

Landrat Wolfgang Lippert betonte, dass der Inklusionsgedanke menschlich sei und den Landkreis liebens- und lebenswerter mache: "Die Lebenshilfe ist Keimzelle für diesen Gedanken." Er würdigte die beiden Projekte als Botschafter der Inklusion. Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl, der auch stellvertretend für seinen Waldsassener Amtskollegen Bernd Sommer sprach, betonte, dass beide Projekte stolz auf das Geleistete sein dürfen. Sie trügen dazu bei, dass das Thema Inklusion "ganz selbstverständlich" werde.

Reinhard Schön, Behindertenbeauftragter des Landkreises Tirschenreuth, wertete es als Glücksfall, dass die Stiftung der Lebenshilfe den Preis verleihe und dadurch dem Thema eine breite Öffentlichkeit gebe.
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