Interview mit Ely Eibisch
„Die dunkle Seite der Milch“

Ely Eibisch. Archivbild: njn
Vermischtes
Kemnath
15.09.2016
122
0

Die "Faire Woche" (16. bis 30. September) ist seit 2001 die größte Aktionswoche zum fairen Handel in Deutschland. Dass es beim gerechtem Handel nicht nur um Entwicklungsländer geht, macht in Kemnath die Auftaktveranstaltung deutlich.

Als frisch gebackene Fairtrade-Stadt gibt es auch in Kemnath in der kommenden Woche einen Blick hinter Produkte wie Kaffee und Tee, Textilien und Schmuck und auf die Menschen, die diese herstellen. Dazu laden Kolpingsfamilie und die Steuerungsgruppe der Fairtrade-Town Kemnath am Freitag, 16. September, Interessierte zu einer Filmvorführung mit anschließender Gesprächsrunde ein.

Runde mit Experten


Die BR-Dokumentation "Die dunkle Seite der Milch" um 19.30 Uhr im Gesellenhaus (Freier Eintritt) greift das Thema fairer Handel in der Landwirtschaft in Bayern auf. Besonders die niedrigen Milchpreise sind ein heißes Gesprächsthema. Die Dokumentation stellt das System "Milch" auf dem Prüfstand. Wie kam es zu der aktuellen Milchkrise und welche Lösungsansätze gibt es? Hier begleitet der Sender zwei Landwirte und beschreibt deren Situation ausführlich. Eine Gesprächsrunde zum Thema wird es im Anschluss an den Film geben. Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes, der Steinwald-Allianz und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Tirschenreuth werden hierzu Fragen beantworten.

Verbraucher müssen umdenkenAuch die Milchbauern der Region möchten fair behandelt, sprich fair bezahlt werden. Über einen möglichen Lösungsansatz sprach Ely Eibisch, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, mit NT-Mitarbeiterin Katrin Zapf.

Die Milchpreise sind derzeit sehr niedrig. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe hierfür?

Ely Eibisch: Die Milchmenge wurde bis April 2015 EU-weit reguliert. Durch Wegfall der Quote hat jeder Milchbauer die Möglichkeit, soviel Milch zu liefern wie er produzieren kann. Dies führt zu einer Überproduktion innerhalb der EU. Überproduktion ist kein Problem, wenn der Absatz auf den Weltmarkt vorangetrieben werden kann. Da gibt es aber politische Probleme, zum Beispiel durch das Russland-Embargo, mögliche Freihandelsabkommen oder die Kaufschwäche Chinas.

Für mich ist aber das Hauptproblem, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) trotz Kartellamt sich auf fünf Unternehmen konzertiert. Das hat zur Folge, dass Preisabsprachen gar nicht nötig sind, da ein Preisvergleich bei nur fünf Konkurrenten einfach ist. Erschwerend kommt bei der Milch hinzu, dass sie nicht haltbar ist. Das heißt wenn sie produziert ist, muss sie auch verarbeitet und vermarktet werden, egal zu welchen Preis.

Wie kann die Situation Ihrer Meinung nach gelöst werden?

Wenn eine Lösung einfach wäre, dann hätten wir sie schon: Ein Ansatz ist, die Milchmenge zu reduzieren. Hier gibt es ein sogenanntes EU-Hilfspaket, das den Landwirten, die die Menge reduzieren möchten, einen Anreiz geben soll.

Mir ist das Verständnis unserer Verbraucher wichtiger. Ein kleinbäuerlicher Betrieb kann bei einem Milchpreis unter 25 Cent nicht nachhaltig wirtschaften. Das hat zur Folge, dass sich die Strukturen rasant vergrößern werden. Nicht die Milchmenge wird weniger, nur die Landwirte. Das hat auch Auswirkung auf unsere Kulturlandschaft.

Der Verbraucher muss seine Bereitschaft, mehr für unsere regionalen hochwertigen Lebensmittel zu zahlen, dem LEH auch zeigen. Nur so wird dieser darauf reagieren mit höheren Lebensmittelpreisen.

Was wäre Ihrer Meinung ein "gerechter Milchpreis"?

Den Milchpreis einfach festzulegen ist schwierig. Es kommt immer auf die betrieblichen Verhältnisse an, so Stall-Neubau, Flächen- Struktur, ob Familienangehörige mitarbeiten. Momentan erscheint mir ein Grund-Preis von 40 Cent bei den gegebenen Ausgleichszahlungen für kulturlandschaftliche Leistungen als nachhaltig. (kaz)
Weitere Beiträge zu den Themen: Milchpreis (27)Fairtrade-Stadt (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.