Jugendliche erkunden alte Geräte im „Musikeum“
Uropa der Tonträger

Pappscheibe statt Silberling: Erstaunt betrachteten die jungen Besucher die über 100 Jahre alte Tonträger, die das "Musikeum" ausstellt. Bild: bjp
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Kemnath
01.09.2016
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Premiere beim Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis (HAK): Erstmals seit der Eröffnung des "Musikeums" vor einem Jahr lud der Geschichts- und Kulturverein dorthin zu einer Ferienprogrammveranstaltung ein. Die Musikautomaten-Ausstellung des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums zeigt die Urgroßeltern heutiger CD-Spieler und MP3-Player.

Museumsleiter Anton Heindl, der die Sammlung aufbaute und betreut, zeigte den jungen Gästen eine mit Süßigkeiten gefüllte Schale aus Italien, die beim Anheben zwei Musikstücke hören ließ. Was heute wie eine Spielerei anmutet, hat vor mehr als 100 Jahren ein ernstes Bedürfnis befriedigt.

Großer Schritt


"Von Vorrichtungen, die es erlauben sollten, sich auch ohne eigene Noten- und Instrumentenkenntnisse und ohne fremde Musiker an Melodien zu erfreuen, wissen wir schon aus der Antike." Zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hätten die mechanischen Musikautomaten dafür einen Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung gesetzt. Klangvolle Namen wie "Orphenion", "Ariosa", "Ariston", "Polyphon", "Herophon" oder "Symphonion" ließen den Stolz der Konstrukteure auf ihre ausgeklügelten Apparate erkennen, erklärte Heindl. Das mitteleuropäische Zentrum der Musikautomaten-Produktion sei um 1900 der Leipziger Raum gewesen. "Hier fertigten über 100 000 Arbeiter in mehr als 20 Fabriken diese Geräte, von denen viele noch heute funktionieren. Die Firmen gründeten Tochtergesellschaften in den USA und im Vereinigten Königreich." Diese Unternehmen, so Heindl weiter, hätten sich zum Ziel gesetzt, die Geräte trotz technischer Wertigkeit für jeden erschwinglich zu halten

Moderne Technik


Mit relativ günstigen Platten und Lochstreifen aus Pappe, Zink oder Metall hätten sie eine neue Epoche eingeleitet, indem sie die bis dahin vorherrschenden, meist in der Schweiz gefertigten teuren Walzenspieldosen abgelöst hätten. Doch auch diese Musikgeräte hätten ab den 1920er Jahren den Phonographen und Grammophonen weichen müssen, merkte der Kurator an zeigte die Entwicklung bis zum MP3-Player.

Die Jugendlichen durften einen Teil der ausgestellten Geräte selbst bedienen, um ein Gefühl für die notwendige Arbeitsgeschwindigkeit zu entwickeln und verschiedene Automaten zu einem harmonischen Klang zu vereinen.
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