Käferholz aus Osteuropa drückt Erträge der Fortsbetriebsgemeinschaft Kemnath
Im Holzjahr 2015 der Wurm drin

Insgesamt ist die Talsohle auf dem Holzmarkt durchschritten. Der Bedarf an Frischrundholz nimmt zu, die Belastung durch Käferholz aus anderen Ländern ab.
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Kemnath
06.04.2016
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Die Holzströme für die großen Sägewerke richten sich neu aus. Auf den Markt drängen ost- und nordeuropäische Hölzer. Durch Hiebaufschub der Mitglieder hatte die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kemnath Umsatzverluste zu verkraften. Aber es gibt auch Lichtblicke.

Kulmain. "2015 war ein Jahr, das man in seinem Ablauf nicht wollte und künftig auch nicht mehr braucht", bilanzierte Geschäftsführer Walter Ehlich. Viele Ereignisse darin haben den Waldbesitzern das Leben schwer gemacht."

Das Waldjahr begann Ende März mit Windwurf durch Orkan Niklas vor allem in Südbayern. Es folgte die große Hitze- und Trockenperiode mit Käferbefall, den jedoch in der Region punktuelle Regenfälle abgemildert haben. Trotzdem belastete das schwierige Umfeld und die dadurch aufgelaufenen 2,5 Millionen Festmeter Wurf- und Käferholz die Holzvermarktung in der FBG massiv. Die Verwertung von Restholz gestaltete sich schwierig.

Zudem hatten die Sägewerke durch unsichere Märkte in Krisenregionen Absatzprobleme und drückten den Schnittholzpreis. Der Holzpreis fiel deshalb von rund 100 auf 80 Euro pro Festmeter. Erstmals schloss zeitweilig ein Großsägewerk mit einer Schnittkapazität von über zwei Millionen Festmeter in Thüringen. Dadurch waren rund eine Million Festmeter auf dem Markt frei verfügbar, was ebenfalls den Preis drückte.

"Auch die Holzströme richteten sich neu aus. Es ist ein Wandel der Bezugsregionen und Liefergebiete festzustellen", berichtete Ehlich. Große Rundholzmengen aus Norwegen drängten im Sommer auf den deutschen Markt. Dazu kamen große Mengen Käferholz aus Osteuropa. "Damit waren die Zeiten der Unterversorgung bei den Sägen vorbei."

15 Prozent weniger


Zum Geschäftsverlauf berichtete Ehlich, dass im ersten Quartal 2016 der Holzpreis vor "Niklas" aus 2015 mit über 90 Euro übernommen wurde. Der Rundholzpreis sank dann um 15 Prozent auf 80 Euro pro Festmeter im Süden. Ehlich erinnerte, dass 2005 rund 65 Euro pro Festmeter bezahlt wurden und der Durchschnittspreis der vergangenen zehn Jahre bei 83 Euro liegt. Derzeit belastet das durch die Trockenperiode verursachte Käfer- und Wurfholz den Markt. Anfuhrstopps der Sägewerke, lange Waldlagerzeiten und Kontingentierung waren und sind die Folge.

Deshalb schoben die hiesigen Waldbesitzer geplante Hiebe auf und beschränkten sich auf die Käferholzkontrolle. Die Folge waren ein erheblicher Umsatzrückgang bei der FBG und die vermehrte Vermarktung von Kleinmengen (drei bis fünf Festmeter). Letztere führten zu höherem Verwaltungsaufwand. Vermarktet wurden 7313 Festmeter Sägerundholz, 647 Raummeter Industrieholz und 759 Festmeter Brennholz als Eigenbedarf. In guten Jahren wurden über 13 000 Festmeter verkauft. Die Submissionen von Einzelstämmen brachten bei der Fichte im Durchschnitt 175, bei Kiefer 160, bei Lärche 247, bei Eiche 315, bei Nussholz, 350 und bei Birne 250 Euro pro Festmeter. "Insgesamt ist die Talsohle auf dem Holzmarkt durchschritten. Der Bedarf an Frischrundholz nimmt zu, die Belastung durch Käferholz aus anderen Ländern ab. Ein neuer Preisanstieg wird erwartet", schätzte Ehlich. Er warnte jedoch davor den Wald als Sparkasse zu überziehen. Schnell könnten Käfer, Windwurf und Fäule den Holzwert drastisch schmälern.

Freibetrag fällt weg


Ehlich wies darauf hin, dass Waldbesitzer bei Eigennutzung des Holzes bisher einen steuerlichen Freibetrag hatten. Dieser falle künftig weg, da Eigenverbrauch einer Betriebsentnahme gleichkomme. Der Mehrwertsteuersatz für Brennholz betrage sieben Prozent. Zur Käferproblematik erklärte er, dass für die Region die Warnstufe gelb gelte und die Waldbesitzer achtsam sein müssten. Weitere Gefahren drohten dem Wald durch die geplanten neuen und den Ausbau bestehender Stromtrassen. Zudem wolle die Deutsche Bahn AG eine rund 30 Meter breite Baumwurfschutzzone entlang der Bahnstrecken durchsetzen, um wirtschaftliche Einbußen durch Streckenausfälle zu mindern.

Anmeldungen zum Besuch der Leistungsschau Forstwirtschaft in Roding am Samstag, 11. Juni, sind bereits möglich. Zudem ist geplant das zentrale Landwirtschaftsfest im September zu besuchen.
Insgesamt ist die Talsohle auf dem Holzmarkt durchschritten. Der Bedarf an Frischrundholz nimmt zu, die Belastung durch Käferholz aus anderen Ländern ab.Geschäftsführer Walter Ehlich
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