Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer in der Stadtbücherei
Todsicher jeder einmal betroffen

Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Selbst manchem Sterbenden sei das Lachen nicht fremd, berichtete Beate Wiedemann vom Ambulanten Hospizdienst. Auch sie sieht in den Karikaturen eine Chance auf eine geänderte Sichtweise auf die eigene Endlichkeit.
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Kemnath
11.11.2016
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Kann man über das Sterben schmunzeln oder lachen? Wer die Karikaturenausstellung zum Thema "Tod" in der Stadtbücherei besucht, wird diese Frage eindeutig mit "ja" beantworten. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Bücherei bis Montag, 28. November, zu besichtigen. Konzipiert hat sie die Hospizakademie Bamberg, in Kemnath präsentiert sie die Stadtbücherei in Zusammenarbeit mit der Pfarrei und dem Ambulanten Hospizdienst der Caritas im Kreisverband Tirschenreuth.

"Trotz der vielen Toten in den Fernsehkrimis und anderen Filmen sind Sterben und Tod zu einem Tabuthema in unserer Gesellschaft geworden", sagte Elke Burger bei der Vernissage. Auch die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen werde meist in den eigenen vier Wänden versteckt. Gegen diese Verdrängungskultur setze sich die Hospizbewegung dafür ein, unterstützt durch die moderne Palliativmedizin, Sterben, Tod und Trauer als Teil des Lebens anzunehmen. Die Karikaturen legten "zugespitzt, überzeichnet und humoristisch den Finger in manche Wunde unseres heutigen Umgangs mit Sterben, Tod und Trauer". Nachdenken, schmunzeln, Kritik üben und auch zustimmen - das alles könnten die Karikaturen bei den Betrachtern bewirken.

Beate Wiedemann vom Ambulanten Hospizdienst stellte die Arbeit der Ehrenamtlichen vor, die seit 14 Jahren im Landkreis Menschen auf ihrer letzten Etappe ihres irdischen Lebens begleiten. Das Treffen mit Schwerkranken verlaufe durchaus nicht immer traurig, da hätten vielmehr auch fröhliche Zeiten, das Singen von Liedern, das Lachen über manches Ungeschick oder eigene Dummheiten ihren Platz. "Manchen Sterbenden ist dieser Sinn für Humor noch erhalten geblieben, und so gelingt es ihnen sogar, die Angehörigen oder Begleiter aufzumuntern oder sogar im Sterbezimmer eine gelöste Atmosphäre zu verbreiten", wusste Wiedemann. Sie hoffte, dass vielleicht auch die Karikaturen den ernsten Blick auf die eigene Endlichkeit ändern.

"Der Tod gehört zum Leben", betonte Stadtpfarrer Konrad Amschl. Er sei nicht die endgültige Katastrophe des Lebens, sondern eine Schwelle zu dem neuen Leben in den Kategorien Gottes. Ein Leben, das sich allenfalls bruchstückhaft erahnen lasse. Die Ausstellung könne dazu beitragen, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen, "das todsicher jeden von uns einmal trifft".

Die Ausstellung ist in zwei Abschnitte geteilt, 40 Karikaturen sind in Kemnath zu sehen, weitere 40 zeitgleich im Haus Johannisthal. Sie stammen aus der Feder von so bekannten Zeichnern wie Dieter Hanitzsch, Greser & Lenz, Thomas Plaßmann und Erich Rauschenbach.
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