Kemnather beim Katholikentag
Spannende Zeit in der Diaspora

Holger Stiegler bei der Arbeit: Im Pressezentrum der Katholikentags verfasste er Berichte und Reportagen über die Veranstaltungen. Bild: Nadine Malzkorn/nm-fotografie Dortmund
Vermischtes
Kemnath
31.05.2016
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Holger Stiegler versorgte die vergangenen Tage die Welt mit Neuigkeiten vom Leipziger Katholikentag. Nach seiner Rückkehr in die Oberpfalz zieht der Kemnather sein persönliches Fazit.

Kemnath/Leipzig. Holger Stiegler kümmerte sich im Pressezentrum des Katholikentags um die Journalisten, stellte ihnen Berichte über die Veranstaltungen zur Verfügung. Seit Sonntagabend ist er wieder daheim in Kemnath.

Herr Stiegler, wie fällt Ihr persönliches Fazit nach vier Tagen Katholikentag in Leipzig aus?

Holger Stiegler : Für mich waren es eigentlich sogar sieben Tage: Bereits am vergangenen Montag, also zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung, war die große Mitarbeiterkonferenz der Nachrichtenredaktion. Da wurde gemeinsam mit Theodor Bolzenius, dem Pressesprecher des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), der journalistische Fahrplan für die kommenden Tage abgesteckt. Insgesamt waren es sehr ereignisreiche und anstrengende Tage, die ich in Leipzig miterleben konnte.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Eröffnungsfeier am Mittwochabend auf dem Leipziger Markt beispielsweise. Als die Videobotschaft des Papstes übertragen wurde, herrschte eine enorme Ruhe und Ergriffenheit: Manchen Teilnehmern standen sogar die Tränen in den Augen. Von den Podiumsteilnehmern hat mich besonders der Lateinische Patriarch von Jerusalem Fouad Twal angesprochen, der ein realistisches und zugleich schonungsloses Bild von der politischen Situation im Heiligen Land gezeichnet hat. Und auch die Bundesregierung für ihre zu zögerliche Rolle bei der Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung kritisiert hat.

Sie waren vor allem beruflich in Leipzig. Blieb Ihnen überhaupt, die Stimmung aufzunehmen und Veranstaltungen zu erleben?

Naja, in erster Linie geht es schon um die Arbeit. Schließlich sollen ja die Journalisten, die logischerweise auch nur einen Bruchteil der Veranstaltungen miterleben können, umfassend über Hintergründe informiert werden. Da bricht man dann auch schon mal vor Ende der Veranstaltung wieder auf, wenn man das Gefühl hat, dass das Wichtigste gesagt ist. Aber klar, ich hatte natürlich zwischendrin Zeit, in die Konzerte unter freiem Himmel oder die spirituellen Angebote in den Kirchen hineinzuschnuppern.

In der Berichterstattung war vor allem die AfD bzw. deren Nichteinladung Thema. War das in Leipzig auch so? Wie wurde dort diese Thematik aufgenommen?

Klar ist man an dem Thema nicht vorbeigekommen. Auf vielen Podien und Gesprächsrunden wurde darüber diskutiert: Wenn dort über Flüchtlingspolitik, Rassismus und Toleranz gesprochen wurde, fehlte der Schwenk zu AfD und Pegida nicht. Und um es gleich zu sagen: Natürlich kann man geteilter Meinung darüber sein, ob man AfD-Vertreter einladen hätte sollen. Ich denke aber, dass Leute, die politisch fordern, an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen und religiöse Minderheiten zu bekämpfen, zu Recht keinen Platz auf Podien des Katholikentags bekommen haben.

In Leipzig gibt es kaum Katholiken. Wie hat das die Veranstaltung beeinflusst? War es eine andere Veranstaltung als vor zwei Jahren im tiefkatholischen Regensburg?

Ich war anfangs skeptisch: der 100. Deutsche Katholikentag ausgerechnet in der Diaspora? Ob das Konzept aufgeht? Ich bin aber überrascht worden: Die Leipziger waren hervorragende Gastgeber und ich habe selbst einige "Ungläubige" getroffen, die großes Interesse gezeigt haben. Deswegen werden sie sich zwar noch nicht taufen lassen, aber es wurde auf niederschwelliger Ebene zumindest vermittelt, was dieses unbekannte Wesen Katholische Kirche überhaupt ist. So gesehen war es auf alle Fälle eine andere Veranstaltung als in Regensburg 2014 - aber sie war sicher nicht schlechter.

Steht schon ein neuer Termin für den katholischen Pressemann Holger Stiegler an?

In zwei Jahren ist das Bistum Münster Gastgeber des 101. Deutschen Katholikentags. Wie die Pressearbeit dort organisiert wird, steht jetzt natürlich noch nicht fest. Dass ich dann wieder dabei bin, ist zumindest nicht ganz unwahrscheinlich.
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