Kuhlhemeinschaft entscheidet über Auflöung
Bedarf ist abgekühlt

Seit der Gründung vor 16 Jahren nutzt die Kühlgemeinschaft das Kühlhaus in der Rot-Kreuz-Straße. Bild: stg
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Kemnath
18.03.2016
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Hans Brunner junior wird Freitagabend voraussichtlich letztmals den Jahresbericht der Kühlgemeinschaft Kemnath Stadt präsentieren. Nicht dass sich der Vorsitzende mit Rücktrittsgedanken tragen würde, vielmehr entscheidet die Versammlung über nichts weniger als den Fortbestand des Zusammenschlusses.

Bereits die Teilnehmer an der Jahreshauptversammlung vor fünf Jahren standen vor dieser Frage. Damals stimmten sie geschlossen dafür, weiterzumachen und wählten einen neuen Vorstand.

Inzwischen haben sich aber die Rahmenbedingungen für die noch 60 Mitglieder weiter verschlechtert. "Die Gesetzgebung ist strenger geworden", erklärt Brunner. Früher durften Landwirte das Fleisch aus Notschlachtungen zumindest noch für private Zwecke verwenden. Seit zwei Jahren seien nun auch hier Krankschlachtungen verboten. Die Vorgaben ließen mittlerweile nur noch gesunde Tiere für den Eigenverbrauch zu. Das heißt: "Wenn ich eine humpelnde Kuh habe, kann ich sie gleich nach Rothenstadt (zur Tierkörperbeseitigung) fahren."

Rapider Rückgang


Doch auch der allgemeine Rückgang bei den Viehbetrieben hat der Kühlgemeinschaft zugesetzt. "Früher gab es davon in jedem Dorf mehrere", jetzt aber existierten nur noch wenige Großbetriebe, erklärt der Eisersdorfer. Die Folge war, dass die Schlachtungen in den vergangenen Jahren rapide zurückgingen. So nutzten 2015 lediglich drei der Mitglieder das Kühlhaus in der Rot-Kreuz-Straße, das die Stadt der Gemeinschaft mietfrei überlassen hat. "Vor fünf Jahren waren es noch etwa 20", erinnert sich Brunner. Und nach der Gründung des Zusammenschlusses vor 16 Jahren sei es rund die Hälfte der damals 80 Landwirte gewesen. Aufgrund dieser Entwicklungen "schaut's wohl nach Auflösung aus", gibt Brunner eine Prognose für die heutige Abstimmung. Er habe über diese Möglichkeit bereits mit Bürgermeister Werner Nickl gesprochen. Auch der Rathauschef habe sich seiner Einschätzung angeschlossen: "Wenn nichts mehr geht, dann zumachen."

Sollte es zum Aus kommen, wird das Vereinsvermögen aufgelöst. Allerdings seien nur noch elf Euro in der Kasse, erklärt der Vorsitzende. In den vergangenen drei Jahren sei kein Mitgliedsbeitrag mehr eingezogen worden. "Für was, wenn wir es eh nicht mehr brauchen?" Für die Aufgaben der Kühlgemeinschaft sei bislang trotzdem noch "genügend Geld da" gewesen. Somit gehe es nach deren Ende nur darum, das Inventar, zum Beispiel das Kühlaggregat und den Tisch zum Zerschneiden der Tiere, zu veräußern.

Was aus dem Kühlhaus wird, ist unklar. Das rund fünf mal fünf Meter große Gebäude sei optisch in einem vernünftigen Zustand, meint Nickl. Er habe aber "noch keine Idee für die Weiterverwendung". Vielleicht möchte es ein Nachbar übernehmen.

Heute EntscheidungDie Jahreshauptversammlung der Kühlgemeinschaft Kemnath Stadt beginnt heute, Freitag, um 20 Uhr im Gasthof Kormann. Auf der Tagesordnung steht eben die Abstimmung über den Fortbestand und gegebenenfalls Auflösung des Vereins. Sollten die Mitglieder gegen das Aus stimmen, gibt es Neuwahlen.
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