Landestheater Oberpfalz zeigt "Glorious!"
Lebenstraum für Zuhörer ein Alptraum

Mrs. Verindah-Gedge (Juliane Lang, links) kann es nicht mehr hören: Bei einem Auftritt von Florence Foster Jenkins (Claudia Lohmann) verliest sie eine Petition gegen deren Darbietungen. Clair Bayfield (Uli Scherr) hält aber unbeirrt zu der talentfreien Sängerin. Bild: lum
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Kemnath
21.10.2016
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Mrs. Verindah-Gedge (Juliane Lang, links) kann es nicht mehr hören: Bei einem Auftritt von Florence Foster Jenkins (Claudia Lohmann) verliest sie eine Petition gegen deren Darbietungen. Clair Bayfield (Uli Scherr) hält aber unbeirrt zu der talentfreien Sängerin. Bild: lum

Nein, singen kann Florence Forster Jenkins wirklich nicht. Jeder außer ihr hört, dass sie so gut wie keinen Ton trifft. Doch Kritik prallt an ihr ab. Selbstbewusst und mit Willensstärke hält sie an ihrem Lebenstraum fest. Ihre Geschichte zeigt das Landestheater Oberpfalz (LTO) in der umwerfenden Komödie "Glorious!".

Peter Quilters griff für sein Stück auf die Lebensgeschichte von Florence Forster Jenkins zurück, einer vermögenden New Yorkerin, die unbeirrt ihr Ziel verfolgte und 1944 in der Carnegie Hall schließlich öffentlich auftrat. Regie bei der LTO-Vorstellung in der Mehrzweckhalle führte Till Rickelt.

Dass die Dame (dargestellt von Claudia Lohmann) völlig talentfrei ist, muss auch der von ihr engagierte junge Pianist Cosme McMoon (Adnan Barami) mit Entsetzen feststellen. Der junge Pianist ist sich uneins, will er doch nach der ersten Probe nicht mehr mit der selbstüberzeugten Sängerin auftreten, andererseits bewundert er ihren Mut und Willen, ihren Traum zu leben.

Jenkins' Lebenspartner, der wenig erfolgreiche Schauspieler St. Clair Bayfield (Uli Scherr) unterstützt sie, wo er nur kann. "Sie ist eine Idee, ein Ideal für alle, die einen Traum haben und diesen nicht leben", drückt er seine Bewunderung vor dem ersten öffentlichen Auftritt des ungleichen Duos aus. Dorothy (Sofia Mindel) ist ebenso vom Gesangstalent ihrer Freundin überzeugt, glaubt sie sogar, dass deren Glöckchenarie perfekt sei.

Sherry für Kritikerin


Als bei einer Aufführung Mrs. Verindah-Gedge (Juliane Lang) auf die Bühne stürmt und eine Petition gegen die Darbietungen vorträgt, bleibt diese jedoch selbstbewusst und schenkt der Frau eine Flasche ihres Lieblings-Sherrys, auf dem Etikett ein Bild von Frau Foster Jenkins. "Große Künstler hatten viele Neider", sagt sie aufgebracht und unterbindet somit die Kritik der Frau. "Sie hätten bei der Rekrutierung von Soldaten singen sollen. Lieber kämpfen und sterben als leben und hören", antwortet Verindah-Gedge.

Für weitere komische Szenen sorgt zudem Dienstmagd Maria (Valentina Locci), die oft lauthals auf Spanisch schimpfend auf die Bühne rennt und mit viel Krach versucht, ihre Aufgaben zu erledigen. Auch Cosme, der anfangs wenig überzeugt war - bei den Auftritten entgleisten ihm ab und an wegen des Gesangs die Gesichtszüge - lockert die Stimmung mit zynischen Bemerkungen gegenüber Florence auf. So witzelt er nach einem Auftritt: "Um eine Note brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen", nachdem sie zugegeben hatte, auch ein bis zwei Noten nicht getroffen zu haben. Doch auch diese Bemerkung trifft auf taube Ohren.

Doch nach und nach ziehen der unbändige Wille und das Selbstbewusstsein der Sängerin auch ihn in den Bann. Und so begleitet er sie auch bei den folgenden Auftritten. Die Vorstellung findet ihren Höhepunkt bei einem öffentlichen Konzert in der Carnegie Hall, bei dem Florence im Engelskostüm ihr Bestes gibt, was erneut für laute Lacher im Kemnather Publikum sorgt.

Die Carnegie Hall ist ausverkauft, aber nicht etwa wegen des guten Gesangs, sondern weil die Besucher sich über Florence Foster Jenkins einfach lustig machen wollen. Einen Monat und einen Tag danach stirbt sie, jedoch vollends zufrieden, da sie ihren Traum leben konnte. In dieser Szene vernehmen die Besucher Jenkins' Stimme so, wie sie sie wohl selbst gehört. Das gibt Claudia Lohmann die Gelegenheit zu zeigen, wie gut sie wirklich singen kann.
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