Leiterin vor dem Arbeitsgericht
„Wie ein Schwerverbrecher“ im Kindergarten

Vermischtes
Kemnath
17.06.2016
414
0

Weiden/Kemnath. Sie hatte ihre Operation hinter sich und machte sich auf den Weg in die Arbeit. Ihre Kollegen schauten sie mit großen Augen an und wunderten sich, was sie hier noch mache. "Ich hatte einen Blumenstrauß für meine Stellvertreterin dabei", erzählt die Kindergartenleiterin aus dem westlichen Landkreis. Im Büro auf ihrem Schreibtisch fand sie eine Nachricht, dass eben diese Vertreterin ab September die Leitung übernehmen werde. Also ihre Stelle.

Diese kuriose Geschichte erzählt die Frau vor dem Arbeitsgericht in Weiden. Sie klagt gegen ihren Arbeitgeber, die Katholische Pfarrkirchenstiftung beziehungsweise den Gemeindepfarrer. Es ist ein Gütetermin. Das bietet beiden Parteien die Möglichkeit, sich zu einigen, bevor es zum Verfahren kommt. Die Kindergarten-Leiterin berichtet Richter Veit Zitzmann weiter ihre Geschichte. Nachdem sie mit dem Träger Kontakt aufgenommen hatte, habe man sie gefragt: "Haben Sie das Schreiben vom Anwalt noch nicht bekommen?" Dann wurde sie aufgefordert, den Schlüssel abzugeben und das Haus zu verlassen. "Damit wäre ich schon die zweite Leiterin, die vorzeitig gehen muss", erklärte sie dem Richter.

Pfarrer nicht im Saal


"Dann haben sie mich hinaus beordert. Vor den Eltern und Kindern. Wie ein Schwerverbrecher", erzählt die Frau. Ihre persönlichen Sachen habe sie nicht holen dürfen, die befänden sich immer noch in der Einrichtung. Die Frau redet meist selbst. Der Pfarrer ist dagegen nicht erschienen. Er hat Rechtsanwalt Thomas Brenner bevollmächtigt.

Die Leiterin will, das macht ihr Anwalt Benjamin H. Eismann von Anfang an klar, ihren Job behalten. Rechtsanwalt Brenner seinerseits nennt nun die Gründe für die Kündigung. Seiner Ansicht nach ist sie berechtigt und sei auch nicht überraschend gekommen. Mehrere Mitarbeiter mit spezieller Zusatzausbildung hätten klar gestellt, dass sie die Einrichtung verlassen würden, wenn der Leiterin nicht gekündigt werde. Des Weiteren erwähnte er Abrechnungsfehler und bestimmte Vorgaben im Kindergarten, die nicht umgesetzt worden seien. Auf Details geht er nicht ein.

Hat es eine schriftliche Abmahnung gegeben, ist einer der entscheidenden Fragen des Richters. "Nein", antwortet Brenner. Aber dafür mündlich. Es habe mehrere Besprechungen mit der Leiterin gegeben, in der ihr die Probleme mitgeteilt wurden. Darauf habe sie sich auch mit einem Brief geäußert, der jedoch nicht den Inhalt der Gespräche wiedergebe. Sei sie mündlich im Sinne des Rechtes abgemahnt worden, bohrt Richter Zitzmann nach. "Ja", sagt der Rechtsanwalt. "Nein", widerspricht die Klägerin. Nie sei ihr eine Abmahnung mündlich mitgeteilt worden. Eine andere Gruppe, sagt ihr Rechtsanwalt, wolle in den Betrieb "hineinagieren" und setzte auch die Kirchenstiftung und den Pfarrer unter Druck, die Leiterin zu kündigen. Dafür gebe es Belege. Eine Güteverhandlung sieht nicht vor, inhaltliche und rechtliche Fragen in der Breite zu diskutieren.

Pfarrer muss kommen


Der Richter stellt am Ende fest, dass sich die Parteien nicht einigen können. Als Verhandlungstermin legt er Ende September fest und ordnet an, dass der Pfarrer erscheint. Der werde dazu nicht viel sagen können, kommentiert sein Anwalt. In diesem Fall könne der Pfarrer jemanden bevollmächtigen, der Auskunft geben kann, klärt der Richter auf. Die Leiterin arbeitet zur Zeit nicht in der Einrichtung, sie ist freigestellt. Auf der Internetseite des Kindergarten ist sie als Leiterin eingetragen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.