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"Anzer Schorsch" geehrt

Die beiden Vorsitzenden Lorenz Gebert (rechts) und Robert Zimmermann (links) steckten dem Jubilar Georg Hägler (Mitte) die goldene Ehrennadel an und überreichten ihm die Urkunde. Bild: nib
Vermischtes
Kemnath
13.01.2016
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Als die Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath Georg Hägler aus Glaubendorf mit der Vereinsehrennadel in Gold auszeichneten, lobte Vorsitzender Lorenz Gebert vor allem die Fähigkeiten von Hägler als Gespannführer. Doch der "Anzer Schorsch" hätte die Auszeichnung schon allein wegen der Anekdoten, die sich um ihn ranken, verdient.

Er trat 1985 als 20-jähriger Landmaschinenmechaniker und Haflingerzüchter dem Verein bei. "Sofort engagierte er sich als fleißiger und zuverlässiger Helfer insbesondere beim Pfingstritt am Buchberg", blickte Gebert zurück. Mit seinen beiden Haflingerstuten züchtete Hägler bis 2001 sehr erfolgreich 13 Fohlen und stieg dann gezielt auf die Aufzucht und Haltung von Hengsten und Wallachen der Rasse Süddeutsches Kaltblut um.

Er kaufte und ersteigerte sich ausgesuchte Kaltblutfohlen mit weißer Mähne und brauner Deckenfarbe, züchtete sie in seiner Herde heran und bildete sie als Gespannpferde aus. Mit seinen mittlerweile vier Kaltblütern Bubi, Feitl, Rup und Sam ist er unter Mithilfe seines Bruders Wolfgang und seines Neffen Florian als Fahrerteam im ganzen Umkreis unterwegs.

2003 absolvierte er ein Fahrtraining mit dem Pferdeschlitten im Freilandmuseum in Neusath und stellt seitdem sein Können bei vielen Festen unter Beweis. "Der Schorsch ist mit seinen Kaltblütern absolut der beste und sicherste Gespannführer in unserem Verein", lobte Gebert. Ehrlich gibt Hägler aber auch zu, dass es schon mal "iberdiber" ging (zu einem Umsturz kam), als er mit dem Schlittengespann zu schnell in die Kurve fuhr und er mit den jungen Burschen aus Glaubendorf kopfüber im Schnee landete. Ohne Schäden bei Pferd, Mensch und Schlitten ging es schließlich frohgemut weiter.

Beim 50. Pfingstritt hatte der Schorsch sein Vierer-Kaltblutgespann aber fest im Griff. Da fuhr er mit dem Allerheiligstenwagen und chauffierte Bischof Rudolf Voderholzer zum Festplatz. Der Oberhirte war fasziniert, gestand er später Gebert, wie die vier schweren Rösser dem einen Mann so gehorchten.

Einmal musste Georg Hägler sogar um Mitternacht einspannen, um eine Wette seines Neffen einzulösen. Mit den beiden Kaltblütern Bubi und Rup stellte er sich auf der Festwiese in Michldorf einem Seilzieh-Wettbewerb gegen 20 starke Burschen. Nach einigen Sekunden war alles entschieden, denn gegen die zwei Pferdestärken hatten die 20 Männer keine Chance.

Eine seiner bewegendsten Fahrten erlebte Hägler, als er im Sommer 2015 ein Versprechen erfüllte und trotz strömenden Regens 14 Menschen mit Behinderung vom Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth auf seinem überdachten Gespannwagen fuhr. Die natürliche Freude und leidenschaftliche Begeisterung dieser dankbaren Menschen beeindruckten den Schorsch so tief, dass er spontan für heuer wieder zugesagt hat. "Es gibt in der ganzen Oberpfalz und auch in vielen Teilen Bayerns keinen Pferderitt, wo der Schorsch noch nicht dabei war", meinte Gebert.

Beruflich ist Hägler seit 2002 als Angestellter im Freilandmuseum in Neusath für die Versorgung und Pflege aller Haustiere und historischen Anlagen verantwortlich. "Mir gefällt die tägliche Arbeit mit und für die Tiere auf den Höfen", sagt er. So reiten er und sein Kollege alljährlich am Ostermontag mit den beiden museumseigenen Kaltblütern von Neusath nach Nabburg zum Bründlritt, um den Segen für Pferd und Reiter abzuholen.

Dankbar würdigte Gebert: "Seine Meisterleistung für den Verein hat der Schorsch dadurch gebracht, dass er auch seinem Neffen Florian seine Pferdebegeisterung einimpfen und ihn als jungen Rosserer nachziehen konnte."
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