Manfred Becker überprüft in Kemnath Standfestigkeit der Grabmale
Dank Gerät nichts zu rütteln

Ob Sonne oder Regen - von April bis Oktober sind Friedhöfe in ganz Deutschland Manfred Beckers Revier: Mit seinem Oberkörper drückt er gegen einen Grabstein und schaut auf das Display seines "Isis-Twin", wie das Grabmalstandsicherheits-Prüfgerät heißt. Binnen weniger Sekunden zeigt es an, ob der Grabstein standsicher ist. Dann ist der nächste Grabstein an der Reihe. Fast 1100 Mal macht er das in Kemnath. Bild: mng
Vermischtes
Kemnath
01.06.2016
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Manfred Becker kennt viele Friedhöfe. Von Frühjahr bis Herbst ist der Sachverständiger für Grabmalprüfung in ganz Deutschland unterwegs. Am Montag und Dienstag ging der Fachmann aus dem hessischen Weilmünster am Friedhof in Kemnath von Grabmal zu Grabmal.

"Kein Nutzungsberechtigter braucht zu befürchten, dass durch diese Maßnahme ein Grabmal beschädigt wird ", stellt Becker klar. Die Druckprüfung erfolge mit einer genau definierten Kraft unter Einsatz eines geeichten Prüfgerätes mit Kraftsensor und Datenlogger "und nicht per Hand in Form einer Rüttelprobe". Weil Rütteln mit großen Mängeln in der Ausführung verbunden sei, wäre es rechtlich angreifbar.

Ein Grabstein wiegt mehrere Hundert Kilogramm. Ein Umkippen könnte katastrophale Folgen haben. Dass es aufgrund mangelnder Standfestigkeit von Grabmalen zu Unfällen kommt, bei denen insbesondere Kinder und ältere Menschen betroffen sind, sei nie ganz auszuschließen, weiß der Experte. Dies werde mit der wiederkehrenden Prüfung verhindert, denn Sicherheit sei oberstes Gebot.

Um kein falsches Messergebnis zu erzielen, wird zwischen November und März nicht geprüft. Dringt schmelzender Schnee in eine Fuge ein und gefriert über Nacht, so kann der eigentlich nicht standsichere Grabstein durch das gefrorene Eis wieder eine Festigkeit erlangen.

Mittlerweile zum fünften Mal ist Becker in Kemnath. Waren es anfangs knapp 30 Gräber, bei denen nachgebessert werden musste, so reduzierte sich die Zahl im Vorjahr auf lediglich ein Dutzend. "Nicht viel bei insgesamt 1080 zu prüfenden Grabmalen."

Ist ein Grabstein nicht mehr standsicher, werden die Angaben zu den Verstorbenen auf dem Grabstein sowie die Prüfkraft, bei der der Mangel auftrat, und das Schadensbild notiert. Zur zweifelsfreien Zuordnung wird der Grabstein zudem fotografiert und mit einen Warnaufkleber versehen.

Die nachweissichere Dokumentation der Prüfung geht an die Friedhofsverwaltung, die die Nutzungsberechtigten schriftlich darüber informiert. Innerhalb einer Frist von vier bis sechs Wochen sollte die fachgerechte Instandsetzung erfolgt sein. Wird nicht auf das Schreiben reagiert, erinnert die Friedhofsverwaltung an den Vollzug. Hilft das alles nicht, ist die Verwaltung berechtigt, den Grabstein umlegen zu lassen.

HintergrundGrabmale müssen mindestens einmal jährlich auf ihre Standfestigkeit überprüft werden, um Haftungs- und Schadenersatzansprüche ausschließen zu können. Die Überprüfung erfolgt dabei mittels eines geeichten Prüfgeräts unter Aufbringung einer fest vorgegebenen Prüflast. Durch den Einsatz dieser kalibrierten Messtechnik werden ungewollte Beschädigungen durch willkürliche Kraftaufbringung vermieden. Die Standfestigkeit ist gegeben, wenn das Grabmal am oberen Ende der Breitseite mit einer Kraft von 500 Newton, das entspricht der normalen horizontalen Armkraft, belastet werden kann und dabei keinerlei Schwankungen aufweist. (mng)
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