Michael Plannerer berichtet Mittelschüler von seinem Leben mit Behinderung
Nach Schock neuen Mut

Großen Eindruck machte Michael Plannerer (vorne mit seinem Assistenten Pascal Laier) auf die Buben und Mädchen der 5 b von Klassenleiter Thomas Seitz (rechts). Lehrerin Sigrid Reger-Scharf (links) hatte ihn eingeladen, um über seine Behinderung zu sprechen. Bild: jzk
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Kemnath
08.03.2016
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Menschen mit Behinderung haben die Fünftklässler schon mal gesehen. Manch einer hat sich wohl schon Gedanken gemacht, wie es ist, körperlich oder geistig gehandicapt zu sein. Doch was Michael Plannerer erzählte, entsprach nicht unbedingt den Erwartungen der Mittelschüler.

Ihn hatte Lehrerin Sigrid Reger-Scharf gebeten, die Klasse 5 b im GSE-Unterricht (Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde) zu besuchen. In dieser Jahrgangsstufe ist das Thema "Menschen mit Behinderung" im Lehrplan verankert, um den Schülern bewusst zu machen, "dass die Würde des Menschen den Staat und die Gesellschaft verpflichtet, Chancengerechtigkeit für alle anzustreben", heißt es darin.

Der heute 43-jährige Plannerer vom Anzenberg ist schwerbehindert. "Mit 17 Jahren hatte ich einen schweren Motorradunfall. Seitdem bin ich ab dem Halswirbel querschnittsgelähmt", erzählte er. Als er nach vier Tagen aus dem Koma erwachte, sei für ihn die Diagnose "Querschnittslähmung" ein großer Schock gewesen. "Wie kann ich so weiterleben?", habe er sich gefragt.

Zuhause umgebaut


Ein Jahr lang war Plannerer im Krankenhaus und auf Reha. "Dort traf ich mit Leidensgenossen zusammen. Wir motivierten uns gegenseitig, hatten sogar Spaß miteinander und schlossen Freundschaften." Bevor er nach Haus kam, bauten seine Eltern ihr Anwesen behindertengerecht um. Plannerer machte einen Spezialführerschein, schulte um und bekam bei der Raiffeisenbank Erbendorf eine Anstellung als EDV-Fachmann.

Weil er auf Hilfe angewiesen ist, steht ihm Tag und Nacht sein persönlicher Assistent Pascal Laier zur Seite. Er wohnt mit in seinem Haus, das der 43-Jährige 1997 rollstuhlgerecht an das Elternhaus anbauen ließ.

Im Pausenhof führte er den Buben und Mädchen eindrucksvoll vor, wie er sich in seinem umgebauten Auto mit dem Ladesystem vom Rollstuhl auf den Fahrersitz hieven kann. "Trotz meiner Behinderung habe ich meinen Lebensmut nicht verloren", versicherte der Gast glaubhaft. "Ich kann mit Freunden und meinem Assistenten eigentlich alles machen. Egal ob beispielsweise Fahrrad fahren, schwimmen, in die Sauna gehen, reisen, Festivals und ein Kino besuchen." Bei einer Reise hatte er im Flugzeug allerdings große Probleme mit dem Rollstuhl.

Im Straßenverkehr aufpassen


Die Kinder waren sehr erstaunt, wie positiv gestimmt und unternehmungslustig Plannerer ist und wie er sein Leben meistert. "Vorsicht im Straßenverkehr", mahnte er beim Abschied die Fünftklässler, "Unfälle bringen große körperliche und seelische Schmerzen mit sich." Klassensprecher Fabian Hösl dankte ihm mit einem Geschenk.
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