Nach Unfall bei Reisach
Alarmierung der Feuerwehren schreckt auf

Aus dieser Tür steigt keiner mehr aus. Weil kein Rettungssatz am Einsatzort war, musste der Verletzte über die Beifahrertür aus seinem Auto. Darüber wundern sich manche Feuerwehrleute. Bild: jma
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Kemnath
26.10.2016
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Die Alarmierung der Feuerwehren durch die Integrierte Leitstelle sorgt für Unruhe. Die kritisierte Führung der Kreisfeuerwehr warnt davor, es sich zu leicht zu machen.

Höflas. Der Unfall am Freitag war nicht so spektakulär - und doch sorgte er für Diskussionen. Am Freitag hatte ein 19-Jähriger beim Linksabbiegen nahe Reisach ein Auto übersehen, dieses krachte in seine Fahrertüre. Der leicht verletzte Unfallverursacher musste sein Auto über die Beifahrertüre verlassen, weil die alarmierten Wehren aus Löschwitz, Höflas und Reuth bei Kastl nicht über Rettungsschere oder -spreizer verfügen.

"Bei der Alarmierung war auch keine Rede davon, dass solches Gerät gebraucht würde", erklärt dazu Herbert Putzer. Der Chef der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz hat sich den Ablauf der Alarmierung angesehen und keinen Fehler entdeckt. Aufgenommen habe den Unfall die Leitstelle Bayreuth. Das liege am Funkmast, über den sich das Mobiltelefon des Melders eingewählt hat.

Festgelegter Ablauf


Die Bayreuther Kollegen nahmen zunächst einen Unfall mit einem leicht Verletzten auf. Erst der Rettungsdienst habe dann Notarzt, einen weiteren Sanka und die Feuerwehr hinzugerufen. "Aber auch dann war von einem Eingeklemmten keine Rede."

Solche Hinweise entscheiden aber darüber, welches Material beim Einsatz benötigt und welche Feuerwehr alarmiert wird, erklärt der Kreisbrandrat im Landkreis Tirschenreuth, Andreas Wührl. Dahinter verberge sich die sogenannte Einsatzmittelkette, eine bayernweit gültige Liste möglicher Szenarien. Sie legt auch fest, welche Ausrüstung bei welchem Szenario tatsächlich mit zum Einsatz muss. Allerdings geht es dabei nur um Mindestanforderung. Wie die Alarmierung tatsächlich abzulaufen hat, bestimmt das Landratsamt mit der Kreisfeuerwehrführung.

Deshalb verweisen manche auf den nördlichen Nachbarn. Die Integrierte Leitstelle hat tatsächlich andere Vorgaben und schickt auch beim einfachsten Fall der Einsatzmittelkette, dem VU I, mehrere Fahrzeuge und dabei auch einen Rettungsspreizer los, wie Udo Müller bestätigt. Der stellvertretende Leiter der ILS Hochfranken warnt aber davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Beim VU I liegt der Schwerpunkt tatsächlich beim Absichern, Ausleuchten und Säubern der Unfallstelle."

Eigene Entscheidung


Die Meldung sei aber eben häufig nicht so konkret, um den ILS-Disponenten ein klares Bild vom Unfall zu bieten. "Unseren Leuten bleiben 40 bis 50 Sekunden, um vom Anrufer alle Informationen zu bekommen. Oft hat der Anrufer diese Informationen gar nicht." Aus diesem Grund habe sich die Feuerwehrführung entschieden, bereits bei der Erstalarmierung immer einen Rettungsspreizer zu senden. "Es geht darum, Verzögerungen zu verhindern." Dies sei eine Entscheidung für die Landkreise Hof und Wunsiedel, die man nicht einfach auf andere Leitstellen übertragen kann, sagt Müller. Oft genug sei die Bewertung der Alarmierung sehr subjektiv. "Manche Feuerwehren würden gerne häufig alarmiert, andere sind ganz froh, wenn es keinen Alarm gibt", sagt Müller.

Die Einschätzung teilen auch die Kollegen von der ILS-Nordoberpfalz. Herbert Putzer sagt, es gebe immer wieder auch Kritik in die andere Richtung. Deshalb müssen die Disponenten auch darauf achten, nicht zu viele Einsatzkräfte loszuschicken: "Wir wollen die Leute ja auch nicht grundlos von ihren Arbeitsplätzen wegholen."
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