Sysrische Familie erzählt von ihren Zukunftsplänen
„Kemnath gefällt mir“

Ziad Elibrahiem, sein Schwager Zaher Alabed und dessen Frau Samar (hinten von links) haben sich in Kemnath eingelebt. Das Ehepaar ist froh, dass Töchterchen Natalie, die vor über einem Jahr in Weiden zur Welt kam, in Kemnath sorgenfrei aufwachsen kann. Bild: Schönberger
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Kemnath
19.11.2016
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Wie geht es den Familienangehörigen, was bringt die eigene Zukunft?: 14 Monate leben Zaher Alabed, seine Frau Samar und ihr Bruder Ziad Elibrahiem in Ungewissheit. Ende 2015 warten sie noch auf die Anerkennung ihrer Asylanträge. Ein Jahr später haben die drei Syrer eine Perspektive.

Vor zwei Jahren hatten die drei ihr Heimatland, das immer weiter im Krieg versinkt, verlassen. "2015 war sehr schwer", blickt Zaher Alabed zurück. Weder er noch seine beiden Begleiter durften damals einen Deutschkurs besuchen, berichtet der 30-Jährige. Damals habe ein anderes Gesetz gegolten. Mittlerweile beherrscht er aber die fremde Sprache recht gut. "Ich habe viel durchs Internet gelernt, jeden Tag fünf Stunden." Den Grundstock dafür eignete er sich bei Christine Schuster an. Die Leiterin der Stadtbücherei gab den Flüchtlingen, die in Kemnath Aufnahme gefunden hatten, sozusagen als Starthilfe zwei Monate lang Unterricht.

Auf Vermittlung von Bürgermeister Werner Nickl begannen Alabed, der in seiner Heimat Maschinenbau studiert und zwei Jahre als Telekommunikationstechniker gearbeitet hat, sowie sein 31-jähriger Schwager ein Praktikum bei Siemens Healthineers in Kemnath. Dort gebe es ein Programm für Flüchtlinge. Der erste Tag sei anstrengend gewesen, "viele neue Wörter und ein ganz anderes Arbeiten".

Doch beide fanden sich schnell zurecht. Im Mai erhielten sie Halbjahresverträge, die mittlerweile bis Ende Februar verlängert worden sind. Die Tätigkeit in der Werkstatt, in der beide medizinische Geräte montieren, sieht Alabed "als große Chance". Dort könne er Erfahrungen sammeln und die technischen Fachausdrücke lernen. Schließlich möchte er einmal als Maschinenbauingenieur sein Geld verdienen. Sein fünfjähriges Studium in Syrien werde mittlerweile in Deutschland anerkannt, "das ist kein Problem".

Dank des Helferkreises vor Ort ("Macht eine prima Arbeit") haben er, seine 26-jährige Frau und die einjährige Tochter Natalie seit April eine eigene Wohnung. Zuvor teilten sie sich ein 20-Quadratmeter-Zimmer. Der 30-Jährige ist "zufrieden, hier in Kemnath zu sein". Allerdings möchte er weiterstudieren, weshalb er ein Masterprogramm an einer Universität sucht. "Wir müssten dann aber wegziehen." Das ist jedoch Zukunftsmusik. Da Samar Alabed zum Dezember einen Platz in einem Integrationskurs in Kemnath erhalten hat, muss die Familie vor Ort bleiben.

Dennoch behält ihr Mann sein Ziel im Auge und macht den "sehr teuren" Führerschein, den er von seinem Verdienst finanziert, um mobil zu sein. Auch seine Deutschkenntnise versucht er weiter zu vertiefen. An der Volkshochschule in Weiden hat er im April "zwischen Praktikum und Arbeit die B 1-Prüfung gemacht", erzählt Zaher Alabed stolz, das sei schließlich wichtig für die Bewerbung.

Wie sein Schwager und seine Schwester fühlt sich Ziad Elibrahiem recht wohl in seiner neuen Heimat. "Kemnath gefällt mir. Hier sind viele nette Leute, die einem bei Bedarf helfen", berichtet der gelernte Elektriker, der eine Ausbildung als Programmierer anstrebt. Auch er würde gerne einen Integrationskurs besuchen, doch Weiden und Bayreuth seien zu weit weg. Und durch die Arbeit bei Siemens sei das in Kemnath derzeit nicht möglich. Kontakt zu anderen Flüchtlingen, die mit ihnen nach Kemnath gekommen, aber inzwischen weggezogen sind, hat er kaum. Es gebe aber drei Freunde, mit denen er immer noch in Verbindung stehe.

Auch wenn es Zaher Alabed und seine Familie einmal in eine Großstadt verschlagen sollte, so ist er froh, in Kemnath gelandet zu sein. "Hier kennen sich die Leute persönlich." Die Einheimischen erklärten ihnen die Gesetze, was es mit den Festen während des Jahres auf sich habe und die deutsche Kultur. "Der Start in einer Kleinstadt ist einfach leichter." (Hintergrund)

Der Start in einer Kleinstadt ist einfach leichter.Zaher Alabed
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