Trauungszimmer zieht in Polizeigebäude um
"Lebenslänglich" bei der Polizei

"Tatort" Schulungsraum. In diesem Gewölbesaal im Polizeigebäude werden ab Jahresmitte standesamtliche Trauungen und eingetragene Lebenspartnerschaften geschlossen. Aber nur so lange, bis die Sanierung des angrenzenden Rathauses beendet ist. Bild: stg
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Kemnath
29.01.2016
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Es soll ja schon vorgekommen sein, dass jemand vor dem Standesbeamten kalte Füße bekommen und die Flucht ergriffen hat. Wer sichergehen möchte, dass der oder die künftige Angetraute dann nicht auch stiften geht, sollte sich das Jawort in Kemnath geben.

(luk/stg) Denn es könnte sein, dass die Beamten der Polizeiinspektion die Flucht vereiteln. In ihrem Gebäude am Stadtplatz werden nämlich demnächst die standesamtlichen Trauungen und eingetragenen Lebenspartnerschaften geschlossen.

Da das direkt angrenzende Rathaus ab der Mitte des Jahres saniert wird, hat Bürgermeister Werner Nickl mit dem Leiter der Inspektion, Ersten Polizeihauptkommissar Bernhard Gleißner einen "Deal gemacht". So soll ein von der eigentlichen Dienststelle abgetrennter Schulungs- und Besprechungsraum als Trauungszimmer, aber auch als Sitzungssaal für den Stadtrat und Bauausschuss dienen. Diese Art der Nachbarschaftshilfe segnete am Donnerstag auch die Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kemnath ab. Damit stehen mit dem Sitzungssaal der Gemeinde Kastl innerhalb der VG Kemnath weiterhin zwei Orte für Trauungen zur Verfügungen. Vorerst vertagt hat das Gremium den Beschluss über eine entsprechende Nutzung von Räumlichkeiten im Schloss Wolframshof.

Für den Rathauschef ist der Umzug nach nebenan eine gute Lösung. Der Saal sei bei der Sanierung des Polizeigebäudes ebenfalls schön hergerichtet worden und biete mit seinem Gewölbe und einer dicken Säule in der Mitte auch ein passendes Ambiente für eine Trauung. Um die Sitzungen des Stadtrates fänden dann "unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt", scherzt Nickl. Ob die Polizei auf Wunsch die Arrestzelle für die Hochzeitsnacht zur Verfügung stellt? Das komme aufs Verhalten der Brautleute an. "Erfahrungsgemäßg gibt es bei der Trauung keine Auswüchse, das kommt meist erst später."

Das sich Polizei und Verwaltung mal wegen der Raumbelegung ins Gehege kommen könnten, befürchtet Bernhard Gleißner nicht. Ihre Besprechungen seien meist vormittags, die Ausschuss- und Stadtratssitzungen dagegen erst am Nachmittag oder am Abend. Zudem brauche das Rathaus das Zimmer ja nicht jeden Tag. Die Stadt nach Möglichkeit zu unterstützen, sei eine "Selbstverständlichkeit. Das tut keinem weh." Immerhin wisse er, wie es ist, sein Büro in einem Container zu haben. Rund ein Dreivierteljahr mussten er und seine Kollegen während der Sanierung des Polizeigebäudes mit der Lösung leben. Vor allem im Sommer, wenn es heiß ist, sei dies kein Vergnügen. Da herrschten "bald 30 Grad, und dann sollst noch konzentriert arbeiten".

An Eheschließungen möchte ich mich nicht beteiligen.Inspektionsleiter Bernhard Gleißner steht nicht als Trauzeuge zur Verfügung

Doch die Hilfe hat für Gleißner auch Grenzen: "An Eheschließungen möchte ich mich nicht beteiligen", lehnt der Inspektionschef sicherheitshalber eine mögliche Rolle als Trauzeuge ab. "Ich weiß nicht, ob ich mir das vorstellen kann." Und auch auf Handschellen, um Braut und Bräutigam fester an sich zu binden, kann seiner Meinung auch verzichtet werden. Ein Ring halte wahrscheinlich besser, "rechtlich zumindest. Aber mit dem Segen der Polizei wird alles gut."

In Wunsiedler StraßeAb Mai hat die Stadt für eineinhalb Jahre ein Gebäude in der Wunsiedler Straße angemietet, teilt Bürgermeister Werner Nickl auf Anfrage mit. Die dort niedergelassene Firma Elmar verlegt ihren Sitz nach Neusorg, der Werksverkauf im Untergeschoss bleibt aber bestehen. Zwar sei es negativ für die Stadt, wenn ein Unternehmen diesen Schritt gehe, allerdings könnte dadurch die Verwaltung ohne räumliche Einschränkungen weiterarbeiten. Und noch einen Vorteil hat die vorübergehende Bleibe: "Im rückwärtigen Bereich gibt es 50 Parkplätze, die wir am Stadtplatz nicht haben." Dort zieht die Verwaltung voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres wieder ein. (luk)
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