Überhitzung beim Hochfahren eines neuen Heizkraftwerks soll Ursache für Ammoniakunfall bei ...
Ventil einige Minuten offen

Auch am hinteren Bereich des Ponnath-Geländes, dort wo das Gas ausgetreten war, maßen die Feuerwehrleute am späten Dienstagnachmittag immer wieder die Ammoniakkonzentration. Um 18.15 Uhr gaben sie endgültig Entwarnung. Bild: bkr
Vermischtes
Kemnath
07.04.2016
107
0
 
Auch am hinteren Bereich des Ponnath-Geländes, dort wo das Gas ausgetreten war, maßen die Feuerwehrleute am späten Dienstagnachmittag immer wieder die Ammoniakkonzentration. Um 18.15 Uhr gaben sie endgültig Entwarnung. Bild: bkr

Am Dienstag lag in Kemnath ein ganz besonderer "Duft" in der Luft. Ammoniakgas war aus der Großmetzgerei Ponnath entwichen und verursachte vor allem bei Mitarbeitern und Kunden eines Baumarktes Atemwegs- und Augenreizungen. Firmenchef Michael Ponnath erklärt, was die Ursache für den Großeinsatz der Rettungskräfte war.

Laut Polizei war gegen 14.45 Uhr kurzzeitig Ammoniak aus einem Überdruckventil im Technikgebäude im hinteren Teil des Firmengeländes entwichen. Wie Michael Ponnath auf Nachfrage ausführt, steht der Vorfall in Zusammenhang mit einem neuen Blockheizkraftwerk. Dieses hätten die Mitarbeiter der Installationsfirma am Dienstag hochgefahren. Dabei sei es zu "einer leichten Überhitzung gekommen".

Nichts ins Innere


Das Heizkraftwerk sei mit der mit Ammoniak betriebenen Kühlanlage verbunden. Deshalb habe sich das Ventil für einige Minuten geöffnet, "bevor es irgendwas zerreißt". Von daher habe die Technik funktioniert, allerdings "sollte es überhaupt nicht erst dazu kommen", räumt Ponnath ein. "Durch den Wind ist dann ein Schwall Richtung Hagebaumarkt getrieben." In die Firmengebäude selbst "ist zu keiner Sekunde etwas geströmt". Weder Mitarbeiter noch Produkte seien mit dem Gas in Berührung gekommen.

Dafür klagten nebenan beim Baumarkt mehrere Personen vor allem über Atemwegsbeschwerden. Der Chef der Kemnather Polizeiinspektion, Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Gleißner, zählte nach dem Einsatz, zu dem das BRK mit insgesamt 18 Rettungs- und Notarztfahrzeugen sowie die Feuerwehren Kemnath, Kötzersdorf und Speichersdorf mit 25 Mann angerückt waren, 12 Leichtverletzte.

Etwa die Hälfte sei in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Wie zu erfahren war, sollen sich je zwei Marktmitarbeiter zur Beobachtung nach Tirschenreuth und Bayreuth begeben haben. Auch sollen zwei Beschäftigte einer Baufirma, die zum Unfallzeitpunkt in der Nähe des Baumarkts mit Erdarbeiten beschäftigt waren, ins Krankenhaus bestellt worden sein. Aufgrund eines Aufrufs der Kemnather Polizei hatten sich bis Mittwochnachmittag noch nachträglich zwei Personen mit Reizungen in der Dienststelle gemeldet.

Geringe Dosierung


Das Kemnather Krankenhaus sollen laut Ponnath drei Leichtverletzte aufgesucht haben. Er habe sich dort am Abend nach deren Befinden erkundigen wollen, sie seien aber "schon wieder weg gewesen". Er ist froh, dass "glücklicherweise bis auf die Reizungen niemand zu Schaden gekommen ist". Der leitende Notarzt Dr. Wolfgang Fortelny habe ihm gegenüber auf eine ganz geringe Dosierung geschlossen.

Noch nicht sagen kann Ponnath, weshalb die Polizei erst gegen 16 Uhr verständigt worden ist. "Die Zusammenhänge muss ich erst selbst noch erfragen." Die Firma sei aber vom Einsatzleiter dafür gelobt worden, "dass die Maschinerie nach dem Vorfall so angelaufen ist". Bei Ammoniak handle es sich um ein schweres Gas, das sich am Boden ablagere. Daher sei es wohl erst nach einiger Zeit beim Baumarkt, wo es sich möglicherweise an der Gebäudewand gestaut habe, bemerkt worden. Wäre es in die entgegengesetzte Richtung geweht worden, hätte es sich einfach verflüchtigt.

Suche nach Ursache


Zur offiziellen Klärung der Ursache des Gasunfalls werden die Fachbehörden wie Gewerbeaufsicht und Landratsamt (Fachbereich Umwelt, Emissionsschutz) heute zu Untersuchungen den Metzgereibetrieb aufsuchen.

AmmoniakDie chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff ist ein stark stechend riechendes, farbloses, wasserlösliches und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt. Unter wässrigen Bedingungen wirkt es als Base. Ammoniak ist eine der meisthergestellten Chemikalien und Grundstoff für die Produktion aller weiteren Stickstoffverbindungen. Der größte Teil wird zu Düngemitteln weiterverarbeitet.

Biologisch hat Ammoniak eine wichtige Funktion als Zwischenprodukt beim Auf- und Abbau von Aminosäuren. Aufgrund der Giftigkeit größerer Mengen wird es zur Ausscheidung im Körper in den ungiftigen Harnstoff oder in Harnsäure umgewandelt.

In der Nahrungsgüter-, Getränke- und chemischen Industrie wird das Gas, vor allem aufgrund geringer Energiekosten, in großen Kälteanlagen als Kühlmittel eingesetzt. (luk)
Glücklicherweise ist bis auf die Reizungen niemand zu Schaden gekommen.Firmenchef Michael Ponnath
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.