Urkunde von Johann Herrmann (1930) im Heimatmuseum
Mit päpstlichem Segen sterben

Anno domini 1930, während des Pontifikats von Papst Pius XI., stellte der "päpstliche Almosenpfleger" Carlo Cremonesi diese Segensurkunde für "Johann Herrmann und Familie" aus. Das Kemnather Museum zeigt das Schriftstück ab sofort in seiner Sonderausstellung "Schätze aus Papier". Bild: bjp
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Kemnath
13.08.2016
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Ein päpstlicher Segen zu Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit oder Priesterweihe: Selbst vielen eingefleischten Katholiken dürfte diese Geschenkidee ein "Geheimnis des Glaubens" sein. Doch eigentlich ist nichts Mysteriöses dabei: Jeder kann bei der "Elemosineria Apostolica", dem päpstlichen Armenhilfswerk, zu derlei besonderen "Stationen" auf dem Glaubens- und Lebensweg eine apostolische Segensurkunde bestellen.

Diese Dienstleistung geht auf Papst Leo XIII. zurück, der von 1878 bis 1903 die Weltkirche regierte. Ein später Nachklang der Tetzel'schen "Ablassbriefe" zur Finanzierung des Petersdom-Prachtbaues im 16. Jahrhundert? Derartige Unterstellungen weist der "Almosenpfleger Seiner Heiligkeit" auf seiner Internetseite zurück: "Alle Zuwendungen, die bei der Elemosineria Apostolica als Beiträge für die Ausstellung der Segensurkunden eingehen, werden vollständig für die Werke der Nächstenliebe verwendet, die dieses Amt gegenüber den Bedürftigen übt."

Auf ein solches Schriftstück stieß Museumsleiter Anton Heindl und erwarb es sogleich für die aktuelle Sonderausstellung "Schätze aus Papier" des Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums. "Für fünf Euro habe ich das prachtvolle Segensdokument auf dem Weidener Flohmarkt erstanden", erzählt der Sammler und Katholik.

Fünf Euro für ein anrührendes Zeugnis inniger Glaubenszuversicht: Die Sorge um ihr Seelenheil war es, die Johann Herrmann und Familie 1930 bewogen hatten, "demütig zu den Füßen Eurer Heiligkeit (kniend)" um dessen "Segen und um einen vollkommenen Anlass" für den Fall zu bitten, dass sie in ihrer Todesstunde nicht mehr beichten und kommunizieren könnten.

Derartige Urkunden würden nur selten antiquarisch zum Kauf angeboten, weiß Heindl: "Bei Ebay habe ich lediglich zwei vergleichbare Angebote gefunden." Mit rund 150 weiteren "Luxuspapieren" verschiedenster Art von der kunstvoll bedruckten Papierserviette bis zum Scherenschnitt wird die Rarität aus Rom bis zum 27. November im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in der Kemnather Fronveste gezeigt. Obendrein kann sich, wer möchte, über die Bedingungen und Antragsformalien für eine apostolische Segensurkunde informieren: Formblätter und erläuternde Texte liegen im Museum aus, das sonntags von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag jedes Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr geöffnet ist. Der Eintritt ist frei.
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