Verspätetes Public Viewing
Erfolg in der Verlängerung

Richard König in der Fankurve seines Lokals. Am Sonntag gibt es dort Fußball zu sehen. Bild: stg
Vermischtes
Kemnath
24.06.2016
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Drei Wochen für eine Genehmigung zum Public Viewing? Dem Kemnather Wirt Richard König ist es so ergangen. Die Vertreter von Stadt und Landratsamt verweisen auf die rechtlichen Vorgaben, an die sie sich halten müssen - und das ist auch für die Fachleute oft gar nicht einfach.

Lange hatte es ausgesehen als habe Richard König die EM-Quali verpasst. Nun wurde der Wirt der Zoiglstubn Houderer am Stadtplatz nachnominiert. Das Landratsamt erteilte dem Wirt die Erlaubnis zum Public Viewing. Ab dem Achtelfinale darf er Spiele der deutschen Mannschaft übertragen. Bei Abpfiff muss allerdings Schluss sein. Der Wirt muss den Ausschank so regeln, dass die Gäste sofort aufbrechen, 15 Minuten nach dem Spiel muss auch der Abbau abgeschlossen sein.

Die verspätete Genehmigung hat vor allem mit der Regelauslegung zu tun: Die Verordnungen für die Lizenzvergabe sind wesentlich schwieriger zu verstehen als jede Abseitsregel. Tatsächlich habe bei vergangenen Fußball-Großereignissen die Stadt die Erlaubnis erteilt. Allerdings auf einer anderen Rechtsgrundlage, wie Ordnungsamtsleiter Martin Graser erklärt. Der Bayerische Städtetag hatte in seiner Mitteilung vom 7. Juni darauf hingewiesen, dass die Zuständigkeit zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung beim Landratsamt liegt. Deshalb leitete Graser den Antrag an diese Behörde weiter, als er am 3. Juni bei ihm einging.

Wie kompliziert die Regelung ist, zeigt, dass der Antrag von dort zurückkam mit einem Verweis aufs Bayerische Umweltministerium. Dieses hatte in einer Pressemitteilung vom 8. Juni die Kommunen für zuständig erklärt. "Nun war die Verwirrung komplett", gibt Graser zu. Inzwischen ist klar, dass der Fehler beim Umweltministerium lag, tatsächlich das Landratsamt entscheiden muss.

Bis dies geklärt war, hatte die deutsche Mannschaft schon drei Punkte. Und auch für die weiteren Spiele wollte das Landratsamt am 14. Juni nicht sofort die Erlaubnis erteilen. Für Graser ist dies nachvollziehbar. "So eine Entscheidung muss begründet und geprüft sein." Tatsächlich müsse das Anliegen des Wirts und das öffentliche Interesse an den Spielen mit dem Recht der Nachbarn auf Ruhe abgewägt werden. Die Entscheidung soll schließlich bestand haben, wenn etwa ein lärmgeplagter Nachbar dagegen klagt. Gerade am Stadtplatz in Kemnath gibt es ältere Anwohner und immer wieder auch Beschwerden wegen Lärm.

König reagierte auf die verweigerte Erlaubnis mit einem Antrag auf "einstweilige Anordnung" beim Verwaltungsgericht Regensburg. Das Gericht lehnte ab. Die Vorrunde war damit für König gelaufen. Inzwischen hat das Landratsamt seine Prüfung abgeschlossen und die Erlaubnis erteilt. Beim Houderer darf Fußball laufen.

Graser und Landratsamt sind sich einig, wie sich die Schwierigkeit hätte umgehen lassen: Seit vier Jahren stehe der Termin der Europameisterschaft fest, und der Wirt wisse, dass eine solche Erlaubnis Zeit brauche. Ein Antrag vier Wochen vor dem ersten Spiel hätte den Behörden diese Zeit gegeben, um alles zu bearbeiten. Dann wäre im Houderer vielleicht schon zur Vorrunde der Ball gerollt.
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