Vikar Dr. Joseph Meenpuzhackal für ein jahr in Kemnath
„Wollte schon immer Priester sein“

Vikar Dr. Joseph Meenpuzhackal hat mittlerweile auch seinen ersten Gottesdienst im Kemnather Senioren- und Pflegeheim zelebriert. Bild: jzk
Vermischtes
Kemnath
21.09.2016
61
0

"Wer ist der neue Geistliche?" "Woher kommt er?", "Wie kommt er nach Kemnath?: Das fragten sich in den vergangenen Tagen die Besucher der Gottesdienste in der Stadtpfarrkirche. Auskunft gibt Vikar Joseph Meenpuzhackal selbst.

Von seinem neuen Wirkungsort hat der Geistliche jedenfalls einen sehr guten Eindruck: "Die Pfarrei Kemnath ist eine sehr lebendige Pfarrgemeinde mit sehr freundlichen und hilfsbereiten Menschen." Pfarrer Konrad Amschl ist sehr froh, dass er nach seiner schweren Erkrankung Unterstützung bei seinen vielfältigen seelsorgerischen Diensten hat.

"Geboren wurde ich am 27. April 1965 in einem kleinen Dorf im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens", erzählt der Vikar. Der Vater habe eine kleine Landwirtschaft besessen. Wie seine zwei Schwestern und vier Brüder sei er im christlichen Glauben erzogen worden. Ein Bruder sei ebenfalls Priester.

In Indien sind 2,5 Prozent der Bevölkerung Christen, aber in Kerala 30 Prozent. "Ich wollte schon immer Priester werden", berichtet Meenpuzhackal, zu dessen Hobbys Volleyball und das Lesen von theologischer Literatur gehören. Anregungen habe er von einem Onkel, der ebenfalls Seelsorger war, erhalten. Mit 15 Jahren trat er in die Ordensgemeinschaft der heiligen Therese von Lisieux ein. Als Novize lernte er ein Jahr lang das religiöse Leben und die Ordensregeln kennen.

Nach dem Abitur studierte der Inder sechs Semester Philosophie an der staatlichen Universität Allahabdad in Varanasi in Nordindien, 3000 Kilometer vom seinem Heimatort entfernt. "Der Abschied von zu Hause fiel mir schwer. Am Anfang hatte ich schreckliches Heimweh." Da aber noch acht andere Priesterkandidaten aus Kerala mit ihm dort lernten, fiel ihm das Baccalaureat-Studium (entspricht in etwa der Matura) leichter. Anschließend kehrte er nach Kerala zurück, um im Priesterseminar sieben Semester Theologie zu studieren.

Sehr gerne denkt er an seine Primiz zurück. "Meine Priesterweihe in meiner Heimatpfarrei am 13. April 1994 war ein großes Fest." Mit ihm seien noch zwei Kameraden zum Priester geweiht worden. Über 3000 Menschen seien aus den Nachbarpfarreien gekommen, um den Primizsegen zu erhalten.

Anschließend war Meenpuzhackal sechs Jahre lang Lehrer, dann Subregens und Regens am Priesterseminar. Am Goethe-Institut in Puna in der Nähe von Bombay lernte er Deutsch.

Im September 2000 schickte ihn der Provinzial des Ordens zum ersten Mal nach Deutschland. Drei Monate später starb der Vater im Alter von 67 Jahren plötzlich an einem Herzinfarkt. "Es war mich für sehr tröstlich, dass ich zu seiner Beerdigung in mein Heimatdorf reisen konnte, aber an Weihnachten war ich schon wieder in Deutschland."

In der Diözese Augsburg war er drei Jahre lang Kaplan in Burgheim im Dekanat Neuburg-Schrobenhausen. In dieser Zeit bereitete er sich auf die zweite Dienstprüfung und die Prüfung für den Schulunterricht vor.

Als Pfarradministrator in der Pfarreigemeinschaft Willprechtszell im Dekanat Aichach-Friedberg begann er sein Promotionsstudium an der Universität Augsburg. Im Oktober 2004 kam er an die Päpstliche Akademie Alfonsiana, ein höheres Bildungsinstitut für Moraltheologie in Rom. "Da musste ich mich sehr anstrengen", blickt er zurück. Die Themen und Prüfungen seien schwierig, die Unterrichtssprachen Italienisch und Englisch gewesen.

Im März 2009 promovierte er dort mit einem Thema über den katholischen Philosophen Dietrich von Hildebrand. Danach wurde er Prior in einem Kloster in Kerala. Im August beorderte ihn der Orden ein zweites Mal nach Deutschland. Schon einen Tag nach seiner Ankunft in Kemnath zelebrierte er hier den ersten Gottesdienst. Sein Aufenthalt ist zunächst bis zum 31. August 2017 befristet. Dann entscheidet das Ordinariat Regensburg neu.

Vor kurzem hat Meenpuzhackal seinen Führerschein von der Zulassungsstelle in Tirschenreuth wieder erhalten, den er im Juli in Indien verloren hatte. "Wenn es mein Orden erlaubt, kann ich mir jetzt ein Auto zulegen", schmunzelt der Vikar, den manchmal doch "ein wenig Heimweh" plagt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.