Zu viele Einsätze für Feuerwehren
Kreisbrandinspektor sieht Gefahr der Überlastung

Symbolbild: dpa
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Kemnath
27.01.2016
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"Nein sagen ist immer schwerer als Ja sagen." Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther

Es brennt, doch statt sofort zum Einsatzort auszurücken, ist die Feuerwehr dabei, bei einer Veranstaltung oder einem Unfall den Verkehr abzusichern. Das kann es in den Augen von Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther nicht sein. Er sieht die Aktiven zunehmend als "Mädchen für alles" ausgenutzt.

In der Jahreshauptversammlung der Ahornberger Floriansjünger verschaffte er seinem Unmut etwas Luft. Seine Aussagen, dass den Brandschützern immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden, möchte der Kemnather als Denkanstoß verstanden wissen. "Wenn man nichts sagt, dann ist es Gewohnheitsrecht. Dann bürgert es sich ein." Inzwischen habe er den Eindruck, dass die Feuerwehr für alles gerufen werde.

Früher sei sie für Brände und Technische Hilfeleistungen da gewesen, was laut Bayerischem Feuerwehrgesetz auch unter die Pflichtaufgaben falle. "Sachen, die immer mehr kommen, sind sonstige Hilfeleistungen", die zu den freiwilligen Tätigkeiten zählen. Als Beispiel führt Braunreuther hier die Verkehrsabsicherung an, die theoretisch auch ein Ordnungsdienst übernehmen könnte. Das sei aber mit einem "zeitlichen Versatz" verbunden und teurer.

Die Feuerwehr dagegen sei schnell verfügbar und günstig. "Eventuell muss man nur eine Brotzeit bezahlen." Ganz im Gegensatz zu Großstädten wie München, wo die Einsätze kostenpflichtig seien. "Da berappt man schon sehr viel", berichtet Braunreuther. Entsprechend überlegt man es sich dort gut, die 112 zu wählen.

Kommandant entscheidet


Prinzipiell werde im Kreisfeuerwehrverband versucht, bei der Art der Leistungen gleich zu fahren. "Für die freiwilligen Tätigkeiten ist aber der jeweilige Kommandant zuständig." Er entscheide in seinem Schutzbereich, was gemacht werde. Da dieser aber auch vom Gemeinde- oder Stadtrat mit bestimmt werde, könne ihm der Bürgermeister gewisse Aufgaben übertragen. Braunreuther denkt hier unter anderem an die Beseitigung von verstopften Kanalleitungen, da die Wehren ja über die nötigen Gerätschaften verfügen.

1695 Einsätze zählte der Kemnather im Vorjahr, mit rund 2300 beteiligten Feuerwehren. Seit Jahren sei die Tendenz bei den Hilfeleistungen steigend. Dagegen bleibe die Zahl der Brände im Mittel eher gleich. "Da gibt's von Jahr zu Jahr mal mehr mal weniger." Daher sei von Feuerwehrseite angeregt worden, "aufschiebbare Sachen" Firmen oder dem Bauhof zu überlassen. "Aber Nein sagen ist immer schwerer als Ja sagen", ist sich der Kreisbrandinspektor bewusst. Allerdings erlaubt sich die Feuerwehr mittlerweile, nicht mehr Schnee von den Dächern zu schaufeln, außer es ist Gefahr in Verzug.

Um die Belastung für die Einsatzkräfte zu minimieren, sei die Feuerwehrführung dabei, Gespräche zu führen. Es sei aber ein langwieriger Prozess, etwas zurückzunehmen, das sich eingebürgert habe. Zudem sei bei den Aktiven die Bereitschaft, mal wieder wegen einer Ölspur ausrücken, "noch größer als das Murren". Dieses hört Braunreuther dagegen öfter von deren Arbeitgeber, die sie für Einsätze freistellen müssen, jedoch "mehr zwischen den Zeilen". Dafür hat der Kemnather ein gewisses Verständnis, denn was "hilft's ihnen, wenn der Baum von der Straße ist, aber die Produktion stillsteht".

Nein sagen ist immer schwerer als Ja sagen.Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther

Doch nicht allen zusätzlichen Aufgaben steht der Kreisbrandinspektor skeptisch gegenüber. So diene der sogenannte "First Responder", also die Überbrückungshilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, dem besseren Schutz der Bevölkerung: "Und das machen wird gerne."
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