Rauffeisen-Vorstand Albert König geht Ende April in den Ruhestand
Um Genossenschaft nicht bange

Raiffeisen-Vorstand Albert König packt bereits einen Teil seiner Unterlagen in Umzugskartons. Nach über 45 Jahren geht der Neusorger Ende April in den Ruhestand. Bild: mez
Wirtschaft
Kemnath
18.04.2016
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Raiffeisen-Vorstand Albert König packt bereits einen Teil seiner Unterlagen in Umzugskartons. Nach über 45 Jahren geht der Neusorger Ende April in den Ruhestand. Bild: mez

Ende April geht Bankdirektor Albert König in den Ruhestand. Über 45 Jahre stand der Neusorger in Diensten der regionalen Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald. Mehrere gelungene Bankenfusionen tragen seine Handschrift.

/Erbendorf/Waldershof. Dies waren aber nicht die einzigen Veränderungen, auf die Albert König in verantwortlicher Position regieren musste. Im Interview mit NT-Berichterstatter Roman Melzner blickt er auf seinen Weg zurück, schaut aber auch ein Stück in die Zukunft.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang bei der Raiffeisen-Genossenschaft?

König: Meine Ausbildung zum Bankkaufmann begann am 1. August 1970 bei der damaligen Raiffeisenbank in Neusorg. Es folgten die Weiterbildung zum Bankfachwirt sowie weitere Fortbildungen. Ende der 1970er Jahre hatte ich erstmals die fachliche Befähigung zur Leitung einer Kreditgenossenschaft erworben. Im Jahr 1981 wurde ich zum hauptamtlichen Vorstand bestellt, also vor genau 35 Jahren. Weitere Meilensteine, die sowohl die genossenschaftliche Struktur in unserer Region prägten als auch meine berufliche Entwicklung maßgeblich beeinflussten, waren die Fusionen in den Jahren 1992 (Kemnath) und 1998 (Steinwald).

Wie hat sich die Bankenlandschaft seither verändert?

Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert und wird wohl auch noch weiteren spürbaren Anpassungen unterworfen sein. Auffällig ist, das sich dabei die Intervalle stets verkürzen. Manchmal ist man dabei schon in Sorge, dass man diesen Prozessen nur mehr mit größter Anstrengung folgen kann. Ob all diese Veränderungen einen Sinn stiften, dies liegt wohl im subjektiven Ermessen jedes Einzelnen. Wichtig war mir dabei immer, dass man sich notwendigen Veränderungen nicht verschließt. Man kann aber nicht jedem Zeitgeist und jedem Hype hinterherlaufen, sonst würde man schnell die Orientierung verlieren.

Werden ländliche Banken von der Politik gefördert oder haben sie eine zu geringe Lobby?

Das Geschäftsmodell eines regional tätigen Kreditinstituts, also auch der Sparkassen, besteht im wesentlichen darin, innerhalb unseres Geschäftsgebietes Kundeneinlagen hereinzunehmen und an die örtliche Wirtschaft oder auch dem Wohnungsbau in Form von Krediten wieder bereitzustellen. Damit haben wir eine sehr wichtige Funktion für unsere Region und fühlen uns auch dieser verpflichtet. Im Zuge der nationalen Bankenaufsicht und der Europäischen Gesetzgebung wird diese wichtige Funktion aber nicht hinreichend erkannt. Es findet keinerlei Differenzierung statt hinsichtlich des Risikogehalts zwischen einer kleinen Genossenschaftsbank und einer weltweit tätigen Investmentbank.

Wo sehen Sie Chancen und wo die Herausforderungen für regional tätige Banken?

Die Herausforderungen bestehen darin, in der jetzigen Niedrigzinsphase noch ausreichend Erträge zu erwirtschaften und die überbordende Regulierung, welche hohe Kosten verursacht, zu bestehen. Die Chancen liegen eindeutig in einer vertrauensvollen Beziehung zu unseren Kunden und Mitgliedern. Der Kunde muss letztlich davon überzeugt sein, dass er bei unserer Bank am besten betreut wird und durch die Kundenbeziehung für ihn ein erkennbarer Mehrwert entsteht. Sollte uns das gelingen, und davon bin ich überzeugt, so sehe ich der weiteren Zukunft voller Zuversicht entgegen.

Nicht zuletzt die Digitalisierung verändert die Bankenlandschaft massiv, was aus wirtschaftlichen Gründen auch die Schließung von Zweigstellen nötig machte.

Die Digitalisierung hat einen ganz wesentlich Einfluss nicht nur auf die Bankenlandschaft genommen. Diese nutzen zurecht auch unsere Kunden immer mehr. Oftmals waren nicht nur deswegen auch schwierige und sicher keine einfachen Entscheidungen nötig. Aber deren Richtigkeit und Wichtigkeit wird dadurch unter Beweis gestellt, dass es unsere Genossenschaft seit deren Gründung vor 125 Jahren immer noch gibt und diese unbestritten eine wichtige wirtschaftliche Säule in der Region darstellt. Man muss sich den veränderten Anforderungen stets anpassen und sich den Herausforderungen der Zeit stellen. Immerhin trägt man auch gegenüber mehr als 100 Mitarbeitern eine soziale Verantwortung.

Ende April gehen Sie in den Ruhestand. Wie sehen die letzten Tage in Ihrem Berufsleben aus?

Beim Aufarbeiten meines Schreibtischs und meines Büros in den letzten Wochen wurde mir beim Betrachten oft älterer Unterlagen sehr bewusst, was alleine die Zeit so mit sich bringt. Dinge erscheinen plötzlich unwichtig, welche vor geraumer Zeit noch als überaus wichtig galten, weil sie einfach von der Zeit eingeholt wurden. Es gibt im Leben, ob beruflich oder privat, für uns alle manchmal Wichtigeres als Geld. An dieser Stelle möchte ich mich bei den vielen Personen bedanken, die mich über all die Jahrzehnte beruflich begleitet haben. Auf vertrauensvolle Zuarbeit ist man stets angewiesen. Es ist stets Teamarbeit, die zum Erfolg führt.

Auf was freuen Sie sich im Ruhestand und was werden Sie vermissen?

Ich freue mich insbesondere darauf, künftig über meine Zeit selber verfügen zu können. Ich kann mehr Zeit in meine sportlichen Aktivitäten investieren und hoffe, dass ich gesundheitlich dazu weiterhin in der Lage bin. Womöglich finde ich auch die Muse, ab und zu mal ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Außerdem möchte ich mehr Zeit meiner Familie zuwenden. Vermissen werde ich sicher viele meiner Wegbegleiter, mit denen ich über einige Jahrzehnte vertrauensvoll gearbeitet habe. Dies gilt auch für zahlreiche persönliche Beziehungen, die durch das Berufsleben entstanden sind.
Es gibt im Leben, ob beruflich oder privat, für uns alle manchmal Wichtigeres als Geld.Albert König
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