Siemens-Chef Kaeser braucht langen Atem

Rauf mit der Profitabilität auch durch Abbau von Arbeitsplätzen. Am Donnerstag kündigte Siemens-Chef Joe Kaeser an: "Auf strukturelle wirtschaftliche Veränderungen, die unsere Geschäfte betreffen, müssen wir reagieren. Und wir müssen unsere Ressourcen darauf ausrichten, wo Bedarf ist." Damit geht bei den Beschäftigten das Bangen um ihre Stelle weiter. Bild: dpa
Wirtschaft
Kemnath
07.11.2014
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Seinen Wettbewerbern hinkt Siemens weiter hinterher. Politische Krisen und Qualitätsprobleme im Windkraft-Geschäft halten den Konzern in Atem. Beim Umbau drängt deshalb die Zeit.

(dpa/luk) Konjunktursorgen und Probleme im Energiegeschäft kommen Siemens auch im neuen Geschäftsjahr in die Quere. Konzernchef Joe Kaeser gab am Donnerstag in Berlin nur eine verhaltene Prognose aus. "Wir müssen bei der Profitabilität und beim Wachstum stärker werden", sagte Kaeser. Siemens plant bei schlankeren Strukturen weitere Zu- und Verkäufe und will Forschung und Entwicklung sowie den Vertrieb stärken.

Bis Mitte 2015 sollen Transaktionen für mehr als 6,5 Milliarden Euro über die Bühne gehen. So verkauft Siemens die Hörgeräte-Sparte für 2,15 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT und die deutsche Unternehmerfamilie Strüngmann als Co-Investor. Vorerst wird Siemens aber vor allem mit der Integration der Zukäufe zu tun haben: Neben dem US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand übernimmt der Konzern auch das Gasturbinen- und Kompressorengeschäft von Rolls-Royce. Erste Verbesserungen im Geschäft erhofft sich Kaeser für 2016.

Kaeser hatte die Sektoren-Einteilung des Geschäfts über Bord geworfen und die Zahl der Divisionen reduziert, um Siemens schlanker, schneller und kundennäher zu machen. Wieviele Arbeitsplätze der Umbau kosten wird, ließ Kaeser auch am Donnerstag offen, stimmte die Beschäftigten aber auf "strukturelle Anpassungen" ein.

Ausgliederung beschlossen

Ausgegliedert aus dem Konzern wird der Healthcare-Sektor. Die Überführung in ein rechtlich eigenständiges Unternehmen erfolgt aber nicht vor dem 1. April 2015. Die dafür zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern ausgehandelten Eckpunkte sehen unter anderem vor, dass sowohl die davon betroffenen Standorte Kemnath, Erlangen, Forchheim und Rudolstadt als auch deren Stellenumfang bestehen bleiben. Das soll auch für die Tarifbindung in der Metall- und Elektroindustrie gelten.

Für das neue Geschäftsjahr sieht Kaeser viele Unsicherheiten. Der Umsatz dürfte in diesem Umfeld nur auf Vorjahresniveau verharren. Den Gewinn will Kaeser zwar um mindestens 15 Prozent steigern - das liegt aber vor allem am Verkauf von Unternehmensteilen. Im Schlussquartal 2013/14 (30. September) schlugen alleine Belastungen im Windkraft-Geschäft mit 223 Millionen Euro zu Buche. Neben Verschleißproblemen bei bestimmten Windturbinen an Land fielen auch Reparaturkosten für Rotorblätter von On- und Offshore-Anlagen an.

Unter dem Strich steigerte Siemens aber auch dank des Wegfalls von Kosten für das Sparprogramm den Gewinn von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatz stagnierte bei 20,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um zwei Prozent auf 20,7 Milliarden Euro zu.

Im Gesamtjahr schaffte der Konzern seine Ziele und verdiente unter dem Strich 5,5 Milliarden Euro, nach 4,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Als Dividende soll es 3,30 Euro je Anteilsschein geben.
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