Siemens gliedert Healthcare-Sparte aus
Hoffen auf Ehrlichkeit

Wirtschaft
Kemnath
08.11.2014
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Die Ausgliederung der Healthcare-Sparte aus dem Siemenskonzern löst bei IG Metall und Betriebsrat in Kemnath keine Panik aus: Die Belegschaft kann auf Zugeständnisse und Versprechen des Vorstands bauen.

"Keine Euphorie, aber auch keine Depression" - so beschreibt Betriebsratsvorsitzender Harald Tretter die Stimmung in der Kemnather Belegschaft am Tag nach der Ausgliederung des Healthcare-Sektors. "Ich denke, dass das Beste aus der unternehmerischen Entscheidung gemacht wurde."

Der Amberger IG-Metall-Bevollmächtigte und Betriebsbetreuer Horst Ott sieht's ähnlich: "Dass eine solche Struktur geschaffen wird, ist an sich nicht schlimm und auch nicht unnormal." Dass es Ängste und Sorgen bei der Belegschaft gebe, begründe sich aus der Historie des Konzerns. "Bisher sind Siemens-Ausgliederungen meistens schiefgegangen", sagt Ott und verweist auf die Bereiche Leuchten und Handys. Er findet es nachvollziehbar, dass sich dies in den Köpfen festgesetzt hat.

Doch dieser Fall sei anders, lobt der Gewerkschaftler. "Wenn sie es ehrlich meinen, dann ist es gut gemacht." Auch Tretter verweist auf den Erfolg des Gesamtbetriebsrats. Das Gremium habe Eckpunkte zur Sicherung der Arbeitnehmerinteressen durchzusetzen. "Wir haben viel geregelt und fixiert", betont das Gesamtbetriebsrats-Mitglied. Er verweist auf die Tarifbindung, die Standortgarantien und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

Im Healthcare-Unternehmen sind künftig 13 000 Mitarbeiter beschäftigt, 1200 in Kemnath. "In der neuen Struktur bekommt Kemnath ein größeres Gewicht", so Ott. So wurde fixiert, dass Kemnath sogenannte "Lead Factory" für Mechatronik wird. "Ich halte es für glaubwürdig, dass man Healthcare nicht kaputtmachen will", so Ott.

Mit der Vereinbarung zwischen Konzern, IG Metall und Betriebsrat sei das Thema nicht abgeschlossen. "In den nächsten Monaten geht es darum, die Zusagen und Verpflichtungen in der Überleitvereinbarung umzusetzen", sagt Tretter. Die Ausgliederung wird frühestens zum 1. April 2015 erfolgen. Tretter geht davon aus, dass das Unternehmen auch danach den Namen Siemens trägt.
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