Siemens Healthineers
Für Oberpfälzer unaussprechlich

Das neue Logo: Bei Siemens Healthineers kommt zum bekannten Türkisgrün orange Farbe hinzu. Bild: Siemens
Wirtschaft
Kemnath
13.05.2016
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Siemens Healthcare hat einen neuen Namen - und erntet Spott. Auch bei Mitarbeitern am Kemnather Standort hält sich die Begeisterung in Grenzen - vor allem über die Präsentation des Titels.

Healthcare heißt jetzt Healthineers - sonst ändert sich nichts. Das verspricht Unternehmenssprecher Thorsten Opderbeck den Mitarbeitern auch in Kemnath. Es werde ein neues Firmenschild, neue Visitenkarten und Briefpapier geben. Zum Siemens-Grün kommt die Farbe Orange. Bis weltweit das letzte Logo ausgetauscht ist, werde noch mehr als ein Jahr vergehen. Los ging der Wandel am Mittwoch vergangener Woche. Das Unternehmen informierte seine Mitarbeiter, dann die Öffentlichkeit.

Neuer Name sinnvoll


Die ehemalige Gesundheitssparte ist seit zwei Jahren aus den Konzernstrukturen ausgegliedert, habe als "Unternehmen im Unternehmen" neue Freiräume. Diese habe die Firma genutzt, sich bei Organisation und Strategie neu aufgestellt. "Deshalb war es an der Zeit, die Veränderung auch durch einen neuen Brand (Markennamen) sichtbar zu machen", erklärt Opderbeck. Der Titel setze sich zusammen aus Health für Gesundheit und Pioneering oder Engineering. "Für Pionier- und Ingenieurleistungen steht der Name Siemens schon sehr lang." Die Zeit der deutschen Namen sind vorbei, hält Opderbeck der Kritik an dem Anglizismus entgegen.



Das sieht auch Harald Tretter so. Der Kemnather Betriebsratsvorsitzende findet es sinnvoll, dass die Siemens Gesundheitssparte nun weltweit mit einem Namen auftritt. Dies sei bislang nicht der Fall gewesen. Bei der Frage, ob ihm der Name Healthineers persönlich gefällt, wird Treter zurückhaltender. Negatives werde er sicher nicht sagen. "Unsere Firma heißt jetzt schließlich so." Allerdings könne man durchaus geteilter Meinung sein, gibt Tretter sich diplomatisch.

Ungeteilt schlecht ist die Resonanz auf die Präsentation des Namens. Von der gibt es ein Video auf Youtube, das seit vergangener Woche mehr als 500 000 Mal angesehen und mehrheitlich negativ kommentiert wurde. Menschen tanzen darin in Ganzkörper-Gymnastik-Anzügen über eine Bühne zu einem Lied, das die Vorzüge von Siemens Healthineers preist. Das Video nahm die Süddeutsche Zeitung diese Woche zum Anlass, sich über Namen und Präsentation lustig zu machen. Unter dem Titel "Siemens bricht die Zungen seiner Ingenieure" stellt die Zeitung dem Konzern ein vernichtendes Urteil in Sachen Marketing aus.

"Ach ja, das Video", sagt Opderbeck zunächst nur. Dann weist er darauf hin, dass der Mitschnitt den Abschluss einer Präsentation zeigt, die rund 90 Minuten dauerte. Den Mitarbeitern in Erlangen und den weltweit per Stream zugeschalteten Kollegen habe Healthineers-Geschäftsführer Bernd Montag die Hintergründe der Wahl erläutert: "Unsere neue Marke ist ein mutiges Signal für unseren Anspruch und drückt unser Selbstverständnis als menschennahes Unternehmen aus, bestehend aus mehr als 45 000 Mitarbeitern weltweit."

Spekulation im Werk


Spott gab es aber wohl nicht nur in Zeitung und Netz. Auch im Kemnather Werk soll sich bei der Präsentation der Applaus in Grenzen gehalten haben, für die Wortneuschöpfung, die es Oberpfälzer Zungen schwer macht, den Namen des eigenen Arbeitgebers auszusprechen. Vor allem soll die Tanzeinlage für Unverständnis gesorgt haben. Auch, weil der Inhalt der Präsentation im Vorfeld geheim war - was in der Belegschaft für Spekulationen gesorgt hatte.
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