Siemens-Standort Kemnath als globales Kompetenzzentrum für Mechatronik
Wo die Medizin-Zukunft beginnt

"Alles was kippt, rotiert, sich hebt und bewegt" ordnet Siemens-Standortleiter Alfred Koch der Mechatronik zu: Wie hier bei der "Rohfassung" eines Computertomografen. Bilder: Fütterer (3)
Wirtschaft
Kemnath
02.06.2016
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Untersuchungs-Bilder in 3-D sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern technischer Standard. Die tonnenschweren Apparate lassen sich über Fingerdruck-Senoren bequem und leicht steuern.

Das Bild könnte einem Science-Fiction-Roman entspringen: Das mobile Untersuchungsgerät ähnelt einem Gefährt aus der Raumfahrt. In atemberaubendem Tempo untersucht ein Analyse-Apparat Körperflüssigkeiten auf Krankheiten. Wie aus dem Kultfilm "Terminator" wirkt das spezielle Metall für einen Roboter-Greifarm.

Die Tür für einen Blick in die medizintechnische Zukunft öffnet unserer Zeitung der Healthcare-Standort von Siemens in Kemnath. Das Weltunternehmen forscht und entwickelt in der nördlichen Oberpfalz die Mechatronik für hochkomplexe Röntgen- und Angiografiesysteme, Magnetresonanz- oder Computertomografen. Am perfekten (und wirtschaftlichen) Zusammenspiel von Mechanik, Elektronik und IT-Komponenten arbeiten 140 der insgesamt 1200 Beschäftigten am Siemens-Standort Kemnath. Die Abteilung Forschung und Entwicklung ist ansonsten streng abgeschirmt; wichtige Elemente sind abgeklebt, es herrscht striktes Fotografierverbot. "Wenn wir nur das produzieren, was jeder kann, werden wir schnell austauschbar", sagt Alfred Koch. Der 57-jährige Oberpfälzer leitet nicht nur den Standort Kemnath, er trägt auch die Verantwortung für Siemens-Healthcare in den USA, in China und Indien. Nach dem Baukasten-Prinzip fertigt Siemens hochpräzise Medizintechnik für Diagnostiksysteme in Krankenhäusern und Arztpraxen. "Wir sorgen dafür, dass es den Menschen auf vernünftiger Kostenbasis besser geht", meint Koch in der typischen Oberpfälzer Bescheidenheit.

Weltmarktführer


Mit jährlichen Investitionen in Millionenhöhe rüstet sich Siemens in Kemnath dafür, der weltbeste Hersteller für Mechatronik in der Medizintechnik zu werden: quasi zur "Schaltzentrale" für die digitalisierte Produktion Industrie 4.0 - mit einer Verbindung der virtuellen und realen Welt. Koch: "Dies bedeutet neue Technologien und eine noch stärkere Automation." Schon heute ist Siemens Kemnath in gewissen Bereichen Weltmarktführer. Der hochmodernen Diagnostik kommt in der Medizin ein immer größerer Stellenwert zu. So forscht Siemens in molekularer Diagnostik und Bildgebung, an 3-D-Untersuchungen und in der Sensorik, neuen Antriebstechniken für die Apparate oder Materialwissenschaften (antibakterielle Oberflächen). Etwa 40 Prozent der Mitarbeiter verfügen über einen Hochschulabschluss und arbeiten als Ingenieure, Physiker, Mechatroniker oder Softwareentwickler und Techniker. Den anderen Teil stellen Facharbeiter wie Zerspanungs-, Elektrotechniker oder Mechatroniker dar bzw. Berufe mit kaufmännischen Hintergrund.

Die relativ einfachen Arbeiten sind allesamt outgesourct; die Siemensianer können sich auf die eigentliche Mechatronik als Kernkompetenz konzentrieren.

Hohe Produktivität


Siemens Kemnath will mit den Diagnostik-Geräten das "untere Preissegment" (Grundversorgung) auf dem Weltmarkt ebenso abdecken wie Hightech. Weil der internationale Wettbewerbsdruck massiv ist, kommt der Kosteneffizienz am Standort enorme Bedeutung zu. Als Erfolgsfaktor für immer ausgeklügeltere Produktionsprozesse gilt das "Shop-Floor-Management-System". Es fängt dem Vernehmen nach die tariflichen und andere Kostensteigerungen auf, nachdem auf dem Weltmarkt höhere Preise kaum durchzusetzen sind. "Wir konnten die Netto-Produktivität des Standorts deutlich steigern", bestätigt Werkleiter Koch recht allgemein. Denn Diskretion ist oberstes Gebot. Die Gefahr der Betriebsspionage lauert latent.

Der 1962 als "verlängerte Werkbank" gegründete Siemens-Standort entwickelte sich seit Mitte der 90er Jahre zum globalen Kompetenzzentrum des Konzerns für Medizin-Mechatronik. "Wir wollen mit der Diagnostik wachsen und weltweit der Wegbereiter für die Gesundheitsvorsorge werden", betont Alfred Koch - und vertraut dabei auf die Loyalität, den Fleiß und die Motivation seiner Oberpfälzer Mitarbeiter.
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