Streit um Betriebsrat
Kündigung vor der Wahl

Wirtschaft
Kemnath
10.02.2017
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Drei Beschäftigte der "Hollerhöfe" wollen einen Betriebsrat gründen. Nun haben sie die fristlose Kündigung erhalten, berichtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Laut Hotelchefin Elisabeth Zintl hat das Eine mit dem Anderen allerdings nichts zu tun.

Waldeck. Die Mitarbeiter wollten die "nicht planbaren und einseitig angeordneten Arbeits- und Urlaubszeiten" nicht länger hinnehmen, berichtet Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aus Regensburg. Sie hätten sich deshalb zur Gründung eines Betriebsrats entschieden. Das haben er und die drei Initiatoren Zintl am Montag offiziell mitgeteilt.

Was dann passierte, darüber gehen die Schilderungen auseinander. Reißfelder gebraucht dafür das Wort "Wahnsinn". Die Geschäftsleitung habe alle drei Mitarbeiter "unmittelbar von ihrer Arbeit freigestellt". Einer davon habe am Mittwoch per Gerichtsvollzieher die fristlose Kündigung erhalten, mittlerweile auch die beiden anderen. Bei einer Betriebsratsgründung gebe es immer "mal Fälle, in denen der Arbeitgeber auf die Barrikaden geht", doch eine solche Reaktion habe er in seinen zehn Jahren bei der Gewerkschaft noch nicht erlebt, erklärt Reißfelder. Er kann sich "das übertriebene Verhalten" nicht erklären, gehe es den Mitarbeitern doch vor allem um eine vernünftige Dienstplangestaltung. "Niemand will etwas von Zintl persönlich."

Den von Reißfelder geschilderten Vorkommnissen widerspricht die Waldeckerin energisch. Die Darstellung der Gewerkschaft NGG "ist schlichtweg falsch". Alle von der Geschäftsleitung vorgenommenen arbeitsrechtlichen Dispositionen seien vor dem Erscheinen des Gewerkschaftsvertreters mit anwaltlicher Beratung und Begleitung vorgenommen worden. Auch habe ihr das aggressive Auftreten des Gewerkschaftsvertreters missfallen. Die ganze Sache "ist sehr heftig".

Zu den Motiven für die Kündigungen möchte Zintl keine Stellung beziehen, es handle sich dabei jedoch "um einzelne, begründete Maßnahmen". Diese mit der beabsichtigten Gründung eines Betriebsrats zu vermengen, "ist nicht korrekt und entspricht in keiner Weise den tatsächlichen Abläufen".

Aufgrund einer Betriebsgröße von unter 20 Mitarbeitern würde der Betriebsrat aus einer Person bestehen, erläutert Reißfelder. Er geht davon aus, dass das weitere Prozedere zur Gründung wie geplant ablaufen wird. Zintl sei verpflichtet, ihm bis Donnerstag, dem Tag der Betriebsversammlung mit Wahl des Wahlvorstandes, eine Beschäftigtenliste zu übergeben. Die Betriebsratswahl soll dann wiederum am Donnerstag der darauffolgenden Woche erfolgen.

Dass "einzelne Mitarbeiter in dieser Form vorgehen und ihre persönlichen Anliegen" auf diesem Weg klären möchten, findet Zintl schade. "Ich habe mit vielen wertvollen Mitarbeitern und Engagement die letzten Jahre ein gutes Haus aufgebaut und zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen." Bei ihr seien viele Mütter beschäftigt, denen Wunschzeiten bei der Arbeit ermöglicht würden. Sie führe ihren Betrieb "mit einem planbaren Geschäft" nach bestem Wissen und Gewissen.

Wahnsinn.Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten


Die Darstellung der Gewerkschaft NGG ist schlichtweg falsch.Elisabeth Zintl, Geschäftsführerin der "Hollerhöfe"
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