Heuduft zieht Busse an

Lokales
Kirchendemenreuth
10.08.2015
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Bocklweg, Geo-Zentrum oder Zoigl sind die touristischen Perlen des Landkreises. Eine weitere kam nun hinzu. Sie duftet nach Heu und Käse. Renate Lang stellte sie auf ihrem Hof in Oed vor.

Lang hat sich acht Tage lang weiterqualifiziert. Sie nahm an einem Kurs der Landwirtschaftsämter Landshut und Abensberg teil, die den Verein "Landerlebnisreisen Bayern" unterstützen. "Es geht darum, Busgruppen optimal über den eigenen Betrieb zu führen. Dazu gab es Kurse in Rhetorik und Didaktik", erklärt die findige Bäuerin.

Um zu sehen, ob sie das auch im Sinne von "Erlebnisreisen" umsetzt, kamen Vertreter der beteiligten Ämter sowie des Landratsamts zur Abnahme. Unter anderem waren Landrat Andreas Meier, Cheftouristiker Reinhold Zapf und Naturpark-Geschäftsführer Martin Koppmann mit von der Partie.

Zum ganz speziellen Ausflugsziel macht den Lang-Hof der goldgelbe Heukäse. "Unsere Tiere bekommen keine Silage mehr, sondern nur Heu und Gras", betont die 46-Jährige. Das schmeckt man, bestätigten die Besucher bei der Verkostung und ließen sich gern noch eine weitere Probe reichen.

Familie packt mit an

Die Landwirtschaft wird im Nebenerwerb betrieben, Ehemann Johannes geht einer Arbeit außerhalb des Hofes als Zuchtwart nach. Seit zehn Jahren sind die Langs Direktvermarkter und Gastronomen. Alle Familienmitglieder packen mit an, allen voran die drei Söhne und zwei Töchter. Sie zeigen auch Interesse daran, den Betrieb einmal weiterzuführen.

Die Umstellung auf Heumilch war ein großer Einschnitt. Die 20 Milchkühe werden mit Heu gefüttert, das speziell getrocknet wird. Es bleibt nach dem Mähen nur kurze Zeit auf der Wiese. Bereits mit 20 Prozent Restfeuchte wird es in Ballen gepresst, die lockerer sind als üblich und in die Trocknungsanlage gebracht. Dort kommen die Ballen auf Löcher im Lüftungskanal, wo sie mit warmer Luft in 24 Stunden getrocknet werden. Die warme Luft wird in einem Kreislauf abgesaugt, kondensiert, und wieder in den Kanal geblasen. Im so getrockneten Heu bleiben wesentlich mehr Nährstoffe erhalten. Wie man diese Milch weiterverarbeiten kann, zeigte Renate Lang am Kochtopf. Sie erläuterte, dass Hartkäse aus Rohmilch hergestellt wird, wie die Milch gesäuert, eingelabt und erhitzt wird. "Je härter der Käse, umso mehr muss die Masse erhitzt werden."

Überschüssige Molke

Die Masse wird zum Schluss dann in spezielle Käseformen gegossen, die bis zur Fertigstellung noch etliche Male gewendet werden. Zum Sortiment der Köchin gehören neben Hartkäsen auch Weichkäse wie Mozzarella in verschiedenen Geschmacks- und Gewürzrichtungen, Joghurt, Quark, Frischkäse und seit neuestem Camembert. Normalerweise wird der jeweilige Käse mit 400 Litern gekocht. Wenn man bedenke, dass die Ausbeute nur etwa 10 Prozent beträgt, könne man besser nachvollziehen, dass Käse seinen Preis hat, meinte die Fachfrau. Die Molke, die bei diesem Prozess anfällt, kann aus logistischen Gründen derzeit noch nicht weiterverwendet werden. "Sollte sich jedoch im näheren Umkreis eine Schönheitsfarm ansiedeln, wäre Bad Oed doch durchaus auch eine Alternative", meinte Lang Richtung Landrat Meier.

Den Test, bei "Erlebnisreisen Bayern" künftig ein Ziel zu sein, haben die Langs nach diesen Vorführungen bestanden. Dafür gibt es im Oktober die entsprechende Urkunde.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.landerlebnisreisen-bayern.de/
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