Blaskapelle Kirchenthumbach feiert 25-jähriges Bestehen
Sie sorgen für den "guten Ton"

Kultur
Kirchenthumbach
16.04.2015
19
0

Kaum ist das Kirchenjubiläum verklungen, wird in der Marktgemeinde an 70 Jahre Kriegsende erinnert - aber nicht nur. 2015 steht ein weiterer Jahrestag an: das 25-jährige Bestehen der Blaskapelle Kirchenthumbach. Doch schon lange vor ihrer Gründung spielten Ensembles zur Unterhaltung auf.

Bereits seit Generationen gehört die Blasmusik zur Marktgemeinde. Das beweisen Dokumente, die die Witwe von Theo Zeitlmann dem Autor zur Verfügung gestellt hat. Sie erlauben einen interessanten Blick in die Geschichte der Blasmusik im Ort.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts existierte eine "Kapelle Ignatz Zeitl- mann", wie ein Foto aus dem Jahr 1904 beweist. Alois, der Sohn von Ignatz, wurde 1932 Kapellmeister des Ensembles. Ein Foto aus dieser Zeit belegt, dass damals auch junge Kräften integriert wurden. Darunter waren zwei Brüder meiner Mutter, die leider 1942 und 1943 im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Die Blaskapelle Alois Zeitlmann hat bis in die 1950er Jahre hinein für den "guten Ton" in Kirchenthumbach gesorgt.

Nur sieben Jahre "Edelweiß"

1955 gründeten elf Musiker, die meisten waren Schüler von Schmied und Musiklehrer Alois Zeitlmann, die "Kapelle Edelweiß". Vorsitzender wurde Georg Sertl, Kassier Theo Zeitlmann, Schriftführer Ludwig Pöllath. Hans Reifenberger und Quirin Seemann waren Ausschussmitglieder. Die Pflege heimatlicher Volksmusik und die Förderung des Volkstanzes waren die Ziele des Ensembles, das im Juli 1956 mit einem Musikerfest im "Biemichl"-Garten (Gaststätte Eisend) sein einjähriges Bestehen feierte. 1957 ging die "Kapelle Edelweiß" sogar unter die Filmproduzenten, "Bei uns daheim" nannte sie den Acht-Millimeter-Stummfilm. Tagelang hatte der "Sertl-Girgl", einer der Musiker, den Kameramann durch den Ort begleitet, wobei lustige Episoden eingefangen wurden.

Bei den Aufführungen des Films im stets ausverkauften "Josefshaus" musste ich damals ohne Vorwarnung den Film kommentieren. Dieser war zwar kein großes Kunstwerk, bietet der jetzigen jüngeren Generation jedoch interessante Einblicke in das Geschehen Ende der 1950er Jahre.

Damals hatte die "Kapelle Edelweiß" viel Arbeit. Zu einzelnen Veranstaltungen mussten die Musiker oft noch mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß anreisen. Die Auftritte waren meist erfolgreich, auch wenn der Schriftführer einmal feststellte: "Leider war der Wirt nicht allzu freigiebig veranlagt, und so wurde der Abend nicht so gemütlich als es sonst immer war."

Als sich 1962 die "Kapelle Edelweiß" auflöste, kümmerte sich Hermann Albersdorfer um die verbliebenen Instrumentalisten, um wenigstens bei kirchlichen Anlässen weiterhin Musik zu haben. Dieses Provisorium hatte knapp zehn Jahre Bestand.

Junge Burschen steigen ein

1971 deutete sich ein erneuter Auf- schwung der Blasmusik in der Marktgemeinde an. Jürgen Böhme, Anton Böhm, Martin und Anton Fenzl, Nor- bert Wilterius und Heribert Zeitlmann, ausgebildet von der Knabenkapelle Auerbach, traten in die Kirchenthumbacher Blaskapelle ein. Die jungen Burschen wurden von den alten Musikkameraden Baptist Fröhlich, Ludwig Nußstein, Quirin Seemann, Hans Reifenberger und Georg Sertl intensivst in alle Bereiche der Blasmusik eingeführt.

Die öffentlichen Auftritte der sich im Aufbau befindlichen Kapelle beschränkten sich zunächst auf kirchliche Veranstaltungen wie Beerdigungen oder Fronleichnam. 1977 trat das Ensemble, mittlerweile auf 16 einheimische Musiker angewachsen, bei einem Sportfest erstmals groß an die Öffentlichkeit.

Vor allem zu Beginn der 1980er Jahre galt es dann, Schwierigkeiten finanzieller und organisatorischer Art zu überwinden: Trachten, Instrumente und Noten mussten oft aus eigener Tasche bezahlt werden, auch das ständige Suchen nach geeigneten Proberäumen machten es schwer, musikalisch Fortschritte zu erzielen. Die wachsende Kameradschaft glich aber manchen Misston aus.

Dass die Blaskapelle schließlich ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Kirchenthumbach wurde, ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Hermann Albersdorfer zu verdanken: Im Januar 1990 wurde der Verein "Blaskapelle Kirchenthumbach" gegründet, Albersdorfer wurde Vorsitzender und musikalischer Leiter. Jürgen Böhme als stellvertretender Vorsitzender, Franz Wittmann als Schriftführer und Anton Fenzl als Schatzmeister ergänzten die Führungsriege des neuen Vereins.

Vorbildliche Jugendarbeit

Als Hermann Albersdorfer in der Jahreshauptversammlung 1992 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Vorsitzender abgab, wurde Jürgen Böhme zu seinem Nachfolger gewählt. Dem neuen Vorstand eine glückliche Hand und für die Kapelle eine positive Entwicklung: Diese Wünsche gab Hermann Albersdorfer dabei mit auf den Weg - und sie sind vollauf in Erfüllung gegangen.

Die Blaskapelle mit ihrer vorbildlichen Nachwuchsarbeit genießt weit über die Grenzen des Ortes hinaus einen ausgezeichneten Ruf und ist durch viele Auftritte sogar in München - wie im Hofbräuhaus, auf dem Oktoberfest und im Englischen Garten - einem breiten Publikum bekannt. Mit einem "Thumbacher Musikfest" feiert das Ensemble zusammen mit illustren Gästen, die sicher einen unvergessenen Musikgenuss bieten werden, heuer sein Jubiläum.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.