Charles Schumann kehrt für Filmprojekt zurück in seine Heimat Kirchenthumbach
Szenen einer fremd gewordenen Welt

Charles Schumann kehrte für den Film "Charles Schumann - von Kirchenthumbach in die Welt" in seine alte Heimat zurück. Leicht fiel ihm diese besondere Reise in die Vergangenheit nicht. Bild: BR/Niv Abootalebi
Kultur
Kirchenthumbach
07.09.2016
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Charles Schumann ist der prominenteste Barkeeper Deutschlands, sein Buch "The American Bar" weltweit ein Klassiker der Cocktailliteratur. Das "Schumann's" rangiert seit Jahren unter den Top 50 Bars der Welt. Bild: obs/Campari Deutschland

Wenn eine öffentliche Person, die von ihrer Prominenz lebt und als Werbemodel schon hauswandhoch von Plakaten lächelte, sich ziert, für einen Film in eigener Sache vor die Kamera zu gehen, vermutet man zunächst einmal Koketterie. Bei Schauspieler Charles Schumann hat es auch andere Gründe.

München. "Ich wollte nie einen Film über mein Leben machen, weil da alle Lügen eines Lebens ans Tageslicht kommen", sagt Charles Schumann, Münchener Barkeeper und Mann von Welt. Ja doch, das ist schon auch kokett. Denn wen würde eine 45-Minuten-Hommage nicht schmeicheln. Aber der laute, umtriebige und redelustige Schumann hat eben auch eine scheue und introvertierte Seite. Vor allem wenn es um seine Kindheit in der Oberpfalz geht.

"Charles Schumann - von Kirchenthumbach in die Welt" heißt der Film der Autorin Marieke Schroeder, den das Bayerische Fernsehen am 19. September um 20.15 Uhr ausstrahlt. Und an Kirchenthumbach wäre das Projekt fast gescheitert. Nicht an der 3000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Neustadt/WN, sondern am Widerwillen des berühmten, bald 75-jährigen Sohnes, dorthin zu fahren. Der Film sollte die Stationen von Schumanns Leben als Priesteranwärter in Regensburg, Polizistenschüler in Deggendorf, Personenschützer Konrad Adenauers und natürlich Barmann in aller Welt an den Originalschauplätzen nachzeichnen, doch mit keinem anderen hatte Schumann mehr Probleme als mit seinem Heimatort. "Am schwierigsten war es, mich zu überreden, nach Hause zu fahren", bekennt Schumann vor der Preview des Films in einem Nebenraum seines Schumann's am Münchener Odeonsplatz. Seit Jahrzehnten sei er nicht dort gewesen, wo seine Eltern einen Lebensmittelladen hatten und sein Bruder Wolfgang heute noch lebt. Nur einen Tag hat er sich Zeit genommen - vormittags und abends wieder zurück. "Es ist dann doch ordentlich geworden", zeigt sich Schumann nun erleichtert und fast ein bisschen wehmütig. "Ich hätte länger bleiben sollen." Regisseurin Schroeder vermutet hinter diesem Zwiespalt ein Kindheitstrauma. Mit neun Jahren wurde Charles, der damals noch Karl Georg hieß, ins Internat geschickt, weg von daheim.

Reise in die Vergangenheit


Schumann also wagt die Reise in die eigene Vergangenheit. Und der Fernsehzuschauer bekommt sie dank der Mithilfe des Heimatvereins Kirchenthumbach mit schwarz-weißen Filmschnipseln aus dem Jahr 1957 vor Augen geführt. Schroeder zeigt Schumann andächtig im Bergkircherl, in dessen Schatten er nach dem Willen seiner Eltern ein Haus für sich hätte bauen sollen. Und im Gespräch mit dem Bruder, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, nur faltiger und nicht so weltläufig.

Unsicher und tastend erkundet Schumann diese vertraute, aber fremd gewordene Welt. Welch ein Kontrast zu seinem selbstsicheren und charismatischen Auftreten auf den Trottoirs und Laufstegen und hinter den Tresen dieser Welt. Marieke Schroeder hat all das bewegend komponiert und das Bild eines Mannes gezeichnet, der die Welt erobert hat, doch tief drinnen wohl den verlorenen Wurzeln nachtrauert.

Interview mit Charles SchumannWaren Sie bei den Dreharbeiten überrascht, wo Sie schon überall waren in Ihrem Leben?

Charles Schumann: Nein, ich bin ja ein Europäer, da war ich schon fast überall. Und das Neue jetzt mit Japan, das ist in diesem Film noch gar nicht drin.

Sind Sie ein Vagabund?

Ich bin kein Vagabund, ich bin ein Unruhemann. Als Vagabund hätte ich es nicht 30 Jahre in München aushalten können.

Was hat es so schwer gemacht, für den Film in die Heimat nach Kirchenthumbach zu fahren?

Weil ich schon so lange weg bin. Ich fand es einfach blöd, dort auf einmal mit einem Filmteam aufzutauchen. Das wirkt so, als käme da der berühmte Sohn, nur um zu filmen. Da hatte ich anfangs einfach Bedenken.

Warum haben Sie so lange nicht den Weg zurück in die Heimat gefunden?

Aus verschiedenen Gründen. Ich war ständig unterwegs und ich war auch nicht neugierig.

Wie wichtig sind die Oberpfälzer Wurzeln für Ihr Leben?

Überhaupt nicht. Heimat in dem Sinne habe ich nicht. Wenn ich für das Schumann's in München eine Nachfolgelösung hätte, dann würde ich wohl ein halbes Jahr da und ein halbes Jahr dort leben.

Sind Sie in Ihrem bewegten Leben manchmal an einer Kreuzung gestanden und haben die falsche Abzweigung genommen?

Das passiert in einem Leben immer wieder. Aber wenn ich es genau überlege: Es gab in meinem Leben nicht so viele Möglichkeiten, etwas anders zu machen.

Warum ist es denn mit dem Priester nichts geworden?

Jetzt könnte ich es vielleicht machen, aber damals war ich am bischöflichen Seminar sehr, sehr unglücklich.

Aber heute sind Sie doch so etwas wie ein Priester: Sie missionieren, sind an der Bar Seelsorger und Gesprächstherapeut ...

Ach was. Ich denke mir, eigentlich ich bin nicht der Mann, der Leute belehren sollte. Lieber weniger sagen und ein Leben vorleben. Das halte ich für viel wichtiger. (jum)
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