Zum 75. Geburtstag des "Schumanns"-Wirt
Wie der Karl zum Charles wurde

Gar manche Stunden unternahmen die Gebrüder Schuhmann Kutschenfahrten (von rechts): Karl und Wolfgang bei einer Tour mit ihrer treuen "Fanny" an der Deichsel in der Nähe des Rußweihers. Bild: gpa
Kultur
Kirchenthumbach
14.09.2016
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Charles Schumann, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Bild: dpa

Priesteranwärter, Polizeischüler, Personenschützer "Baldessarini"-Model und Münchens berühmtester Barmann: Am 15. September 1941 kam Charles Schumann in Kirchenthumbach als Karl Georg Schuhmann zur Welt. Zu seinem 75. Geburtstag erinnert sich sein Schwager an Schumanns Jugendtage.

Wenn am 19. September um 20.15 Uhr das Bayerische Fernsehen den Film "Von Kirchenthumbach in die Welt" zeigt, interessiert mich besonders der Hauptdarsteller. Um Zweifel zu beseitigen: Es freut mich, dass damit Charles, jüngerer Bruder meiner Frau Hildegard, geehrt wird. Seit der "Neue Tag" am 7. September auf seiner Kulturseite ein Vorbericht zu dem Film veröffentlichte, habe ich aber Zweifel an der Objektivität dieses Streifens.

Bekannt seit der Kindheit


Denn den Karl, wie er eigentlich ja heißt, kenne ich seit seiner Kindheit. Gern hätte ich ihn und seinen Bruder Wolfgang in meiner Jugendgruppe gehabt. Aber sie und einige Freunde waren eine Clique, die frei sein wollte. Ein alter Keller am Weg zur Bergkirche diente ihnen als romantischer Treff. Beide wuchsen mit vier Schwestern bei Vater Wolfgang und Mutter Klara in der Auerbacher Straße auf.

Während die Töchter Berufe erlernten und Sohn Wolfgang mit seinem Vater einen Aussiedlerhof betrieb, durfte Karl studieren. Mutter Klara hätte es gern gesehen, wenn er wie sein Onkel Josef, der Pfarrer in Konnersreuth war, Priester geworden wäre. Doch für den Freiheitsliebenden war der Aufenthalt im Bischöflichen Knabenseminar Regensburg nach nur einem Jahr Vergangenheit.

Stattdessen besuchte Karl dann in Weiden die Realschule, es folgte der Bundesgrenzschutz in Bonn, wo Karl Dienst im Wachbataillon der ehemaligen Bundeshauptstadt leistete. In Bonn lernte er in Abendkursen Sprachen, wegen seiner guten Französisch-Kenntnisse war er Dolmetscher für die ersten Soldaten der Bundeswehr, die in Frankreich mit französischen Kameraden Manöver hielten.

Erfolgreich bewarb sich Karl Schuhmann beim Auswärtigen Amt, die Botschaft in Schweden war sein erster Arbeitsplatz. Bald war er bei seinen Kollegen als "Hobby-Koch" beliebt, bekam bei seinem Abschied einen Satz teurerer Kochtöpfe. Bei seinen Besuchen in der Heimat "bekochte" Karl mit Liebe die Familie. Alle waren ihm immer sehr dankbar, nur Mutter Klara war oft sauer. "Wenn ich so viele Töpfe, Schüsseln und Teller brauchen würde, müsste ich mir eine Küchenhilfe zulegen" stöhnte sie, freute sich aber trotzdem über die Kochkünste ihres Karls.

Die Gastronomie machte Karl Schuhmann schließlich zu seinem Beruf. Jahrelang hatte er dafür in Frankreich Erfahrungen gesammelt, von dort brachte er auch den "Charles" mit. Den Namen hat er behalten. Nach verschiedenen Stationen wurde München Heimat und Arbeitsplatz. In der Maximiliansstraße entstand sein "Schumanns", dort serviert Charles seinen Gästen vor allem selbst entwickelte Cocktails. Jetzt ist das "Schumanns" am Odeonsplatz beheimatet. Es gilt als "Münchens bestes seiner Art".

Dass Karl seine Heimat nichts mehr bedeuten und er seit "Jahrzehnten" nicht mehr da war, wie im Interview zum BR-Porträt behauptet wird, finde ich übertrieben. Karl ist ein Familienmensch, telefoniert häufig mit dem Bruder und war nach den Dreharbeiten zum Fernsehfilm mit dem Team zur Brotzeit auf dem Hof des Bruders.

Als Wolfgang in einer Münchner Klinik lag, kümmerte sich Karl um ihn. Seine jüngste Schwester erinnert sich noch an eine schwarze Puppe, ein Weihnachtsgeschenk von Karl und die älteste Schwester hält eine Butterdose in Ehren, die ebenfalls ein Weihnachtsgeschenk ihres Bruders Karl war.

Geld für SC und Bergkirche


Wenn sich Karl in der Heimat rarer macht, hat das mit seiner Terminnot zu tun. Vergangene Woche war er noch in Japan und schließlich hat Karl sein "Schumanns". Wieso soll er nichts mit der Heimat zu tun haben, wenn er sich bei Kirchenthumbachern, die ihn besuchen, nach Neuigkeiten erkundigt? Warum hat er dem SC für die neue Sportarena eine größere Summe geschenkt? Warum spendierte er für die neuen Glocken der Bergkirche 1000 Euro, wenn ihm die Heimat nichts bedeutet?

Es wäre nicht das erste Mal, dass jemanden Aussagen untergeschoben werden, die er so nicht gemacht hat. Egal, was stimmt: Lieber Charles, herzliche Glückwünsche zum Geburtstag und weiterhin beste Gesundheit und viel Erfolg mit Deinem "Schumanns".

TV-TippCharles Schumann - Von Kirchenthumbach in die Welt": Filmautorin Marieke Schroeder begleitete Charles Schumann auf einer Reise zu verschiedenen Stationen seines Lebens. Auf dem Weg begegnete er prominenten und weniger prominenten Freunden und Gästen. Das Bayerische Fernesehen zeigt den Film am Montag, 19. September, um 20.15 Uhr.
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