24 "Pflaster" fürs Abwassersystem

Lokales
Kirchenthumbach
06.02.2015
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Es wird nicht nur eine Mammutaufgabe für die Marktgemeinde werden, sondern auch viel Geld kosten: Bei der Kläranlage ist dringender Handlungsbedarf gegeben.

"Wir haben einen Fremdwasser-Einfluss, der derzeit bei über 85 Prozent liegt", informiert Bürgermeister Jürgen Kürzinger. "Normal" sei eine Quote von 40 bis 50 Prozent. Das Fremdwasser strömt von außen ins Leitungsnetz - vor allem Regenwasser und Wasser, von versiegelten Flächen. Ein zu hoher Fremdwasseranteil verhindere, dass die Kläranlage ordnungsgemäß arbeite, da in zu hohem Maße de facto sauberes Wasser ankomme, erläutert der Gemeindechef.

"Letztendlich hat man das ganze Abwassersystem in den vergangenen Jahren verfallen lassen; es ist zu selten etwas gemacht worden", meint Kürzinger. Mittlerweile habe ein Ingenieurbüro die von ihm in Auftrag gegebene Überprüfung des Abwassernetzes vorgenommen - mit einem ernüchternden Ergebnis: An insgesamt 24 Stellen müssen dringend Reparaturen erfolgen, die es dann ermöglichen sollen, den Fremdwasser-Einfluss auf 45 Prozent zu drücken.

"Wird nicht billig werden"

"Das wird mindestens die Jahre 2015 und 2016 in Anspruch nehmen", sagt Kürzinger. Und dann müsse man sehen, ob die 35 Jahre alte Kläranlage so laufe wie gewünscht oder ob gar ein Neubau angedacht werden müsse. Auf mögliche Kosten will sich der Bürgermeister nicht festlegen. "Aber es wird sicher nicht billig."

Das Thema Abwasserentsorgung - und auch Wasserversorgung - beschäftigt die Kommune aber derzeit auch auf andere Weise: Der Marktgemeinderat hat sowohl die Abwasser- wie Wassergebühren zum Jahresbeginn erhöhen müssen. "Neue Kalkulationen waren überfällig", erklärt Kämmerer Michael Eisner.

Die Berechnung der Gebühren sei keine "Zauberei" und nicht willkürlich, sondern richte sich nach dem Kommunalen Abgabengesetz, betont er. Faktoren für die Kalkulation seien Betriebskosten, kalkulatorische Kosten sowie innere Verrechnung des Bauhofes. Entsprechend sei es auch beim Abwasserpreis zu den Beträgen gekommen, die der Marktgemeinderat beschlossen habe.

Für die Entwässerungseinrichtung I (Kirchenthumbach/Burggrub) bedeutete dies eine Steigerung um zehn Cent auf 3,33 Euro pro Kubikmeter und im Bereich der Einrichtung II (Altzirkendorf/Neuzirkendorf/Thurndorf) um 67 Cent auf 3,64 Euro. Dass Preissteigerungen niemals erfreulich sind, weiß auch der Kämmerer. Dennoch sei er kein Freund "politischer Preise", also von Gebühren, die unterhalb der eigentlich kalkulierten Preise liegen.

"Eine politisch gewollte Unterdeckung darf auch in den Folgejahren nicht über diesen Preis gedeckt werden", merkt er an. Für die in den Jahren 2013 und 2014 aufgetretene Unterdeckung von rund 30 000 Euro bei der Entwässerungseinrichtung II (Altzirkendorf/Neuzirkendorf/Thurndorf) bedeute das: "Die Kosten müssen über den allgemeinen Haushalt aufgefangen werden."

Noch unter Johann Kleber

Akuten Handlungsbedarf hat Eisner - seit 1. Juni 2014 im Amt - auch bei den Wassergebühren vorgefunden. "Die letzte Kalkulation stammt aus dem Jahr 2001", berichtet er. Diese sei noch zu Zeiten des ehemaligen Bürgermeisters Johann Kleber vorgenommen worden, ergänzt Bürgermeister Jürgen Kürzinger.

Mehrmals habe das Landratsamt als Dienstaufsichtsbehörde in der Vergangenheit darauf gedrungen, eine Neukalkulation in Angriff zu nehmen - es habe bei den damals dafür Verantwortlichen im Kirchenthumbacher Rathaus aber offenbar kein Gehör gefunden. "Beim Thema Wasser lässt sich Vieles seit 2001 nicht mehr nachvollziehen", sagt der Kämmerer nach dem Studium der vorhandenen Unterlagen.
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