Blasmusik als "Exportschlager"

Mit einer jungen Mannschaft steuerte 1990 die Blaskapelle in die Zukunft: (stehend von links) Christian Kausler, Franz Wittmann, Stefan Fraunhofer, Manfred Schieder, Thomas Hecht, Norbert Wilterius, Anton Böhm, Bernhard Wilterius, Richard Zeitler, Georg Schiener, Ludwig Albersdorfer, Hermann Schiener (sitzend von links) Anton Fenzl, Jürgen Böhme, Hermann Albersdorfer und Kreisvorsitzender Karl Wildenauer. Bild: ü
Lokales
Kirchenthumbach
01.06.2015
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Mit einem Programm der Extraklasse, das der Markt in dieser Form noch nie erlebt hat, feiert die Blaskapelle vom 4. bis 7. Juni 25-jähriges Bestehen. Doch Blasmusik gibt es in Kirchenthumbach schon seit Jahrhunderten.

36 Personen haben am 12. Januar 1990 im Gasthaus Thumbeck den Verein "Blaskapelle Kirchenthumbach" in der jetzigen Form ins Leben gerufen. Der Eintrag ins Vereinsregister hatte vielfältige Gründe. Die Kapelle hatte vor allem zu Beginn der 1980er Jahre immer wieder mit finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Nachwuchsmusiker mussten Instrumente, Trachten und Noten oft aus der eigenen Tasche bezahlen. Die ständige Suche nach Proberäumen und personelle Engpässe erschwerten musikalische Fortschritte. Die wachsende Kameradschaft der Musiker glich aber so manchen Misston aus.

Bis ins 18. Jahrhundert

Die Geschichte der Kirchenthumbacher Blasmusik lässt sich mangels Unterlagen nicht lückenlos dokumentieren. In wenigen Familien gibt es überlieferte Aufzeichnungen und Instrumente, die bis ins 18. Jahrhundert zurückdatieren. Bei der Weihe der Bergkirche am 21. Oktober 1760 schrieb Paulinus Fröhlich unter anderem: "...feierliches Glockengeläute lud die Gläubigen zur feierlichen Prozession, hinauf auf den Berg ein. Das Schmettern der Trompeten - die Musiker verzechten dafür 30 Gulden - mischte sich unter den frohen Gesängen der Kinder und das andächtige Beten der Gläubigen..."

Nachweisbar ist zudem, dass die Kirchenthumbacher Musikanten stets überregional bekannt waren und bei kirchlichen sowie weltlichen Veranstaltungen aufspielten, wobei vor allem Kirchweihen hoch im Kurs standen. Aus dem Jahr 1932 existiert ein Foto der Kapelle Zeitlmann. Diese Familie hat in Kirchenthumbach Musikgeschichte geschrieben.

Am 20. Juli 1955 erfolgte die Gründung der Edelweiß-Kapelle. Sie bestand aus elf Mitgliedern. Vorsitzender war Georg Sertl, Kassier Theo Zeitlmann und Schriftführer Ludwig Pöllath. Ausschussmitglieder waren Hans Reifenberger und Quirin Seemann. Schon ein Jahr später fand im Garten der Gastwirtschaft Eisend zum ersten Mal ein Musikerfest statt. In den folgenden Jahren gab es für die Kapelle Aufträge in Hülle und Fülle, wobei die Musiker zu den Veranstaltungen oft mit dem Fahrrad anreisten oder zu Fuß gingen.

Provisorium für eine Dekade

1962 löste sich die Edelweiß-Kapelle auf. Hermann Albersdorfer nahm sich der verbliebenen Musiker an, um wenigstens bei kirchlichen Anlässen spielen zu können. Dieses Provisorium überstand fast zehn Jahre. 1971 deutete sich erneut ein Aufschwung an: Jürgen Böhme, Heribert Zeitmann und Martin Fenzl traten, ausgebildet von Knabenkapelle Auerbach, in die Blaskapelle ein. Es folgten Norbert Wilterius, ein Jahr später Anton Böhm und dann Anton Fenzl. Baptist Fröhlich, Georg Sertl, Ludwig Nußstein, Hans Reifenberger und Quirin Seemann führten die jungen Burschen in alle Bereiche der Blasmusik ein.

Bis August 1977 wuchs die Kapelle auf 16 einheimische Musiker an. Es folgte der erste Aufritt beim Sportfest. Durch das überaus positive Echo wurde man in der Absicht bestärkt, Trachten anzuschaffen. Bei der Auswahl half der damalige Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Johann Eichenseer. 341 Euro zahlte jeder Musiker aus seiner eigenen Tasche. In dieser Zeit wurden unter Hermann Albersdorfer zwei Flügelhörner, ein Becken, eine Marschtrommel und eine Tuba angeschafft. Mit dem Erlös aus dem Musikerfest 1981 wurde auf Initiative von Anton Fenzl und Norbert Wilterius die erste Verstärkeranlage gekauft.

Heute ist die Blaskapelle Kirchenthumbach mit Kapellmeister Jürgen Böhme in der Region eine feste Größe. Regelmäßige Auftritte im Englischen Garten in München vor meistens 7000 Menschen kommen nicht von ungefähr. Um den Fortbestand der Kapelle zu sichern, werden seit Jahren junge Menschen von eigenen Leuten ausgebildet. Zwischen 40 bis 50 Jungen und Mädchen stehen ständig in Ausbildung. Daraus hervorgegangen ist eine Jugendblaskapelle.
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