Brotschieber an den Nagel

Eines der letzten Male in der Backstube. Ab dem 1. November schließt die Traditionsbäckerei von Ludwig Pesch am Marktplatz für immer. Bild: ue
Lokales
Kirchenthumbach
29.10.2015
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Zum letzten Mal wird Ludwig Pesch am Samstag Brot und Semmeln in den Ofen schieben. Die Kirchenthumbacher müssen dann auf seine Backwaren verzichten. Die Traditionsbäckerei am Marktplatz bleibt ab 1. November für immer geschlossen.

Zu dem Schritt entschlossen sich Maria und Ludwig Pesch aus verschiedenen Gründen. Einer davon sei, dass Bäckereien in dieser Größe unrentabel geworden und zum Sterben verurteilt seien, betonen die Inhaber. Außerdem hat Ludwig Pesch das Ruhestandsalter erreicht. Das Ende zeichnete sich bereits vor drei Jahren ab. Seit dieser Zeit backt Pesch nur mehr freitags und samstags. Auch der Laden war nur noch an diesen beiden Tagen geöffnet. Leichter mache die Entscheidung nun, dass vor kurzem Teile der Kühlanlage "ihren Geist aufgegeben" haben.

Nach Stand der Dinge werde keine Filiale oder Großbäckerei einziehen. In der Blütezeit der Bäckerei beschäftigte die Familie Pesch in der Backstube, im Laden, in den Filialen und im Lieferdienst bis zu 35 Mitarbeiter. Zahlreiche junge Kirchenthumbacher erlernten beim "Beckadama", so der Hausname, das Bäcker- und Konditorhandwerk oder den Beruf der Verkäuferin. Seit wann es die Bäckerei Pesch gibt, ist nicht exakt nachweisbar.

Beim Kirchenthumbacher Brand anno 1871 sind viele Unterlagen vernichtet worden. Eines steht allerdings fest: In diesem Haus haben mehrere Generationen über 200 Jahre hinweg Brot gebacken, Lebensmittel verkauft, Bier ausgeschenkt und eine Landwirtschaft betrieben. Ein Bauplan aus dem Jahr 1875 bezeugt den Bau einer neuen Backstube sowie den Einbau eines neuen Backofens. Es ist davon auszugehen, dass die Baumaßnahmen wegen der Brandschäden notwendig wurden. In diesem Plan ersichtlich ist auch eine Gaststube, in der Kommunbier ausgeschenkt wurde.

Im Jahr 1902 errichtete der Bruder des damaligen Bäckermeisters, Hans Pesch, eine Brauerei in der Auerbacher Straße, die unter dem Namen Pesch Bräu firmierte. Nach dem Tod von Hans Pesch übernahm 1937 Karl Heber die Brauerei, der bis 1962 Gerstensaft herstellte. Diese Brauerei, die dann 41 Jahre still stand, wurde von Franz Sporer mit viel Aufwand und neuer Technik wieder in Betrieb genommen. Seit 2003 wird in diesem Haus das "Krawandorfer Bier" gebraut.

Die Schotten dicht gemacht hat auch das Musiklokal "Quetsch'n" am Marktplatz. Wie zu erfahren war, soll der Gastronomiebetrieb nicht mehr weiter geführt werden. Die Immobilie steht zum Verkauf.
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