Burschen beleben Brauch

Die jungen Männer, die am kommenden Sonntag den Burschenverein wieder begründen. Bild: ü
Lokales
Kirchenthumbach
30.07.2015
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Der Burschenverein im Jahre 1947 vor der alten Pfarrkirche. Repro: Fürk

In Rom wird der Fußballclub AS Rom gegründet, in Fürth das Versandhaus Quelle. Charles Lindbergh fliegt nonstop von New York nach Paris. Es ist 1927. Auch in Kirchenthumbach ist das ein besonderes Jahr.

(ü) Denn zu dieser Zeit wird auch der Katholische Burschenverein ins Leben gerufen. 23 Jahre lang war die Vereinigung aktiv, ehe sie 1959 aufgelöst und in die Kolpingsfamilie übergeführt wurde. Jetzt, 66 Jahre später, wird dem neues Leben eingehaucht: Am Sonntag, 2. August, wird der Katholische Burschenverein (KBV) wiedergegründet. Aus diesem Anlass hat Historiker Pater Dr. Benedikt Röder eine Festschrift verfasst und sich darin intensiv mit der Geschichte des Burschenvereins befasst.

Theateraufführungen

Danach geht der Beginn der Burschenvereine zurück ins 19. Jahrhundert, als sich männliche Jugendliche zu Gemeinschaften zusammenschlossen, um das Ortsleben zu gestalten. Die Ortsgeistlichen versuchten, Einfluss auf diese Entwicklung zu nehmen, und brachten die Vereinsidee auf. Sie wollten so schulentlassene junge Männer bis zum Heiratsalter erreichen. Im Gründungsjahr wuchs der KBV Kirchenthumbach auf 25 Mitglieder an. Erster Vorsitzender war Karl Lautner, Präses Kaplan Max Iberl. Im gleichen Jahr war auch die Fahnenweihe, bei der Marie Dobmann als Fahnenbraut, Gretl Prüschenk und Marie Braun als Begleiterinnen auftraten. Die Fahnenabordnung des Vereins trug Schärpen mit den Verbandsfarben grün-weiß-rot und grüne Baretts mit weißen Federn. Als Patenverein trat der Burschenverein "Concordia" in Vilseck auf.

Am 1. Januar 1930 zählten bereits 61 Mitglieder zum KBV. Daneben gab es in Kirchenthumbach noch den "Katholischen Männerverein", den es seit 1903 gab und Theaterstücke aufführte. Auf der Generalversammlung am 2. Dezember 1928 beschlossen die Mitglieder: "Die Vereinsbühne wird dem Katholischen Burschenverein Kirchenthumbach übergeben." Demnach widmete sich der KBV auch dem Theaterspiel und prägte das kulturelle Leben in der Pfarrei. Fotografien zeigen, dass bereits im Gründungsjahr 1927 das Stück "Räuber auf Maria Kulm" im Saal des Gasthauses "Zur Post" aufgeführt wurde. Im folgenden Jahr spielte der Burschenverein "Henkerssohn und Zigeunerkind".

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Leben des Katholischen Burschenvereins immer schwieriger. So verhängte die Regierung ein Versammlungsverbot für katholische Vereine. Präses Johann Gruber stellte beim Bezirksamt Eschenbach den Antrag, wieder eine Monatsversammlung abhalten zu dürfen. Die Behörden genehmigten das auch. Was die Verbindung allgemein zum Nationalsozialismus betraf, hatte die Verbandsleitung schon 1928 erklärt: "Wir lehnen den Nationalsozialismus ab aus religiösen, wirtschaftlichen und staatsbürgerlichen Gründen. Ein Burschenvereinsmitglied kann nicht gleichzeitig Nationalsozialist sein." Dass die Vereinsfahne des KBV die NS-Zeit überstanden hat, ist Franz Fritzl zu verdanken, der sie in einem Strohhaufen des Pfarrstadels versteckt hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Burschenverein reaktiviert und führte bald wieder ein Theaterstück auf. Hans Schecklmann kann sich an die fünf Stücke "Einer muss heiraten", "Die Ratsmädels", "Courage Wasser", "Beim Kreuzl im Tannengrund" und "Quasi-modo, der Glöckner von Notre Dame" erinnern. Erster Vorstand nach der Wiederbelebung des Vereins war Josef Rodler, auf ihn folgte Johannes Schreglmann. Um das Jahr 1950 wurde der KBV Kirchenthumbach unter Pfarrer Bollmann aufgelöst und in den im März 1950 gegründeten Kolpingverein übergeführt.

Verbindung zum Fußball

Zum Fußball ist der Katholische Burschenverein eng verbunden: Seit 1920 gab es den Katholischen Sportverband "Deutsche Jugendkraft" (DJK), der dem Zweck diente: "Pflege der Leibesübungen in katholischem Sinn, das heißt nach den Grundsätzen der katholischen Glaubens- und Sittenlehre." Eine DJK-Abteilung konnte nur gebildet werden, wenn sie als Unterabteilung eines Katholischen Vereins existierte. Die DJK Kirchenthumbach könnte also als Abteilung des Katholischen Burschenvereins und als Vorläufer des heutigen Sportclub Kirchenthumbach bezeichnet werden.
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