Die Weltkirche zu Besuch

"Seelen suchen und Dir allein dienen", lautete der Primizspruch von Pater Stanislaus Loh. Zweisprachig erinnert das Motto auf dem Primizbild an die Priesterweihe in München und das erste heilige Messopfer in Kirchenthumbach.
Lokales
Kirchenthumbach
24.08.2015
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Es war ein Ereignis, wie es die Pfarrei Kirchenthumbach noch nie erlebt hatte und sicher nie mehr erleben wird: die Primiz von gleich drei jungen Männern. Die Neupriester waren allerdings keine Einheimischen, sondern kamen von weit her - von der Insel Macao, gelegen im südchinesischen Meer.

In diesem Monat sind es genau 55 Jahre, dass die Pfarrei dieses einmalige Fest begehen durfte. Die Drei waren in München beim Eucharistischen Weltkongress am 4. August 1960 zu Priestern geweiht worden und feierten fünf Tage später in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ihre Primiz.

Der Tag ist mir noch gut in Erinnerung: Unter Glockengeläut und Orgelspiel waren die Neupriester - begleitet von Geistlichem Rat Pfarrer Josef Bollmann, Pater Johannes Rauh und Kaplan Richard Hornauer - zur gemeinsamen Feier ihres ersten heiligen Messopfers in die Pfarrkirche eingezogen. Beim Eucharistischen Weltkongress in München waren sie mit Kandidaten aus vielen Ländern der Erde bei einem Festgottesdienst auf der Theresienwiese zu Priestern geweiht worden.

Die Kirchenthumbacher Primizianten hatten die Schule der Salesianer Don Boscos auf der Insel Macao besucht, die damals unter portugiesischer Herrschaft stand. Einer ihrer Lehrer war Pater Johannes Rauh. In Haselmühle bei Kirchenthumbach geboren, trat er in den Salesianer-Orden ein und ging in die Mission. Durch ihn entstand der Kontakt zu den Neupriestern, denen Pfarrer Bollmann spontan anbot, gemeinsam ihre Primiz in Kirchenthumbach zu feiern.

Päpstlicher Legat

Zum Eucharistischen Weltkongress in München, der ersten Großveranstaltung der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, waren mehr als eine Million Gäste erwartet worden, darunter viele Bischöfe und Kardinäle. Der ranghöchste Würdenträger war Kurienkardinal Gustavo Testa, der von Papst Johannes XXIII. als päpstlicher Legat entsandt worden war.

In die Planungen für den Kongress einbezogen worden war das Kolpingwerk Bayern, das ehrenamtliche Helfer stellen sollte. Zusammen mit weiteren Mitgliedern der Kirchenthumbacher Kolpingfamilie hatte auch ich mich dazu bereiterklärt. Wegen der überraschend vielen Meldungen kamen wir aber nicht zum Einsatz. Ein Trostpflaster für uns waren die Freiplätze in einem der großen Zelte, die auf dem Oberwiesenfeld, dem späteren Olympia-Gelände, für Jugendliche aufgebaut worden waren.

Der Weltkongress unter dem Motto "Pro Mundi Vita - Für das Leben der Welt" begann mit einer Festmesse, die der Münchner Erzbischof Kardinal Josef Wendel gemeinsam mit vielen Bischöfen auf dem Odeonsplatz zelebrierte. Etwa 80 000 Gläubige nahmen daran teil. Neu war für mich damals, dass die Priester nicht mit dem Rücken, sondern mit dem Gesicht zum Volk gewandt, am Altar standen. Ungewohnt war auch, dass das Evangelium nicht - wie bisher üblich - in Latein, sondern in deutscher Sprache vorgetragen wurde.

Neben dem Besuch von Gottesdiensten war es uns auch möglich, die Stadt zu erkunden. Die Frauenkirche mit der Bischofsgruft und die Bürgersaalkirche mit dem Grab von Pater Rupert Mayer, ein Besuch im "Donisl" und das Hofbräuhaus waren Stationen unserer Tour. "Der Hammer" war die Besteigung der riesigen "Bavaria" an der Theresienwiese: Über eine Wendeltreppe gelangten wir in den Kopf der Figur und hatten von dort aus einen tollen Ausblick nicht nur auf die Theresienwiese, sondern auch auf ganz München.

Autogramme im Ausweis

Höhepunkt des Weltkongresses war der Schlussgottesdienst mit Zehntausenden von Gläubigen, die sich um die Altarinsel auf der Theresienwiese versammelt hatten. Noch einmal waren Bischöfe aus aller Welt dabei, und zum ersten Mal sah ich einen "schwarzen" Bischof. Am Ende der Messfeier gab er - als "Liebling" der Gottesdienstbesucher - geduldig zahlreiche Autogramme.

Auch in meinem Kolpingausweis sammelte ich Unterschriften: von südamerikanischen Bischöfen, einem asiatischen Würdenträger, einem Bischof aus dem Basutoland und des Erzbischofs des damaligen Nord-Rhodesiens. Sie sind Erinnerungen an schöne Tage, die für uns Kirchenthumbacher erst mit der Primiz von drei der in München geweihten Neupriester endgültig zu Ende gingen.
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