Dora-Modell im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr
Hitlers Hirngespinst

Dora hinter Glas: Das Bahn-Geschütz ist eine der Attraktionen im Grafenwöhrer Museum. Bild: ü
Lokales
Kirchenthumbach
09.04.2015
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Das Modell eines Monsters gibt es im Militärmuseum in Grafenwöhr zu sehen. Die Dora sollte für Hitler den schon verlorenen Krieg noch wenden. Diese Wahnträume fanden aber vor 70 Jahren nahe Kirchenthumbach ihr Ende.

Der Stellungswechsel ist vollzogen. Mit der Dora steht nun die größte Kanone, die je eine Waffenschmiede verlassen hat, im 1. Oberpfälzer Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr. Die Firma Seemann, Metalltechnik aus Kirchenthumbach, vertreten durch Gerhard Seemann hat das Modell im Maßstab 1:35 dem Militärmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Den Verantwortlichen des Museums ist es gelungen, das Hirngespinst Hitlers professionell in Szene zu setzen. Das rund zwei Meter lange Geschütz sitzt auf einem 1,5 Tonnen schweren original Stahlteil der Dora. Dieses Eisenteil stammt aus dem Rohr der Waffe, die deutsche Soldaten kurz vor Kriegsende vor 70 Jahren bei Metzenhof sprengten, um sie nicht den Amerikanern zu überlassen.

Der Feinmechaniker Seemann hat sich das Modell aus Amerika besorgt. Aus tausenden Einzelteilen setzte er "Dora Super Heavy Railway Gun" in mehr als dreimonatiger Arbeit zusammen. Auf die Idee gebracht habe ihn der Kulturkreis. Die Dora sei ein Teil der Heimatgeschichte.Er sei kein Waffennarr. Als Metaller fasziniert ihn die Technik und die Leistung, die Krupp-Chefkonstrukteur Dr. Ernst Müller vollbracht habe. Sein Modell hat eine Länge von knapp zwei Metern. Davor hat Seemann einen maßstabgetreuen Tiger-II-Panzer der Wehrmacht platziert, der geradezu winzig wirkt.

Zuletzt stand das Original in einem Wald bei Kirchenthumbach, die amerikanischen Aufklärer hatten längst Wind bekommen. Etwa 40 Wehrmachts-Angehörige bewachten die Dora Tag und Nacht. Am 19. April hatten die Amis Eschenbach und Stegenthumbach bereits eingenommen. Auf Hilters Befehl rückte ein Sprengkommando an. Zeitzeugen berichten, dass es um 13.30 Uhr "mächtig gescheppert" hatte. Die zum Teil zentnerschweren Eisenteile flogen bis zu drei Kilometer weit durch die Luft, der Wald um den Hammerweiher habe lichterloh gebrannt. Nur wenig später waren die Amerikaner vor Ort. Acht Tage habe das Sprenggebiet gebrannt, erinnern sich ältere Metzenhofer.

Erst Jahre später zerlegte ein Demontagetrupp aus Dillingen mit riesigen Schweißbrennern und Sauerstofflanzen die Reste. Damit der Zugverkehr von Pressath nach Kirchenthumbach wieder aufgenommen werden konnte, hatte die Bahn zuvor einen zweiten Schienenstrang um die Dora gelegt.
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