Eigener Grund und Boden das Ziel

Auf Erbpachtbasis stellte Pfarrer Josef Bollmann Baugrundstücke im Gebiet "Kreuzleite" (vorne) zur Verfügung. Insgesamt 20 Zweifamilienhäuser entstanden dort nach und nach. Im Hintergrund ist die alte Pfarrkirche zu sehen, die 1972 der Abrissbirne zum Opfer fiel.
Lokales
Kirchenthumbach
06.11.2014
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Die Siedlergemeinschaft im Verband Wohneigentum und mit ihr die Einwohner der Marktgemeinde haben Grund zur Freude: Am Samstag begehen die Siedler den 60. Geburtstag ihres Vereins. Die Feier mit Ehrungen beginnt um 19 Uhr in der Gastwirtschaft Friedl.

Bis 1949 bestand der Ort Kirchenthumbach im Wesentlichen nur aus dem alten Ortskern und dem "Krawandorf", dem sogenannten Äußeren Markt, der heutigen Auerbacher Straße. Eine starke Siedlungstätigkeit setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein, bedingt durch den Einwohnerzuwachs durch Heimatvertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland.

Wegbereiter waren dabei Pfarrer Josef Bollmann, Bürgermeister Hans Schuller sowie die Gemeinderäte Martin Dobmann, Sebastian Eisend (Ernstfeld), Ferdinand Prüschenk, Josef Schwemmer (Metzenhof), Georg Stock (Metzenmühle), Alois Zeitler, Josef Albersdorfer, Emil Geipel, Ernst Krempe und Werner von Dietrich.

Acht Pioniere

Pfarrer Bollmann war es auch, der im Gebiet "Kreuzleite" Grundstücke auf Erbpachtbasis zur Verfügung stellte. Nach den Bauplänen des Regensburger Architekten Dorn entstanden dort nach und nach 20 Eigenheime mit Wohnungen für jeweils zwei Familien. Die Häuser wurden zwar mit primitivsten Mitteln und Materialien errichtet. Doch die Menschen waren froh, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben.

Ende des Jahres 1952 wurde dann die Idee geboren, eine Siedlergemeinschaft zu gründen. Ihre Geburtsstunde schlug schließlich am 29. November 1953: Im Nebenzimmer der Gastwirtschaft Eisend wurde unter Federführung von Regierungsgartenfachberater Gernert die Ortsgruppe Kirchenthumbach aus der Taufe gehoben. Gründungsmitglieder waren Karl Leipold, Josef Brunner, Karl Lautner, Franz Kirsch, Anton Meindl, Georg Bernhardt, Michael Dimler und Johann Reifenberger. Von den acht Pionieren ist keiner mehr am Leben.

Zum Vorsitzenden wurde Karl Leipold gewählt, zum Schriftführer Josef Brunner, zum Kassier Karl Lautner. Der Mitgliederstand zum 1. Januar 1954 betrug zwölf Personen. Die erste große Aufgabe, die sich die Siedlergemeinschaft stellte, war der Grundstückstausch. Obwohl der jährliche Erbbauzins je nach Grundstücksgröße nur zwischen 20 und 30 Mark betrug, strebten die Siedler eigenen Grund und Boden an. Die Häuser waren nämlich alle auf dem Boden der Pfarrpfründestiftung gebaut mit einem Erbbaurecht von 100 Jahren.

In zähen Verhandlungen gelang es, die notwendigen Tauschgrundstücke zu beschaffen. Georg Fürk kaufte Parzellen auf, die der Pfarrpfründestiftung zum Tausch angeboten wurden. Am 13. März 1958 wurde vor Notar Dr. Alois Eberl in Eschenbach der Tauschvertrag unterschrieben. Das Bischöfliche Ordinariat Regensburg vertrat Pfarrer Josef Bollmann.

Großer Maschinenpark

Mit einer großen "Siedlerschau" präsentierte sich die Siedlergemeinschaft vom 20. bis 23. Februar 1959 im Josefshaus. Den Menschen wurde dabei der Weg zum Bau eines Eigenheimes aufgezeigt. Die Aussteller waren allesamt Handwerker und Gewerbetreibende aus Kirchenthumbach und der näheren Umgebung.

Danach wurde es relativ ruhig um die Siedlergemeinschaft. Erst als Karl Leipold 1981 in den Ruhestand ging, kam wieder Bewegung in die Gruppe. Noch im gleichen Jahr stieg die Mitgliederzahl um 100 Prozent auf 24 Siedler. Bereits 1959 wurde mit dem Kauf einer Obstbaumspritze der Grundstock zu einem 20 Garten- und Baugeräte umfassenden Maschinenpark gelegt. Die Mitglieder können sich inzwischen unter anderem Erddämpfer Obstpresse, Vertikutierer, Bodenfräsen, Motormäher und Bohrgeräte ausleihen. 1993 wurde mit dem Bau eines Gerätehauses begonnen, das zwei Jahre später den kirchlichen Segen erhielt.
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