Ein Händchen für die Jugend

Nicht nur als Kaplan, sondern auch als "Elektriker" wirkte Richard Hornauer (hinten, rechts) in der Pfarrei. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit Pfarrer Josef Bollmann (hinten, links) sowie den drei jungen Chinesen (Mitte), die beim Eucharistischen Weltkongress 1960 in München zu Priestern geweiht wurden. Auf Vermittlung von Pater Johann Rauch (hinten, Mitte) feierten sie in Kirchenthumbach ihre Primiz. Repro: gpa
Lokales
Kirchenthumbach
19.02.2015
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Vor 50 Jahren hat der letzte Kaplan die Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt verlassen - Anlass, an Zeiten zu erinnern, als Kapläne einfach zu den Pfarreien gehörten. Acht "Kooperatoren", wie diese Geistlichen früher genannt wurden, waren ab 1945 in Kirchenthumbach tätig und sammelten erste Erfahrungen in der Seelsorge.

In meiner Zeit in der Pfarrjugend, später als Jugendführer, dann als Vorsitzender der Kolpingfamilie hatte ich viel mit den Kaplänen zu tun, die übrigens alle gern hier waren. Einer der Gründe dafür war, dass sie in Pfarrer Josef Bollmann immer einen väterlichen Freund und Berater hatten.

Norbert Ubl, aus dem Stift Tepl vertriebener Prämonstratenserpater, war der erste Kaplan der Nachkriegszeit. Als er kam, war ich acht Jahre alt. Ich erinnere mich nur an sein weißes Ordensgewand. Meine Mutter schilderte ihn als freundlichen, ernsten Priester. 1949 hat er die Pfarrei wieder verlassen, weil er eine Stelle in Hessen bekam. Im Januar 1965 ist Pater Ubl gestorben.

1950 kam Kaplan Johann Ascherl, der mit Pfarrer Bollmann den damaligen "Katholischen Burschenverein" in eine Kolpingfamilie umgewandelt hat. Der Kaplan, der 1954 wieder versetzt wurde, war später Nationalkaplan der Christlichen Arbeiterjugend. Vor drei Jahren ist Ascherl, der seinen Ruhestand in Vohenstrauß verbrachte, gestorben.

Der Niederbayer Hubert Maier verstand sich sehr gut mit uns Jugendlichen. Schwer enttäuscht waren wir, als er schon nach zehn Monaten in Sulzbach-Rosenberg für den dortigen erkrankten Kaplan einspringen musste. Später wurde er Studiendirektor eines Gymnasiums in Deggendorf, wo er auch seinen Ruhesitz hat. Der inzwischen 85-Jährige erinnert sich gerne an die "kurze, aber schöne Zeit" in "Dumba".

"Zirkus Saure Sahne"

Mit dem nächsten Kaplan habe ich auch nach 60 Jahren noch engen Kontakt. Raimund Arnold, geboren in Weiden, kam 1955 zu uns. Den Älteren ist er als Regisseur des "Zirkus Saure Sahne" in guter Erinnerung, mit dem wir etwa 500 Zuschauer ins Josefshaus lockten. Lange Zeit hat Arnold etwa 50 Jugendliche mit den Proben für das fast dreistündige Spektakel in Atem gehalten.

Der Sassenreuther Landjugend sowie unseren Burschen- und Mädchengruppen war er immer ein humorvoller Ansprechpartner. Als er 1957 versetzt werden sollte, hat eine Jugendabordnung beim Generalvikar eine "Verlängerung" um ein Jahr erreicht. Dann zog es Arnold nach Deggendorf. 1965 wurde er Pfarrer in Ast bei Waldmünchen, wo er auch seit 1. September 2014 im Ruhestand lebt.

Sein Nachfolger Richard Hornauer war ein guter Jugendseelsorger mit großen handwerklichen Fähigkeiten, mit denen er viele Jugendliche aus der Reserve gelockt und zum Mitmachen in unseren Gruppen bewegt hat. Bei den Mädchengruppen und in Sassenreuth war Hornauer ebenfalls sehr beliebt. Nach drei Jahren in Kirchenthumbach wurde er Kaplan in Schwandorf. Zuletzt war er Pfarrer von Taufkirchen, wo er im Januar 2000 gestorben ist.

Tief erschüttert hat mich Ende Oktober 2014 der Tod von Roman Jobst. Obwohl er nur ein Jahr (1961/62) in unserer Pfarrei war, erinnern sich die damaligen Jugendlichen noch heute an den begeisterten Fußballer. Sehr gut besucht waren auch seine Gruppenstunden. Betroffenheit herrschte, als sich Jobst nach Schönwald verabschiedete. 2008 ging er in den Ruhestand, den er bei Starnberg verbrachte. Kurz nach seinem 80. Geburtstag ist Jobst dort gestorben.

Später Bischof von Passau

Sein Kurskollege und Freund Wilhelm Schraml - der spätere Diözesanpräses des Kolpingwerkes und Domvikar, Regensburger Weihbischof und Bischof von Passau - war unser neuer Kaplan. Auch er hat alle in den Gruppenstunden fasziniert, war fußballbegeistert und hat sich sehr für den Bau des Sportplatzes eingesetzt. Groß war seine Freude, als er diesen vor seinem Abschied 1963 noch einweihen durfte.

Der letzte der vier noch lebenden ehemaligen Kirchenthumbacher Kapläne - neben Arnold, Maier und Schraml - ist Georg Zinnbauer. 1963 kam er in die Pfarrei, die er nach dem plötzlichen Tod von Pfarrer Josef Bollmann im Jahr darauf auch leiten musste, bis Pfarrer Adolf Schultes diese übernahm. Er lebt jetzt als Kanoniker des Stiftskapitels der "Basilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle" im Ruhestand in Regensburg.
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