Entertainer mit elf Jahren

Das Erste, was Philipp Kleber nach der Schule macht: Der Elfjährige schnappt sich seine Quetschn und spielt mit sichtlicher Leidenschaft urbayerische Gstanzln. Vor Schmerzen verzieht er sein Gesicht, als er mit seinem Freund Christian Edl davon singt, wie sehr so ein "Hehneraug" weh tun kann.
Lokales
Kirchenthumbach
04.02.2015
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Alle lauschen, keiner redet. Der elfjährige Philipp Kleber verzieht die Mundwinkel und kneift die Augen zu. Über die Gesichter der Gäste kullern Lachtränen. Applaus, Applaus. Da tanzen die Finger noch schneller über die schwarz-weißen Tasten des Akkordeons. Er spielt sein Lieblingslied: "Hehneraug".

"Am best'n g'fallt's ma, wenn i am Disch stej und spülln und singa derf", beschreibt der Bub aus Kirchenthumbach seine Auftritte an Geburtstagen und anderen Feiern. Und die werden immer mehr. "Dou hob i alle im Blick und sia, ob 's lacha. Und wenn niad, dann spül i nu a bissl lauta und verzieha mei G'sicht nu meha", sagt er, grinst schelmisch und rückt die Lederriemen an den Schultern zurecht.

Über 20 bayerische Gstanzln und andere Lieder kann er mittlerweile. Alle ohne Noten. Wie viele es genau sind, weiß er nicht. "I liag im Bett, horch ma die Liedla a boa mol am Handy auf Youtube o, oder wer singt se mia voa", erklärt Philipp. Dann übt er - solange, bis er die Melodie und die vielen Strophen auswendig kann. Lang dauert das meistens nicht.




"Beim Moartl hob i mal zug'schaut, wia g'spült hod und dann wollt i's a lerna", sagt er und zeigt aus dem Fenster zum Haus, das schräg gegenüber steht. Vor drei Jahren hat er mit dem Spielen begonnen. "Die ersten Griffe und Noten hat ihm seine Lehrerin in der Musikschule beigebracht", weiß Mutter Lucia Kleber. "Sein Onkel hat Philipp irgendwann seine alte Quetschn geschenkt - zusammen mit einer Mappe voll mit alten Liedern."

Der Elfjährige hat in der Musikschule die ersten Melodien noch nach Noten gelernt, seit rund einem Jahr spielt er nur noch nach Gehör. Inzwischen wolle seine Lehrerin die Gstanzln von ihm lernen. Oft sitzt er nach der Schule auf seinem Bett im Kinderzimmer. Die schwarz-silberne Quetschn mit den bunten Strasssteinchen liegt schräg auf seinem Schoß. "So merk i mia die Griffe bessa, wenn i die Tast'n siech." Schnallt er sich das Akkordeon beim Spielen über die Schultern, reicht es ihm bis zum Kinn und er sieht kaum, wo er hindrückt. "Wenn i's Lied'l niad glei ko, regt's mi af. Dann lass i's erschtmol und prubia's spada numal." Schwierig sei vor allem, sich die bayerischen Texte zu merken.

"Text am schwierigsten"

Als Philipp den Text vom "Hehneraug" - mittlerweile sein Lieblingslied - zum ersten Mal auf Youtube hörte, dachte er sich: "Leck mi am Oarsch, des krieg i nie hi." Immer wieder spielte er das Lied ab. Wie oft? Philipp zuckt mit den Schultern: "Dou hob i niad mitzüllt". Irgendwann hat es dann geklappt. Beim "Hehneraug" könne er die Stimme verstellen und Grimassen ziehen, das macht ihm am meisten Spaß.

Immer wieder stimmt der Bub ein neues Lied auf seiner Quetschn an, seine Augen strahlen dabei. "Wenn mei G'schwista nen Fülm schaua, der mi niad intressiert, dann spül i mit meina Quetschn. Aba nu lauta als sunst", grinst Philipp verschmitzt. Manchmal seien die Geschwister von seinem Musizieren auch genervt, denn bevor der Elfjährige Werbung anschaut, macht er lieber seine kleine "One-Man-Show" im Wohnzimmer. Und obwohl Philipp schon bis zu drei Auftritte in der Woche hatte, will er keine eigenen Songs schreiben und auch kein Musiker, sondern Metzger werden. Über's "Hehneraug" zu singen macht ihm Spaß, aber noch lieber schlachtet er "Hehner und Gockala".
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