Glocken verwirren Gehör

Diese Stahlglocke und eine weitere bilden aktuell das Geläut der Bergkirche. Ihr Klang ist laut Gutachten vom Gehör schwer einzuordnen, eine Mischung oder Anbindung an andere Glocken deshalb nicht möglich. Bild: ü
Lokales
Kirchenthumbach
09.02.2015
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Die Bergkirche Maria Zell soll ein neues Geläute bekommen. Spätestens 2016 sollen zwei neue Bronzeglocken zu den Gottesdiensten und Andachten rufen. Um dabei nichts falsch zumachen, hat die Pfarrei einen Experten zu Rate gezogen.

Professor Martin Keilhuber ist renommierter Glockensachverständiger der Diözese Regensburg. Er hat auf Wunsch von Pater Dr. Benedikt Röder und der Kirchenverwaltung die beiden Stahlglocken, die aktuell das Geläute der Bergkirche bilden, unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis seines Gutachtens: Die beiden Glocken im Dachreiter der Wallfahrtskirche geben einen vom Gehör schwer einzuordnenden Klang ab. Die "Nominale", also die Grundtöne, ließen sich messtechnisch etwa bei "As" und "C" ansiedeln, das Gehör nehme aber eher einen "Tritonus", eine übermäßige Quart, zwischen den Untertönen "B" und "E" wahr.

Klang ist nicht kompatibel

Eine klangliche Mischung oder Anbindung an andere Glocken und Geläute sei daher nicht möglich. Das heißt, der Glockenklang der Pfarrkirche und der Bergkirche sind nicht kompatibel.

In den Türmen beider Gotteshäuser hängen Stahlglocken. Außer dem Gussjahr 1921 sowie drei Rundstegen am Joch des Glockenstuhls und zwei an dessen "Schulter" ist nichts vorhanden, was Hinweise auf ihre Entstehung und Historie gibt. Fritz Fürk hat herausgefunden, dass 1767 der Zimmermeister Valentin Hammer aus Eschenbach den Auftrag bekam, auf die Bergkirche einen Dachreiter aufzusetzen. 57 Tage nahm die Arbeit in Anspruch. Glockengießer Kleeblatt aus Amberg lieferte zwei Glocken, die zusammen 212 Pfund wogen und ebenso viele Gulden kosteten.

Als der letzte Einsiedler von Zissenhof (heute Truppenübungsplatz), Emmeram Methschnabel, 1777 nach Altzirkendorf auswanderte, vermachte er die Glocke seiner Klause der Bergkirche. Sie ergänzte das Geläute zu einem harmonischen Dreiklang. Pfarrer Johann Lößl bemerkte damals: "Die Drei sangen fortan in das Tal hinab und legten einen heiligen Friedensbann über den Markt und seine Bewohner sowie über die ganze Gegend."

Mit zunehmender Zeit zeigte sich jedoch, dass der Turm dem Gewicht der drei schwingenden Glocken nicht gewachsen war. Um größeren Schaden abzuwenden, wurde die Klausnerglocke wieder abgebaut und 1824 verkauft. Die beiden Glocken aus dem Jahr 1767 wurden im Zuge des Ersten Weltkriegs konfisziert und vermutlich zu Kanonen oder für die Kriegsmaschinerie verarbeitet.

Zwei Möglichkeiten

Auch Professor Martin Kellhuber hat sich mit Glockenstuhl, -joche und -armaturen der Bergkirche befasst. Die Turmkonstruktion des Dachreiters würde gleichzeitig als Glockenstuhl funktionieren, sagte er. Die bessere Lösung wäre allerdings eine glockenstuhlartige Konstruktion, die vom Turmgebälk unabhängig ist.

Die neuen Glocken würden an geraden Stahlträgern hängen und von Hand geläutet. Sollten sie aber gemeinsam mit den Glocken der Pfarrkirche läuten, wäre eine elektrische Anlage mit Funksteuerung sinnvoll, empfahl der Fachmann. Um dies realisieren zu können, ist die Kirche auf weitere Spenden angewiesen.

Mittlerweile sind acht Glockengießer angeschrieben worden, zwei haben bereits Angebote abgegeben. Pater Benedikt geht davon aus, dass um die 16 000 Euro in die Hand genommen werden müssen, zumal mehr als nur die Glocken erneuert werden müssen.
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