Kleiner Krimi ums Holzrecht

Lokales
Kirchenthumbach
25.04.2015
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Eine Bauausschusssitzung zwischen Königlich-Bayerischem Amtsgericht und CSI-Krimi. Haben die Zirkendorfer Bauern Anrecht auf Holz aus dem Gemeindewald? Um das zu klären, nutzte der Markt neue Analysemethoden und alte Urkunden.

Die Alt- und Neuzirkendorfer Bauern pochen auf ihre Holzrechte im Gemeindewald. Ganz anderer Meinung war seit November 2013 die Marktgemeinde. Demonstrativ besuchten die Landwirte die Bauausschusssitzung, um ihren Ansprüchen Nachdruck zu verleihen. Ein Hauch Königlich-Bayerisches Amtsgericht wehte am Donnerstag durch den Sitzungssaal des Rathauses. Am Ende mit gutem Ausgang für die Rechtler.

Die Auseinandersetzung begann im November 2013. Ein Gemeindevertreter zweifelte am 12. November in einer Versammlung der Waldrechtler-Gemeinschaft Altzirkendorf am Holz-Anspruch der Bauern. Zweiter Bürgermeister Josef Schreglmann versuchte in der Sitzung, "besonders den neuen Marktgemeinderäten die komplizierte Rechtslage" zu erklären.

Bohrkernproben

Nur wenn an einem Stichtag des Jahres 1922 auf dem Grundstück ein Waldbestand nachweisbar war, bestehen Ansprüche auf Nutzung, zitierte der zweite Bürgermeister eine Bemerkung des Gemeindevertreters in der Rechtlerversammlung vom 12. November 2013. Dann schilderte der Sitzungsleiter die folgenden aufwendigen Recherchen. Bohrkernproben an den ältesten Bäumen des Rechtlerwaldes in der Gemarkung Neuzirkendorf müssten her. Ein Gutachten des Amtes für Landwirtschaft und Forsten wurde veranlasst. Das beweist ein Waldbestandsalter von höchstens 80 Jahren. Geschätzt wird eine Pflanzung um das Jahr 1933. Ist demnach der Wald zu jung für das Holzrecht?

Zweiter Bürgermeister Josef Schreglmann zitierte aus einem E-Mail vom 25. November 2013 des damaligen dritten Bürgermeisters an den Rathauschef: "Auf dem gemeindeeigenen Grundstück gibt es keine Rechte, weil der Baumbestand wesentlich später als im Stichjahr 1922 entstanden ist", heißt es darin. Der E-Mail-Schreiber folgert weiter: "Der Wald wurde nur mit stillschweigender Duldung der Kommune genutzt." Auch der Bayerische Gemeindetag soll laut Aktenlage diese Rechtsauffassung vertreten haben.

Aber ebenfalls am 25. November 2013 wurden die Rechtler vom Vermessungsamt von einer neuen Sachlage informiert. In diesem Schreiben, das laut Aktenlage "nicht in Papierform bei der Verwaltung der Marktgemeinde angekommen ist", so Josef Schreglmann, bestätigt das Amt nach Nachforschungen im Urkataster des Bayerischen Königreiches einen Waldbestand schon im Jahr 1839.

Ein Glücksfall

Ein Glücksfall für die Rechtler, wie der Sitzungsleiter bemerkte. Für den Bauausschuss war die Stellungnahme der Behörde, jetzt Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Grundlage für den Beschluss. Einstimmig bejahten der zweite Bürgermeister und die sechs Bauausschussmitglieder den Anspruch der Waldbauern, ihr Holzrecht auf dem Gemeindegrundstück mit der Flur-Nummer 673 in der Gemarkung Neuzirkendorf weiter ausüben zu dürfen.
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