Lange Schulwege "ein Unding"

Der angerostete Abc-Schütze vor dem Eingangsportal der Volksschule Kirchenthumbach ist für die Marktgemeinde hoffentlich kein schlechtes Omen. Marktgemeinderäte und Schulleiter wünschen sich, dass in den Räumen bei genügender Schülerzahl wieder Mittelschüler unterrichtet werden können - und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Bild: do
Lokales
Kirchenthumbach
05.09.2015
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Eine von zwei fünften Klassen der Mittelschule Eschenbach gehört nach Kirchenthumbach, findet Bürgermeister Jürgen Kürzinger. Auf seine Forderung hin regt sich jedoch Widerspruch. Beginnt ein alter Streit um Kinder, Klassen und Schulstandorte wieder von Neuem?

Wenigstens einmal "anklopfen" müsse man beim Schulamt, um auf eine im Verbund der Mittelschule ungerechte Klassenverteilung hinzuweisen, wetterte Bürgermeister Jürgen Kürzinger in der Sitzung des Marktgemeinderats am Mittwochabend. Er verstand seine Initiative dann aber doch beschwichtigend als Anstoß für eine Grundsatzaussprache.

"In den letzten Jahren mussten Kirchenthumbacher Kinder der Jahrgangsstufen fünf und sechs bis nach Grafenwöhr fahren", kritisierte der Bürgermeister die langen Schulwege: "ein Unding". Da gelte es, sich einzumischen. Deshalb kämpfe er nun für eine fünfte Klasse in Kirchenthumbach. "Anklopfen" nennt er seinen Vorstoß. "Wir hängen an unserer Schule; vergesst deshalb die Marktgemeinde nicht", rief Kürzinger allen Beteiligten zu.

Nach alter Gepflogenheit vereinnahmte der Kirchenthumbacher Rathauschef die Kinder aus Schlammersdorf und Vorbach, den weiteren Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, um seine Klassenwünsche zu untermauern. Prompt kam Widerspruch. "Eschenbach liegt im Verbundgebiet deutlich zentraler als Kirchenthumbach", machte der Vorbacher Bürgermeister Werner Roder seinem Kollegen deutlich. Zudem sprächen für Eschenbach die einfachere Busverbindung und ein generalsaniertes Gebäude, das optimale Voraussetzungen für den Schulbetrieb gewährleiste.

Gegen "Schnellschüsse"

Roder verwies ferner auf eine schriftliche Befragung der Einwohner von Vorbach und Schlammersdorf im Jahr 2004. Damals hätten sich die Bürger eindeutig für Eschenbach als Standort der Hauptschule (heute Mittelschule) ausgesprochen. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde lehnte vor diesem Hintergrund neue Überlegungen zumindest für das nächste Schuljahr ab.

Ungehalten verurteilte Roder "Schnellschüsse während der Sommerferien". Er sprach von einer unnötigen Belastung der Zusammenarbeit und empfahl, bei künftigen Überlegungen Schulleitungen, Gemeinden und Elternbeiräte der Grund- und Mittelschulen im Verbundgebiet rechtzeitig in die Entscheidungen einzubinden.

Geburten entscheidend

Zweifel an der Argumentation des Kollegen aus Vorbach äußerte zweiter Bürgermeister Josef Schreglmann. "Die Befragung in Schlammersdorf und Vorbach war vor elf Jahren." Seitdem könnte sich die Meinung vielleicht geändert haben, sagte Schreglmann und schlug vor, auf die Entwicklung der Kinderzahlen in den nächsten Jahren zu warten.

Auch Richard Götz sprach von einem Thema, das unter Dauerbeobachtung stehe. Entscheidend werde wohl die Geburtenentwicklung in Kirchenthumbach sein. Falle diese im Vergleich zu den Nachbargemeinden positiv aus, könne die Marktgemeinde mit besseren Argumenten um die Neueinteilung der Klassen kämpfen.

Dominik Brütting unterstrich diese Auffassung: "Solidarität darf im Schulverbund keine Einbahnstraße sein." Die Debatte endete ohne Beschluss - aber mit einer Anmerkung von Bürgermeister Jürgen Kürzinger: "Mit unserer Initiative haben wir einen Stein ins Rollen gebracht. Lassen wir ihn weiterrollen."
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