Lust am Bier siegt

Das waren noch Zeiten - und aus heutiger Sicht sensationell günstige Preise: Anfang des 20. Jahrhunderts zahlten Durstige für eine Mass Bier 20 Pfennige. Bilder: ü (2)
Lokales
Kirchenthumbach
13.08.2015
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"Viel Afrika - wenig Hofbräuhaus": Dieser Spruch passt zur derzeitigen Wetterlage wie der Schaum auf den Masskrug. Da tut nach Feierabend eine frische Halbe im Biergarten oder daheim auf der Terrasse besonders gut. Bier als Durstlöscher ist seit Jahrhunderten ein Hochgenuss.

Zieht man die Preise vom Oktoberfest heran, wird dieser jedoch von Jahr zu Jahr teurer. Doch hierzulande sind die Bierpreise noch in Ordnung - allerdings auch mit denen von früher ganz und gar nicht zu vergleichen. Vor 100 Jahren etwa kostete je nach Schankwirtschaft der Liter Bier oder "0,9 Liter 20 Pfennige".

In Privatsammlung

Derartige Preisschilder tauchen beim Entrümpeln von Dachböden immer noch auf. Eines davon ist im Besitz von Martin Kohl und hat in dessen antiker Privatsammlung im Hinterhof des Nußsteinhauses neben alten Bierzubern einen würdigen Platz gefunden. Wer als Durstiger derartige Schilder zu sehen bekommt, gerät ins Schwärmen.

Fritz Fürk, der die Heimatgeschichte durchleuchtet, hat herausgefunden, dass auch in Kirchenthumbach vor dem Ersten Weltkrieg der Liter Bier 20 Pfennige gekostet hat. Während des Krieges kletterte der Bierpreis auf 22 Pfennig pro Liter.

Die Konsumenten waren allerdings nicht mit dieser Erhöhung einverstanden, denn nun mussten sie extra ein Fünf-Pfennig-Stück wechseln lassen. Daher beschloss die Trinkergemeinschaft nach dem Motto "Einigkeit macht stark" ab sofort kein Bier mehr zu trinken. Als Begründung wurde angegeben, dass die Erhöhung Preiswucher sei und dass das ewige Geldwechseln zu viel Umstände mache. Die Brauereien ließen sich jedoch nicht erweichen und beharrten auf dem Preis. Lange hielten die Durstigen ihre Blockade nicht aus. Die Lust am Bier siegte schließlich doch, und man nahm die Preiserhöhung zähneknirschend und murrend in Kauf.

Wesentlich günstiger

1911, so hat Fritz Fürk weiter herausgefunden, besorgten sich die Leute Kommunbier aus Pressath, das wesentlich günstiger war: Man zahlte damals nur 13 Pfennige für die Maß. Mit diesem Preis konnten oder wollten die Kirchenthumbacher Brauereien nicht mithalten. Doch Pleite ging keine von ihnen - schon gar nicht die Kommunbrauerei.
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